Azubi-Recruiting Trends 2015: So kommen Unternehmen an Azubis

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von Kerstin Dämon

Junge Menschen haben nur ihr Smartphone im Kopf und haben keine Lust auf Ausbildung? Die Realität sieht anders aus. Was Unternehmen über ihre künftigen Mitarbeiter wissen sollten.

Ohne Studium geht nichts: Immer weniger junge Menschen machen in Deutschland eine Ausbildung. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge sank 2014 nach dem neuen Berufsbildungsbericht erneut um 1,4 Prozent auf rund 520.000. Entsprechend blieben im Jahr 2014 rund 37.000 Lehrstellen unbesetzt.

Die Gründe für den Mangel an Azubis sind vielfältig: zu demografischen Effekten wie der sinkenden Schulabgänger-Zahl und dem generellen Trend zum Studium kommen noch diverse Vorurteile der Unternehmen, die beispielsweise keine Migranten oder Hauptschüler ausbilden wollen. „Über 280.000 von der Bundesagentur für Arbeit als geeignet eingestufte Jugendliche haben vergeblich eine Ausbildung gesucht“, beschweren sich entsprechend die Gewerkschafter - oft handelte es sich um Hauptschüler oder Leistungsschwächere.

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Doch wie viel ist denn dran an dem Bild, das viele Chefs offenbar von den 15- bis 18-jährigen Lehrlingen haben? Sind sie wirklich mit ihrem Smartphone verwachsen und werden von ihren Helikopter-Eltern vor jeglicher Unbill des Lebens bewahrt? Besteht die Jugend nur noch aus unselbstständigen, ungebildeten, egoistischen Facebook-Junkies? Die aktuelle Ausgabe der jährlich durchgeführten Studie Azubi-Recruiting Trends unter 799 Ausbildern und 1428 Azubis zeigt: Der Nachwuchs tickt anders, als so mancher Vorgesetzte fürchtet.

Was Azubis von ihrer Ausbildung erwarten

  • 21 Prozent

    Laut der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2015“ wollen sich 21 Prozent der Auszubildenden mit ihrer Lehre beziehungsweise ihrem späteren Job selbst verwirklichen.

  • 22 Prozent

    22 Prozent gehören zu den zweckorientierten Karrieristen, die den Beruf lernen, mit dem sich am schnellsten das meiste Geld verdienen lässt und wo es am schnellsten die Karriereleiter hinauf geht.

  • 57 Prozent

    Die Mehrheit sucht Spaß sowie Erfüllung im Beruf und möchten bei der Arbeit ihre Wertvorstellungen umsetzen.

Bei der Bewerbung beispielsweise sind die jungen Menschen überraschend konservativ: Rund 71 Prozent der befragten Schüler und Azubis bewerben sich „gerne“ oder „sehr gerne“ traditionell mit Mappe und Anschreiben. Via E-Mail würden sich 61 Prozent bewerben, 51 Prozent finden Online-Bewerbungen auf der Karriere-Seite eines Unternehmens gut. „Eine schriftliche Bewerbung kann viel mehr von einer Person zeigen, da viel Mühe investiert werden kann beziehungsweise der erste Eindruck ein ganz anderer ist als bei einer Onlinebewerbung“, begründete einer der Teilnehmer seine Vorliebe für die klassische Variante.

Mobile Bewerbungen finden die Nachwuchs-Kräfte dagegen alles andere als angemessen. So sagte einer der Befragten: „Wer mit dem Handy eine Bewerbung schreibt, hat auch keine Lust auf Arbeiten.“

Was das angeht, müssten sich Chefs und Lehrlinge bestens verstehen. Denn laut einer Umfrage der Jobsuchmaschine Indeed haben nur zwölf Prozent der befragten Arbeitgeber ihre Job- und Karriereseiten für mobile Endgeräte optimiert. Entsprechend finden auch nur elf Prozent der Ausbilder eine Bewerbung per Smartphone akzeptabel.

Was Unternehmen beim Social-Media-Recruiting beachten sollten

  • Urteilen Sie nicht zu schnell

    Wie ein Kandidat seine Social Media-Profile pflegt oder ob er überhaupt dort vertreten ist, lässt keine Aussage über seine Eignungen und Fähigkeiten zu. Nur weil jemand besonders viel postet, muss das nicht heißen, dass er auch im Job äußerst engagiert ist.

  • Achten Sie auf das Risiko

    Der Blick in die Social Media-Profile kann Ihren Eindruck bestätigen, aber auch ins Gegenteil verkehren. Lockere Umgangsformen auf Xing, LinkedIn oder Facebook und Selfies sagen noch nichts darüber aus, wie professionell ein Kandidat arbeitet. Legen Sie fest, welchen Stellenwert Informationen aus den sozialen Medien einnehmen sollen.

  • Respektieren Sie die Privatsphäre

    Xing und Facebook nutzen viele primär für private Kontakte. Bei der proaktiven Suche nach geeigneten Kandidaten sollten Sie daher Ihre Ansprache vorsichtig formulieren und einer möglichen Bitte, von Jobangeboten über Social Media Abstand zu nehmen, nachkommen.

  • Social Media ist kein Ersatz für den persönlichen Handschlag

    Viele Unternehmen glauben, ihre bisherigen Recruiting-Maßnahmen durch Social Media ersetzen zu können. Dabei gehen jedoch wichtige Informationen verloren – zum Beispiel wie potenzielle Kandidaten auf Stresssituationen reagieren und ob sie als Persönlichkeit in Ihr Team passen.

  • Behalten Sie Ihre Ressourcen im Blick

    Die Kontaktaufnahme mit potenziellen Kandidaten über die sozialen Medien ist verlockend. Vor allem die Kontaktpflege kostet aber viel Zeit und Engagement. Stellen Sie sich die Frage, ob Sie das auch langfristig leisten können.

Es gibt aber durchaus auch Gegner der klassischen Papierbewerbung unter den Kommentatoren. Und ihre Argumente sind nicht von der Hand zu weisen: „Ich habe bis zu 200 Bewerbungen geschrieben. Wenn ich alle auf dem Postweg verschickt hätte, dann hätten mich die Kosten erschlagen“, so einer der Teilnehmer.

Das soll nun aber keine Ausrede für Unternehmen sein, weiter zu rekrutieren, wie in den 1950er Jahren. Denn die Jungen bewerben sich zwar gerne klassisch, informieren sich aber überwiegend im Internet. Entsprechend sollten Ausbildungsangebote und Karriereseiten schon mobil optimiert sein – allein schon, weil seit dem 21. April 2015 Smartphone-optimierte Websites bevorzugt in den Google-Ergebnissen angezeigt werden. Wer hier nicht mitspielt, wird also leicht übersehen.

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