Andreas Dombret: "Nicht für den Job verbiegen"

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InterviewAndreas Dombret: "Nicht für den Job verbiegen"

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Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret im Interview mit WirtschaftsWoche.

von Saskia Littmann und Cornelius Welp

Früher wollte er Pfarrer werden, heute ist er Vorstandsmitglied der Bundesbank. Andreas Dombret spricht im Interview darüber, warum er das Leben als Investmentbanker nicht vermisst - und was er Absolventen rät.

WirtschaftsWoche: Herr Dombret, wie gierig und rücksichtslos muss man sein, um in einer Bank Karriere zu machen?

Andreas Dombret: Entschuldigen Sie, aber ich finde, das sind Klischees. Die Branche hat derzeit sicher ein schlechtes Image – viel schlechter als vor 30 Jahren, als ich angefangen habe. Aber hierfür sind vor allem Einzelfälle verantwortlich. Die meisten Banker machen einen ehrenhaften Job, und die meisten Banken bemühen sich sehr ernsthaft darum, Missstände zu beseitigen – auch wenn sie noch einen langen Weg vor sich haben.

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Sie waren selbst jahrelang einer der bekanntesten Investmentbanker Deutschlands. Doch im Jahr 2010 wechselten Sie die Seiten und arbeiten nun bei der Bundesbank, dort beaufsichtigen Sie Ihre früheren Kollegen. Wie kann das gehen?

Ich kann zwischen privat und dienstlich gut unterscheiden. Natürlich sind in meinem Berufsleben Kontakte und Freundschaften entstanden, aber dienstlich halte ich Distanz. Seit ich in der Bundesbank von der Finanzstabilität zur Bankenaufsicht gewechselt bin, habe ich diese Distanz noch weiter vergrößert.

Zur Person

  • Andreas Dombret

    Andreas Dombret kam 1960 als Sohn deutscher Eltern in den USA zur Welt. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er an der Universität Münster BWL und promovierte an der Friedrich-Alexander-Universität zu Erlangen-Nürnberg. Danach machte er Karriere bei mehreren Geschäftsbanken, im Mai 2010 wechselte er in den Vorstand der Deutschen Bundesbank.

Es kommt tatsächlich keiner Ihrer alten Kumpel und bittet Sie, mal nicht so genau hinzuschauen?

Das habe ich noch nicht erlebt, und es wäre auch nicht hilfreich. Ich halte es aber für sinnvoll, den sachlichen Dialog intensiv zu pflegen, und versuche dabei, schon früh durch gezieltes Fragen ein Bewusstsein für mögliche Probleme zu schaffen, und zwar noch bevor diese entstehen. Dabei hilft natürlich ein wenig, dass ich aus eigener Erfahrung weiß, wie die Branche tickt. Aber bitte bedenken Sie: Banker und Aufseher sind keine natürlichen Feinde. Wir tauschen uns in gegenseitigem Interesse aus.

Seitenwechsler wie Sie sind in Deutschland dennoch selten und werden besonders kritisch beäugt.

Das stimmt leider. In den USA ist das völlig anders. Dabei profitieren beide Seiten vom Perspektivwechsel. In Deutschland reden Behörden und Unternehmen immer noch zu wenig miteinander. Ich will meinen bescheidenen Beitrag dazu leisten, dass sich dies ändert.

Sind Sie deshalb gewechselt?

Nicht vorrangig. Nach der Finanzkrise 2008 hat mich die Aufgabe bei der Bundesbank gereizt, da ich als Deutschlandchef der Bank of America selbst regelmäßig mit der Aufsicht zu tun hatte. Da war es attraktiv, diese Seite kennenzulernen. Außerdem habe ich immer gerne antizyklisch gehandelt. Während sich die Karrieren der meisten Investmentbanker mit 50 Jahren dem Ende neigen, habe ich in diesem Alter im Vorstand der Bundesbank angefangen. Ich möchte gerne noch lange arbeiten und war auch deshalb für eine neue Aufgabe offen.

Waren Sie so entsetzt von den Verfehlungen Ihrer Branche, dass Sie Buße tun und auf die gute Seite wollten?

Vieles von dem, was während und nach der Krise ans Tageslicht kam, hat mich schon sehr irritiert. Aber ich bin mit meiner Laufbahn in der Finanzindustrie durchaus zufrieden. Als Investmentbanker „alter Schule“ habe ich Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen beraten. Das ist, wenn Sie so wollen, ein konservatives Geschäft, bei dem langfristige Beziehungen und das Vertrauen des Kunden entscheidend sind, nicht kurzfristiges Handeln.

Das Bild in der Öffentlichkeit ist ein anderes: In den Banken kommt angeblich derjenige voran, der möglichst schnell den eigenen Profit maximiert – im Zweifel auch auf Kosten der Kunden.

Es gibt nicht nur, aber auch in der Bankenbranche schwarze Schafe, also Institute, bei denen der Druck so hoch ist, dass Angestellte zu zweifelhaften Geschäften getrieben werden. Auf Dauer zahlt sich das nicht aus. Wer ausschließlich auf Profit aus ist, ohne an die Ethik, die Kunden und die Mitarbeiter zu denken, wird keinen langfristigen Erfolg haben. Ich habe bei vier unterschiedlichen Instituten gearbeitet, und keines davon hat mich vor allem für meine Risikobereitschaft belohnt. Die Beziehung zu den Kunden war schon damals viel entscheidender, und das ist auch richtig so.

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