Valley Talk: Per Elektro-Roller durch San Francisco düsen

kolumneValley Talk: Per Elektro-Roller durch San Francisco düsen

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Mit einem Elektroroller ist man in der Stadt oft schneller unterwegs als mit dem Auto

Kolumne von Matthias Hohensee

Elektrische Motorroller sind in San Francisco gerade total angesagt. Ein Gründer hat daraus ein smartes Geschäftsmodell gemacht: Bei Scoot Networks können die E-Roller ausgeliehen werden.

Vor vier Jahren zog der Städteplaner Michael Keating nach San Francisco, um einen Motorroller-Verleih zu starten. Bei einem Studienaufenthalt in China hatten ihn die elektrischen Motorroller fasziniert, mit denen sich ihre Fahrer durch den dichten Verkehr der Innenstädte schlängelten. Völlig abgasfrei, schneller als Autos oder Taxis, ganz ohne Parkprobleme.

Vier Dinge ermunterten Keating, seine Geschäftsidee umzusetzen: Zipcar, Fahrradverleiher, Airbnb und Smartphones.

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Der Carsharing-Anbieter Zipcar, der Autos stundenweise vermietet, war bereits erfolgreich in San Francisco etabliert. In Europa waren Fahrradverleiher längst etwas Alltägliches. Der frisch zugezogene Jungunternehmer war zudem ein eifriger Nutzer der Bettenbörse Airbnb. „Das gab mir das nötige Vertrauen, Dinge an Wildfremde zu vermieten, ohne gleich das Schlimmste zu befürchten“, sagt Keating. Und ihm war klar, dass Smartphones der perfekte Draht zum Kunden sind.

Startup der Woche Elektroroller für Großstadtrocker

Der Scrooser ist ein elektrisch betriebenes Gefährt für kurze Wege. Das Dresdner Startup iFPE will es im kommenden Jahr auf den Markt bringen.

iFPE-Gründer Jens Thieme und sein Scrooser

Zwei Jahre nach dem Start gehören die knallroten Motorroller mit dem weißen Scoot-Schriftzug zu San Franciscos Straßenbild genauso wie die mit pinkfarbenen Schnauzbärten geschmückten Amateur-Taxis von Lyft oder die schwarzen Limousinen vom Fahrdienst Uber. 100 Motorroller kurven mit bis zu 45 Kilometern pro Stunde durch die Westküstenmetropole. Ihre Akkus erlauben je nach Steigung und Gefälle zwischen 16 und 22 Kilometer Reichweite, genug also, um durch das nur 121 Quadratkilometer große Stadtgebiet zu düsen.

Ergänzung zu öffentlichen Verkehrsmitteln

Die 30 Mietstationen von Scoot Networks sind quer über die Stadt verstreut. Das Besondere: Die Kunden mieten die Roller über das eigene iPhone oder Android-Smartphone. Dazu stecken sie das Gerät in eine Halterung in der Mitte der Lenkgabel; es fungiert dann gleichzeitig als Tachometer, Navigationssystem, Taxameter, Diagnosewerkzeug und Bezahlsystem. Die zugehörige App zeigt zudem an, wo sich die nächste Mietstation zur Rückgabe befindet. In weniger als fünf Stunden werden die Motorroller dort wieder aufgeladen. Die ersten 30 Minuten kosten je nach gewähltem Mietplan zwischen 3 und 6 Dollar, danach werden tagsüber für die nächsten 30 Minuten zwischen 1,50 und 3 Dollar fällig.

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Keating sieht seinen Service als Ergänzung zu den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Fahrdienste Uber und Lyft sind für ihn keine Konkurrenz. „Wir kosten ja nur einen Bruchteil einer Taxifahrt“, meint er. „Dadurch haben wir ein viel größeres Potenzial, weil uns auch Kunden mit geringerem Einkommen nutzen können.“ Natürlich ist der Komfort bei Scoot Networks eingeschränkt, weil der Kunde selbst fahren muss. Und es ist nicht jedermanns Sache sich auf einem Motorroller durch den Stadtverkehr zu schlängeln. Ausländische Touristen können Scoot derzeit nicht nutzen, da ein US-Führerschein erforderlich ist. Ein Motorradführerschein ist nicht notwendig, wenn der Nutzer den Roller nicht länger als 48 Stunden mietet. Eine Lücke in der kalifornischen Gesetzgebung macht es möglich.

Kritik, unerfahrene Fahrer auf den Straßenverkehr loszulassen, konterte Keating mit einem Pflichttraining für jeden neuen Nutzer. Noch gibt es Scoot Networks nur in San Francisco, aber die Expansion ist bereits geplant. Im Januar sammelte das Start-up weitere 2,3 Millionen Dollar dafür ein, insgesamt ist es mit 4,1 Millionen Dollar finanziert. Ein Bruchteil dessen, was Taxivermittler Uber mit seinen 1,5 Milliarden Dollar eingesammelt hat. Obwohl sich in der Sharing Economy, die Teilen zum Geschäftsmodell macht, inzwischen Hunderte von Start-ups tummeln, sieht Keating noch jede Menge Potenzial: „Jeder Service, der heutzutage noch durch feste Zeiten bestimmt ist, lässt sich neu organisieren.“

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