Valley Talk: Wer beim Crowdfunding Erfolg hat

kolumneValley Talk: Wer beim Crowdfunding Erfolg hat

Kolumne von Matthias Hohensee

Erfolgreiche Crowdfunding-Projekte geraten schnell ins Visier professioneller Investoren. Trotzdem ist die Auslese hart.

Vergangenes Jahr überwies ich über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo 199 Dollar ans Start-up Scanadu aus dem Silicon Valley. Mich begeisterte dessen Idee, ein einfach zu bedienendes Messgerät für Puls, Blutdruck, Körpertemperatur und Atemfrequenz entwickeln zu wollen. Kurz an die Schläfe gepresst, übermittelt das handtellergroße Gerät via Bluetooth die Ergebnisse an das Smartphone. Die werden dann gespeichert und lassen sich über einen längeren Zeitraum gesammelt auswerten.

Zudem beeindruckte mich Scanadu-Gründer Walter de Brouwer, der extra von Belgien ins Silicon Valley gezogen war. Er sah hier bessere Chancen, seine Idee umsetzen zu können. Er hoffte aber auch auf eine bessere Förderung seines halbseitig gelähmten Sohns Nelson, der am neuen Wohnort in Cupertino dank des finanziell gut ausgestatteten Schuldistrikts einen persönlichen Tutor zur Seite gestellt bekam.

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Der heute 14-jährige Nelson hatte sich 2005 bei einem Sturz schwere Kopfverletzungen zugezogen und lag wochenlang im Koma. Die einzige Verbindung zu seiner Familie waren die Kurven auf den Messgeräten, die sein Vater mithilfe von Fachliteratur entschlüsselte – jeder positive Trend ein Hoffnungsschimmer. Aus diesem Erlebnis entstand die Idee für Scout.

Über Indiegogo warb de Brouwer Vorbesteller. Die Kampagne war ein voller Erfolg. Nicht nur, weil das Start-up so 1,6 Millionen Dollar einsammelte. Sondern es ein paar Monate später auch noch zusätzliche 10,5 Millionen Dollar an Risikokapital erhielt.

Eine aktuelle Studie der Marktforschung CB Insights belegt: De Brouwer lag richtig damit, ins ferne Kalifornien zu ziehen. Die Analysten untersuchten 443 Hardwareprojekte, die auf Indiegogo und dessen Wettbewerber Kickstarter mehr als 100 000 Dollar von potenziellen Käufern eingesammelt hatten.

Doch eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne ist keine Garantie, auch von professionellen Investoren Geld zu bekommen. Von den betrachteten Vorhaben schaffte das nur etwa jedes zehnte. Von diesen sind knapp 80 Prozent in den USA angesiedelt, über die Hälfte davon in Kalifornien. Zusammen haben sie 321 Millionen Dollar an Wagniskapital eingesammelt, rund das Siebenfache dessen, was sie durch Crowdfunding erhalten haben.

Die drei Spitzenreiter sind derzeit Misfit Wearables, Formlabs und Smartthings. Misfit, ein tragbares Messgerät für Sportler, hat 23 Millionen Dollar an Risikokapital angezogen. Formlabs, ein Hersteller von 3-D-Druckern, ist mit 22,3 Millionen Dollar ausgestattet. Smartthings, Spezialist für die Heimautomatisierung, sammelte 15,5 Millionen Dollar ein.

Das Gefühl, Gutes zu tun

Crowdfunding ist nichts für jedermann. Wer als Vorbesteller die Firmen unterstützt, trägt zwar zu deren Erfolg bei, ist aber finanziell nicht beteiligt. So erhielten etwa die Gründer von Oculus, dem Hersteller von 3-D-Datenbrillen, 2,4 Millionen Dollar über Kickstarter – und verkauften ihre Firma dann für zwei Milliarden Dollar an Facebook. Das große Geschäft machten professionelle Kapitalgeber. Smartthings wurde gerade für 250 Millionen Dollar an Samsung veräußert.

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Das hat einigen Unterstützern die Laune verdorben. Aber sich darüber aufzuregen ist ungefähr so, als ob ein Kunde auf Apple sauer ist, weil er sein Geld in deren Macs, iPhones und iPods gesteckt hat und nicht in die Aktie des Konzerns.

Zudem müssen Interessierte Geduld mitbringen. Scanadu versprach ursprünglich, den Scout im Frühjahr 2014 zu liefern. Nach etlichen Produktionsproblemen sieht es nun eher nach Anfang 2015 aus. Aber das Gefühl, eine gute Sache voranzubringen, ist nicht monetär zu bewerten. Und wenn jemand Kasse macht, sind zumindest auch die Ideengeber dabei.

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