Vontobel-Hamburg-Chef Volker Schwarz: Privatanleger investieren nur selten in Startups

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InterviewVontobel-Hamburg-Chef Volker Schwarz: Privatanleger investieren nur selten in Startups

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Volker Schwarz, Hamburg-Chef der Privatbank Vontobel.

von Jens Tönnesmann

Volker Schwarz, Hamburg-Chef der Privatbank Vontobel, erklärt, warum seine vermögenden Kunden ihr Geld lieber in etablierten Unternehmen anlegen. Der Zusammenbruch des Neuen Markts ist nicht vergessen.

WirtschaftsWoche: Herr Schwarz, bei Vontobel betreuen Sie vermögende Privatkunden. Wie oft werden sie von Firmengründern angesprochen, die Geldgeber suchen?

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Schwarz: Das kommt derzeit sehr häufig vor. Allerdings ist es ein Irrglaube, dass Privatbanken wie Vontobel zahlreiche Millionäre unter ihren Kunden haben, die nur darauf warten, in Startups zu investieren. Das erleben wir bisher eher selten. Wir betreuen vermögende Kunden oder ganze Familien, die ihr Geld strategisch und langfristig anlegen wollen.

Aber junge Unternehmen oder Wagniskapitalfonds können doch strategisch durchaus interessant sein…

Interessant, aber auch riskant. Viele Privatanleger sind seit der Finanzkrise vorsichtig und suchen eher nach reiferen Unternehmen. Und da können wir in Deutschland zum Glück aus dem Vollen schöpfen. Allerdings kommt es hin und wieder auch vor, dass unsere Kunden ihr Geld ganz gezielt in jungen Unternehmen einer bestimmten Branche anlegen wollen – etwa in der Biotech-Branche. Dann suchen wir über unser Netzwerk nach Technologie-Firmen, die gut zu den Anlegern passen.

Worauf kommt es dabei an?

Diese Kunden sind oft selbst Unternehmer oder kommen aus Unternehmerfamilien. Die können Bilanzen lesen, lassen sich nicht von guter PR blenden und prüfen Businesspläne ganz genau. Insbesondere, wenn sie selbst Erfahrung in der Branche gesammelt haben. Für die jungen Unternehmen ist das von Vorteil, weil sie von dieser Erfahrung profitieren können.

Das Gebäude der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Frankfurt. Quelle: AP

Sind Internet-Unternehmen für solvente Privatanleger interessant?

Bestenfalls interessieren sich jüngere Anleger für Internet-Unternehmen, ältere überhaupt nicht. Das dürfte daran liegen, dass sich viele von ihnen die Finger verbrannt haben, als zur Jahrtausendwende die Internetblase geplatzt ist. Der Börsencrash steckt diesen Menschen immer noch in den Knochen, für die ist das Experiment Internet erstmal beendet.

Die Regierung hat in diesem Jahr durch den Investitionszuschuss Wagniskapital versucht, vermögenden Privatleuten einen Anreiz zu bieten, in Technologie-Startups zu investieren. Eine gute Sache?

Da bin ich skeptisch. Von einem solchen Zuschuss profitieren oft nur diejenigen, die ohnehin schon investieren. Andererseits kann er auch falsche Anreize schaffen: Anleger investieren möglicherweise in Firmen, von denen sie besser die Finger gelassen hätten.

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Zuletzt sorgten Diskussionen über ein neues Börsensegment für junge Technologie-Firmen für Schlagzeilen. Wäre das im Interesse von Anlegern?

In der Tat scheuen sich viele vermögende Anleger davor, in Startups zu investieren, weil sich die Anteile nur schlecht handeln lassen und sie hohe rechtliche Hürden nehmen müssen. Über die Börse wäre das einfacher. Allerdings gibt es da meiner Ansicht nach schon ausreichend Möglichkeiten, so dass wir keine Neuauflage des Neuen Markts brauchen.

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