Unternehmensübernahme: Unternehmer trödeln bei der Nachfolgesuche

Unternehmensübernahme: Unternehmer trödeln bei der Nachfolgesuche

von Anja SteinbuchQuelle:Handelsblatt Online

Fast 600.000 Chefs wollen in den nächsten zwei Jahren ihre Firma übergeben. Doch Verkäufe in der Familie scheitern häufig am Geld. Wer eine Übergabe frühzeitig plant, ist deshalb auf der sicheren Seite

Die Uhr tickt in jedem sechsten mittelständischen Unternehmen: Laut einer Analyse der Förderbank KfW planen bis 2017 die Chefs von rund 580.000 deutschen Firmen die Übergabe oder den Verkauf an einen Nachfolger. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner warnt: „Etwa vier Millionen Arbeitsplätze hängen vom Gelingen dieser Unternehmensnachfolgen ab.“

Der Anteil der über 55-jährigen Inhaber mittelständischer Unternehmen ist seit 2002 um 16 auf 36 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Unternehmensgründer: Laut KfW waren es vor 15 Jahren noch rund 1,5 Millionen per anno, heute nur noch 900.000. Die Vergreisung ist bedrohlich für Deutschland, denn mit dem Alter sinkt die Investitionsbereitschaft der Chefs.

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Zehn Jahre vor der Rente muss man anfangen zu planen

Auch Carlo Mackrodt, Partner bei der Personal- und Unternehmensberatung Rochus Mummert in München, sieht diese Gefahr. Er berät seit vielen Jahren die Hidden Champions unter den großen Mittelständlern und sucht passende Kandidaten für deren Führungsetagen: „Nicht nur das Alter des Geschäftsführers ist ausschlaggebend, auch auf der mittleren Management-Ebene werden bald viele Posten frei.“ Gebetsmühlenartig predigt Mackrodt seit Jahren: „Fangen Sie rechtzeitig damit an, über Ihre Nachfolge nachzudenken. Zehn Jahre vor dem Rentenalter sollte man erste Pläne schmieden.“

Zehn Tipps für die Nachfolgeplanung

  • Kein Aufschub

    Die Grundfrage, welche Rolle der Nachwuchs im Unternehmen spielen soll, nicht verdrängen, sondern rechtzeitig reflektieren und beantworten.

    Diese Tipps zur Nachfolgeregelung stammen von Uta von Boyen, der Gründerin und Geschäftsführerin der Unternehmens- und Personalberatung von Boyen Consulting.

  • Zeit

    Genügend Zeit für Entscheidung und Vorbereitung einplanen

  • Alternativen

    Den Familiennachwuchs nicht auf Biegen und Brechen in die Nachfolge schieben

  • Beirat

    Die Chancen der Beiratsfunktion im Blick behalten

  • Nachfolger

    Den Nachfolger systematisch aufbauen

  • Beziehungen

    Beim Aufbau der Kandidaten die Beziehungen zu den Vorstandskollegen, zum Aufsichtsrat, zu den direkt unterstellten Mitarbeitern, zu den Kunden und zu Investoren sorgsam pflegen

  • Diskretion

    Den Entscheidungsprozess äußerst diskret durchführen

  • Kommunikation

    Mitarbeiter oder externe Parteien glaubwürdig über Entscheidungen informieren

  • Veränderungen

    Die Gelegenheit des Führungswechsels nutzen, um auch andere dringende Veränderungen anzugehen

  • Governance

    Klare Governance-Regeln zu Nachfolge und Führung definieren

Ein unter Zeitnot rekrutierter Nachfolger könne nur selten ein Unternehmen in die Zukunft führen: „Jeder Firmenlenker sollte sich ab 55 fragen, wo sein Unternehmen in fünf bis zehn Jahren stehen muss.“ Alles andere sei „blinder Aktionismus“, ist Mackrodt überzeugt. Folgende Fragen stellen sich: Soll das Unternehmen funktional oder divisional aufgestellt sein? Ist die Strategie regional oder international? Wo sind die Schlüsselpositionen? Wer das frühzeitig beantworten könne, kann „sein Feld gut bestellt hinterlassen“.

Für den Generationswechsel in Unternehmen gibt es viel Unterstützung - insbesondere bei der Finanzierung der Übernahmen. „Nicht nur externe Kandidaten müssen hohe Summen auf den Tisch legen“, weiß Jörg Finnern, Geschäftsführer der Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg (BG).


„In jedem Betrieb gehen acht Arbeitsplätze verloren“

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Ob ein Familienmitglied oder ein Fremder den Betrieb übernimmt - als Erstes müsse ein Preis festgelegt werden. Hilfestellung leisten Wirtschaftsprüfer, Handwerks- und Handelskammern und Banken. Finnern: „Sie unterstützen die Beteiligten, einen fairen Preis zu finden." Denn viele Senior-Chefs forderten zu hohe Summen für ihr Lebenswerk. Damit das Überleben der Firma nicht an fehlendem Eigenkapital oder Sicherheiten des Nachfolgers scheitert, geben Haus- und Bürgschaftsbanken, Wirtschaftsförderungsgesellschaften und Mittelständische Beteiligungsgesellschaften Starthilfe.

Ein Beispiel: Die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB) hat gemeinsam mit der BG den „Hamburg-Kredit Gründung und Nachfolge“ geschaffen. Das sind zinsgünstige Darlehen bis zu 500.000 Euro mit einer Laufzeit bis zehn Jahren. Gleichzeitig stellt die BG der Hausbank eine Ausfallbürgschaft für bis zu 80 Prozent der Darlehenssumme. Nachfolge-Experte Finnern empfiehlt einen Mix aus mehreren Hilfsmaßnahmen. Seine Erfahrung: „Drei von vier Senior-Chefs denken viel zu spät über die Nachfolgeregelung nach.“ Das sei fatal: „In jedem Betrieb, der nicht weitermacht, gehen im Schnitt acht Arbeitsplätze verloren.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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