
Seit Tagen hängt im Büro von Franz Duge und Michael Bruck ein großer Grundriss. Er zeigt die neue Produktionshalle in Berlin-Lichtenberg, in der die Gründer des Berliner Startups Chocri in Zukunft noch mehr Schokolade herstellen wollen. Nicht irgendeine Schokolade, sondern individuelle Schokotafeln, die die Kunden des Unternehmens zuvor im Internet kreiert haben – aus vier verschiedenen Schokosorten und über hundert verschiedenen Zutaten wie Cashews, Knisterpops oder Kamillenblüten. Eine Tafel mit fünf Zutaten kostet zwar um die sechs Euro und damit deutlich mehr als eine gewöhnliche Tafel im Supermarkt, ist dafür aber ein Einzelstück.
Entstanden ist die Idee aus einem spontanen Einfall im Jahr 2007; im Herbst 2008 fingen die Gründer an, Schokotafeln nach Wunsch in großen Mengen herzustellen. Im Jahr 2009 gewannen sie den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb, der jetzt zum vierten Mal ausgeschrieben ist (siehe wiwo.de/gruenderwettbewerb).
Seitdem berichtet Duge regelmäßig im Gründertagebuch darüber, wie das Startup wächst und die Schokotafeln in immer mehr Länder der Erde exportiert. In der sechsten Ausgabe des Tagebuchs erklärt Duge, warum der Umzug nach Berlin-Lichtenberg trotz aller Grundrisse und Ablaufpläne etwas länger dauert als gedacht.
24. März
Mein Mitgründer Micha und ich haben einen Termin mit unserer Hausbank. Ein wichtiger Termin, denn sobald es wärmer wird und mit dem Muttertag das letzte große Schenkfest des ersten Halbjahrs vorbei ist, endet für uns die Hauptsaison. Im Sommer kriegen wir einfach weniger Bestellungen. Mit solchen Schwankungen müssen die meisten Gründer leben – deswegen sollte man sich schon früh um einen Puffer kümmern. Den haben wir jetzt: Der Vertreter unserer Hausbank will unseren Dispokredit erhöhen. Das gibt uns zusätzlichen Spielraum.
25. März
Wir sprechen mit einem großen Schokoladeneinzelhändler über eine so genannte Whitelabel-Lösung. Bei diesem Geschäftsmodell bietet das Unternehmen unsere Schokolade in seinem Online-Shop an, ohne unser Label zu verwenden. Daran verdient zwar auch der Einzelhändler, aber dafür erreichen wir Kunden, die wir sonst nicht erreichen würden – ohne zusätzliches Marketing. Wir verhandeln über die finanziellen Details und diskutieren, wie sich unsere Produkte technisch in den Online-Shop des Anbieters integrieren lassen. Wenn das klappt, könnten Whitelabel-Modelle in Zukunft ein weiterer Absatzkanal für unsere Wunsch-Schokolade werden.
29. März
Seit einiger Zeit engagieren wir uns im Bundesverband des Deutschen Versandhandels, kurz: bvh. Die Mitgliedschaft in dem Verband kostet zwar 900 Euro im Jahr, dafür treffen wir dort aber viele interessante Unternehmer, die uns gute Tipps geben können. Heute sind wir bei Myphotobook zu Gast, einem der größten Fotobuchanbieter Deutschlands. Leider können wir vom Gastgeber nur die Büros sehen, da er seine Produktion ausgelagert hat. Wir beide sind uns einig, dass so etwas für uns nicht in Frage kommt. Auch in unseren neuen Räumen in Berlin-Lichtenberg ist die Produktion nur ein paar Schritte von den Büros entfernt.









