Donald Trump: Zeitenwende in der Tech-Branche

ThemaInnovationen

Toronto vs. Silicon Valley: Kommt mit Trump die Zeitenwende in der Tech-Branche?

von Stefan Hajek

Kanada will nach Donald Trumps Amtseinführung den USA den Rang als globales Start-up-Mekka ablaufen: Vor allem Toronto entwickelt sich in atemberaubendem Tempo.

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Aus dem Silicon Valley nach Toronto: Kanada wirbt um die Techbranche.

In seiner Jugend wäre es Chris Lau absurd erschienen, sich in seiner Heimat um Start-up-Belange zu kümmern. Lau, dessen gesamte Familie aus Asien nach Kanada eingewandert ist, hielt es nach der Universität wie viele hoch qualifizierte Kanadier und schnappte sich den ersten Job lieber im großen Nachbarland USA. Genauer: Es zog ihn ins Silicon Valley, um als Softwareingenieur zu arbeiten. „Damals war das der übliche Weg. In Kanada gab es kaum Hightechjobs“, sagt Lau. Nun sitzt er in Anzug und Krawatte in einem alten Fabrikloft im Osten Torontos und verteilt Kaffee. Einige der vielen Hundert neuen Start-ups der Stadt haben hier ihre Büros. Lau berät hier Interessenten aus aller Welt über Investmentmöglichkeiten in der Provinz Ontario.

Kanada, vor allem Toronto, entwickelt sich mit atemberaubendem Tempo zum neuen Hightechmekka. Die Stadt wächst und wächst, sie zieht IT-Studenten, Risikokapitalisten, Firmengründer und Techexperten aus aller Welt an. Geht es nach der neuen liberalen Regierung im nahen Ottawa, wird es bald Zehntausende neuer Laus geben: Die Kanadier, allen voran Premierminister Justin Trudeau, wollen den USA den Rang ablaufen als Einwanderungsland Nummer eins für Start-up-Gründer und Techtalente.

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Ist nur der Wunsch Vater des Gedankens? Alle paar Monate ruft sich eine neue Region zum „Silicon Valley“ aus: L.A., London, Berlin, Paris. Fast allen fehlt es aber an mindestens einer der essenziellen Zutaten, die zusammenkommen müssen, damit aus Wunsch Wirklichkeit wird: eine starke IT-Industrie, Spitzen-Unis, fremdenfreundliche Kultur, bezahlbare Büros und Wohnraum sowie risikofreudige Geldgeber.

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Kanada hat das alles – auf engem Raum, zwischen Toronto und der nahen Grenze zu den USA. Der entscheidende Schub könnte jetzt ausgerechnet vom bisher übermächtigen Nachbarn kommen: Offiziell sagt es kein kanadischer Beamter oder Firmenchef, aber alle wollen davon profitieren, dass in wenigen Tagen Donald Trump zum US-Präsidenten vereidigt wird.

Für die Techbranche könnte eine Zeitenwende anstehen: Trump ließ im Wahlkampf keine Gelegenheit aus, die US-Hightechunternehmen zu attackieren. Zwar hat er inzwischen für deren wichtigste Vertreter Hof gehalten und sich offen für ihre Anliegen gezeigt. Andererseits hat Trump bislang keine seiner Drohungen konkret zurückgenommen. Sein Kabinett hat er mit Hardlinern besetzt. Eine strengere Immigrationspolitik sei „nach wie vor eine meiner Top-3-Prioritäten“, sagte Trump auch nach der Wahl.

Migration gen Norden. (zum Vergrößern bitte anklicken)

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Der kommende US-Präsident griff dabei ein Heiligtum der Techbranche an, die bisher großzügige H-1B-Visa-Regelung. Das sind drei- bis sechsjährige Arbeitserlaubnisse, mit denen pro Jahr etwa 140 000 hoch Qualifizierte in die USA kommen, rund 80 000 davon auf Einladung der Hightechkonzerne Google, Apple, Amazon oder Facebook.

Noch ist unklar, wie konkret Trump gegen das H-1B-Programm vorgehen wird, aber „die globale Talentakquise ist schon schwieriger geworden“, sagt Ava Benach, Co-Chefin einer Anwaltskanzlei, die US-Techkonzerne bei der Personalsuche im Ausland berät. „Und selbst wenn Trump H-1B beibehielte: Nach seinen Attacken haben gerade Farbige, Muslime oder Schwule und Lesben Zweifel, ob sie den Schritt in die USA noch tun wollen“, sagt sie.

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