Arbeitgeberimage: Bewerber mögen die Bundeswehr

Arbeitgeberimage: Was steckt hinter dem "Bewerber-Boom" bei der Bundeswehr?

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Immer mehr junge Menschen bewerben sich bei der Bundeswehr.

Wenn die Bundeswehr in den Medien ist, dann oft wegen Pleiten, Pech, Pannen - und Skandalen. Bewerbern präsentiert sich die Truppe allerdings ganz anders: modern, aufgeschlossen, mit guten Karrierechancen. Das kommt an.

Es sind Bilder, wie man sie von der Bundeswehr kennt: Politiker besuchen Bundeswehrsoldaten im Ausland. Dieses Mal ist es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Litauen. Andere bekannte Bilder der Truppe sind die von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die wahlweise kaputte Gewehre, Panzer und sonstige Ausrüstung erklärt. Alternativ klärt sie Skandale auf oder verurteilt sie.

Nicht nur Pannen und Skandale: Die Bundeswehr auf der Gamescom

Es gibt aber auch noch ganz andere Bilder von der Bundeswehr. Zum Beispiel von der Spielemesse Gamescom, die derzeit in Köln stattfindet und die auch Angela Merkel schon aus Imagegründen besucht hat. Längst sind dort nicht mehr nur Spiele-Firmen vertreten, sondern auch diverse andere Organisationen - vom Evangelischen Jugendpfarramt Köln bis eben auch zur Bundeswehr.

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Gamescom Eine Nation vor dem Bildschirm

Besucherrekorde, mehr Aussteller, mehr Spiele: Auf der Computerspielemesse Gamescom in Köln ist der Boom der Computerspiele-Branche hautnah zu erleben. Deutschland ist Daddel-Land geworden.

Gamescom: Eine Nation vor dem Bildschirm. Quelle: AP

Bei mehr als 315.000 - mehrheitlich jungen - Besuchern, ist die Messe eben auch ein Ort, an dem Arbeitgeber einer jungen Zielgruppe begegnen können. So sie etwas vorzustellen haben, was die Gamer interessiert. Und das ist bei der Bundeswehr durchaus der Fall. IT- und Tech-Jobs gibt es bei der Truppe nämlich eine ganze Menge: vom IT-Administrator über den Bachelor of Engineering bis zum IT-Systemelektroniker ist für Technikfreunde ziemlich viel dabei. Anstatt einen Karriereberater auf die Gamescom zu schicken, stellt die Bundeswehr dort aber lieber eine App vor: mit einer dreiwöchigen Challenge, VR-Videos echter Bundeswehr-Übungsmissionen und einem Berufefinder. Damit sollen Interessierte herausfinden, was sie bei der Bundeswehr außer Soldat eigentlich alles werden können. Und das sind mehr als 1000 verschiedene Berufe für den Hauptschüler bis zum Uniabsolvent.

Auf welchem Gerät die Menschen am meisten für Spiele ausgeben

  • 2016

    Konsole: 32 %
    Smartphone: 28 %
    PC, über Download oder Datenträger: 25 %
    Tablet: 10 %
    PC, über Browser: 5%

    Gesamt: 101 Mrd. US-Dollar

  • 2020

    Smartphone: 40 %
    Konsole: 28 %
    PC, über Download oder Datenträger: 19 %
    Tablet: 10 %
    PC, über Browser: 3 %

    Gesamt: 129 Mrd. US-Dollar

"Mit der neuen App baut die Bundeswehr ihr Engagement im Bereich Edutainment aus", sagt Dirk Feldhaus, Beauftragter für die Arbeitgebermarke der Bundeswehr. "Gerade einer jungen Zielgruppe, die ihre Grenzen testen und sich mit anderen messen will, bieten wir mit der App unter dem Motto 'Bist Du fit für die Bundeswehr?' einen spielerischen Zugang zur Welt der Bundeswehr."

Seit Abschaffung der Wehrpflicht muss die Bundeswehr neue Wege gehen, um ihren Nachwuchs zu sichern. 20.000 Stellen müssen jedes Jahr nachbesetzt werden, sagt von der Leyen. Für die kommenden sechs bis sieben Jahre geht das Verteidigungsministerium aufgrund von Terrorabwehr und sonstigen Auslandseinsätzen von einem zusätzlichen Personalbedarf von 14.300 Soldaten aus. Auch die müssen nach Ende ihrer Dienstzeit immer wieder nachrekrutiert werden.

35 Millionen Euro für Nachwuchsrekrutierung

Entsprechend hat das Ministerium 2015 eine umfangreiche Werbeaktion zur Nachwuchsrekrutierung gestartet: Jedes Jahr gibt sie für Plakatkampagnen - "Mach, was wirklich zählt" - Werbevideos im Internet, und Karrieretrucks auf Messen rund 35 Millionen Euro aus. Das sind fünf Millionen Euro mehr als noch 2014. Allein die Serie "Die Rekruten", die vergangenes Jahr das Leben von zwölf jungen Bundeswehrsoldaten und -soldatinnen begleitete, kostete mehr als 1,7 Millionen Euro. Die begleitende Medienkampagne veranschlagt das Ministerium mit 6,2 Millionen Euro.

Und jetzt noch die App zum spielerischen Kennenlernen der Truppe. Doch die Werbeoffensive ist offenbar erfolgreich: Schon 2015 bewarben sich 106.000 Menschen auf zivile und militärische Jobs. Gut jeder Vierte wurde genommen. 2016 senkte die Verteidigungsministerin die Anforderungen für einen Job beim Bund, um mehr Bewerber zuzulassen. Das Höchstalter wurde erhöht, die Anforderungen an die körperliche Fitness reduziert. Das brachte ihr viel Kritik ein - und mehr Bewerber: 2016 stellte das Heer zehn Prozent mehr Soldatinnen und Soldaten ein.

Personalprobleme der Bundeswehr Lieber Spaziergänge statt Gewaltmärsche

Nicht nur die Ausrüstung der Bundeswehr hat gefährliche Defizite. Vielen Soldaten fehlen die körperlichen Fähigkeiten. Schuld ist der Mangel an Rekruten und eine kopflose Gleichstellungspolitik.

Quelle: dpa/Montage

Und 2017 geht der Trend ungebrochen weiter: Mit aktuell 21.500 Einstellungen konnte die Bundeswehr im laufenden Jahr schon fast so viele Menschen unter Vertrag nehmen wie im gesamten Vorjahr, berichtet die "Rheinische Post" unter Berufung auf aktuelle Zahlen aus dem Verteidigungsministerium. In der ersten Jahreshälfte 2017 verzeichnete die Bundeswehr danach 36.000 Bewerber und liegt auch damit weit über den Zahlen von 2016. Es sei zu erwarten, dass die Bewerberzahl in den kommenden Monaten noch "deutlich" über das Vorjahresniveau steige.

Von Aktionen wie der Bundeswehr-App können sich andere Unternehmen etwas abschauen: nämlich, wie man auf Zielgruppen zugeht. "Junge Menschen kommen nicht mehr automatisch über die Wehrpflicht zur Bundeswehr - deswegen muss die Bundeswehr zu ihnen kommen", bekräftigt Feldhaus. Deshalb begegne man dieser Zielgruppe auf Augenhöhe. Mit einer spielerischen App, statt einer Stellenanzeige.

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