Arbeitsmarkt: Fahrlässiges Ölvergießen

KommentarArbeitsmarkt: Fahrlässiges Ölvergießen

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Abiturienten wirklich auf Jobsuche?

von Daniel Rettig

Der Deutsche Gewerkschaftsbund erregt mit einer Studie Aufsehen. Demnach treffe die Jobkrise insbesondere Hochqualifizierte - viele Medien springen auf den Zug mit auf. Doch bei der Studie gibt es ein Problem. Eine Klarstellung.

Keine Frage, die Überschriften schockieren: "Jobkrise jetzt auch bei Hochqualifizierten." Alternativ: "Wirtschaftskrise zunehmend für hochqualifizierte Arbeitnehmer eine Bedrohung." Oder, noch dramatischer: "Jobkrise trifft Hochqualifizierte am härtesten." Unterschwellig signalisieren solche Überschriften: Keiner ist mehr sicher vor der Krisenwelle – selbst ein Studium schützt nicht mehr vor Arbeitslosigkeit. Was ist passiert?

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) veröffentlichte am Montag eine "Sonderauswertung der offiziellen Arbeitsmarktstatistik". Demzufolge liegt die Zahl der Menschen mit Fach- und Hochschulreife, die einen Job suchen, um fast ein Viertel höher als im Vorjahr. So weit, so schlecht. Eine Frage sei hier jedoch erlaubt: Seit wann erwarten Abiturienten denn, sofort nach der Schule einen Top-Job zu finden?

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Das Abitur ist doch zunächst mal nichts anderes als die Erlaubnis, an einer deutschen Hochschule zu studieren - und dadurch erst den Grundstein für eine spätere Festanstellung zu legen. Die Arbeitsmarktchancen von Abiturienten als Indikator dafür zu nehmen, dass "die Jobkrise jetzt auch bei Hochqualifizierten" ankommt, ist einfach absurd.

In seiner Auswertung schreibt der DGB in einer Zwischenüberschrift, dass das "Verarmungsrisiko von Fach- und Hochschulabsolventen" ebenfalls gestiegen sei - einen Beleg für diese steile These gibt es in der Studie nicht.

Arbeitslosenquote des Abschlussjahrgangs 1997: Ein Prozent

Das Hochschul-Informations-System befragte vor einigen Monaten über 5000 Hochschulabsolventen des Abschlussjahrgangs 1997, ob sie seit dem Abschluss einen Arbeitsplatz gefunden haben. Fazit: 91 Prozent der FH- und 89 Prozent der Uni-Abgänger sind bis heute erwerbstätig. Die Arbeitslosenquote der Befragten lag bei einem Prozent.Keine Frage: Auch Hochqualifizierte, also Hochschulabsolventen, tun sich derzeit schwer mit dem Berufseinstieg - darauf wies die WirtschaftsWoche bereits im vergangenen Juni hin. Es soll hier nicht darum gehen, die Lage zu schönen. Das Leben ist derzeit wahrlich kein Ponyhof. Doch gerade in Zeiten der Krise sollte man kein Öl ins ohnehin schon lodernde Feuer gießen. Der Stimmung im Land erweisen sowohl der DGB als auch die betreffenden Medien durch solche voreiligen Interpretationen einen Bärendienst. Und das ist fahrlässig.

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