Die Pi-mal-Daumen-Methode geht bei Klaus Brockhoff so: In einen Meter Regal passen etwa 38 Bücher, also misst er geschwind die Meter voll gestellter Regale und multipliziert diese mit 38. Brockhoff macht das nicht zum Spaß. Der Professor der WHU — Otto Beisheim School of Management ist Gutachter eines MBA-TÜVs und überprüft die Qualität der Fachbibliothek und der Schule. Sein krassester Fall: Die Bibliothek einer Hochschule hatte nur ein Viertel der Bücher, die sie angegeben hat. Um welche Schule es sich handelt, will Brockhoff nicht verraten. Nur so viel: Die Schule befand sich im Ausland, erhielt die Akkreditierung nicht, und heute gibt es sie nicht mehr. Es kommt gar nicht so selten vor, dass eine Schule die Anforderungen der European Foundation for Management Development (EFMD) nicht erfüllt – zu wenige Bücher sind aber das geringste Problem. Die EFMD prüft die Qualität von Business Schools und vergibt Auserwählten das Siegel „Equis“. 105 Schulen dürfen es derzeit führen, etwa 30 Bewerber fielen durch. Für Studenten ist eine solche Akkreditierung ein wichtiges Kriterium für die Wahl ihrer Schule. Die renommierten Siegel bescheinigen der Business School eine sinnvolle Strategie, internationale Ausrichtung, angemessene Betreuungsquote sowie vorzeigbare Leistungen in Forschung und Lehre. Vor allem überregionale Gütesiegel garantieren ein hohes Mindestmaß an Qualität. Deutsche Siegel sind dagegen nur im Inland relevant (siehe Kasten). Die internationalen Top-Siegel trennen die Spreu vom Weizen. Neben der EFMD ist die Association to Advance Collegiate Schools of Business (AACSB) maßgebend. Von den deutschen MBAs sind dort die Handelshochschule Leipzig und die Goethe Business School in Frankfurt akkreditiert. Die Mannheim Business School darf gar mit beiden Siegeln werben. Zu einem Trick greifen die Gisma Business School in Hannover und die Europäische Wirtschaftshochschule in Berlin: Beide sind über ihre Partnerunis akkreditiert. So bietet Gisma offiziell ein AACSB-Siegel über die amerikanische Purdue University an, die Berliner sind über ihr Mutterhaus ESCP-EAP in Paris zertifiziert. Genau hinsehen ist deshalb Pflicht für jeden, der einen MBA-Titel anstrebt. Zu dem exklusiven Club will künftig auch die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Münster gehören. Sie steckt am Anfang des Akkreditierungsverfahrens, an dessen Ende die amerikanische Plakette AACSB stehen soll. Die Münsteraner wählten die US-Agentur, da die Fakultät Partnerschaften mit nordamerikanischen Business Schools eingehen will. Der Prozess ist langwierig. Häufig erstreckt sich die Prüfung über zwei bis drei Jahre. Zunächst prüfen die Juroren die Grundvoraussetzung: Abschluss von mindestens drei MBA-Jahrgängen, ein guter nationaler Ruf und hohe Forschungsaktivitäten. Es folgt ein mehrere Hundert Seiten starker Selbstbewertungsreport, in dem die Schulen ihre Strategie und Stärken offenlegen. Im letzten Schritt statten Vertreter der Agenturen den Business Schools einen mehrtägigen Besuch ab. Auch Unternehmensvertreter sind bei dem Ortstermin zugegen. Sie prüfen dann die Angaben in Gesprächen mit Dozenten, Verwaltungsmitgliedern und Studenten. Nur die besten Schulen unterziehen sich der Mühe, die eine Akkreditierung mit sich bringt. Zudem ist der Qualitäts-Check mit dem Erwerb des Siegels nicht abgeschlossen. Nach drei bis zehn Jahren werden die Schulen erneut geprüft.
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So hatte zum Beispiel die von einer Stiftung getragene WHU — Otto Beisheim School of Management ein Problem. Der EFMD war der Ansicht, dass „die Autonomie der Hochschule gestärkt werden müsse“, sagt Professor Brockhoff. Um das Siegel weiterhin tragen zu dürfen, änderte die Geschäftsführung die Satzung der Hochschule und reduzierte die Kontrollfunktion der Stiftung. Laut Brockhoff hätte die Business School das auch so angestrebt, nur nicht schon zu diesem Zeitpunkt. Eine Akkreditierung signalisiert den Studenten, dass das Management der Business School es ernst meint — und zwar dauerhaft. „Akkreditierungen sind im Wesentlichen ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess“, sagt Mark Wahrenburg, Professor an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt und Rektor der Goethe Business School. Die Institution verbessert sich, indem sie sich selbst überprüft: Was ist unsere Strategie, sind unsere Programme gut ausgerichtet, kriegen alle Absolventen einen Job? Je nach Siegel bekennt sich die Schule auch zu einer individuellen Positionierung. Grund: Die Akkreditierungen legen unterschiedliche Wertmaßstäbe an. Equis etwa überzeugt durch stärkere Internationalisierung. Die akkreditierten Schulen überzeugen durch hohen Anteil ausländischer Studenten, international erfahrene Professoren und intensive Austauschprogramme mit ausländischen Hochschulen. AACSB dagegen prüft quantitativer: Die Schulen müssen Angaben darüber machen, wie viele Veranstaltungen von eigenen und externen Dozenten – etwa aus der Wirtschaft – gehalten werden, wie hoch die Betreuungsquote ist und wie viele der Lehrenden akademisch qualifiziert sind. „Die AACSB akkreditiert zum Beispiel auch ein kleines College, das sich hauptsächlich auf die Lehre in Undergraduate-Programmen konzentriert und nicht auf Internationalität der Schule insgesamt“, sagt Martin Schader. Er ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Mannheim und darüber hinaus als Gutachter für EFMD und AACSB tätig. Das ginge bei Equis nicht. Immer mehr Schulen lassen sich gleich mehrfach zertifizieren. Internationale Top-Schulen sind so bei den führenden Akkreditierungen Equis und AACSB gleichzeitig eingeschrieben. Hinzu kommt ein drittes Gütesiegel der britischen Association of MBAs (Amba). Statt ganze Schulen zu beurteilen, zeichnet sie einzelne Programme aus. 1967 als Interessenvertretung britischer MBA-Absolventen gestartet, legt Amba vor allem Wert auf die allgemeine Ausrichtung. Die dreifachen Titelträger gelten unter Kennern als die Spitze der geprüften Exzellenz. Ein „Triple Crown“ können nur rund 30 Schulen weltweit ausweisen, und die befinden sich allesamt im Ausland. Dazu gehören etwa die französische Insead, die spanische Esade Business School und die englische Ashridge Business School. Im Reigen renommierter Akkreditierungen spielen deutsche keine Rolle. Die nationalen Akkreditierungen prüfen zwar die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Doch wichtige Kriterien wie Internationalität, englische Unterrichtssprache und mehrjährige Berufserfahrung der Studenten bleiben unberücksichtigt. Dennoch muss sich jede Business School, die in Deutschland einen MBA anbietet, dort zertifizieren lassen. „Das ist nur Bürokratie und hat nichts mit Qualität zu tun“, sagt Wahrenburg. Zwar müssten gesetzliche Auflagen erfüllt werden. Aber für die bereits international akkreditierten Unis seien die überflüssig.













