Berufseinstieg: Einmal überqualifiziert, immer unterbezahlt

Berufseinstieg: Einmal überqualifiziert, immer unterbezahlt

Absolventen droht eine Lohn-Falle. Einer neuen Studie zufolge gilt: Wer nach dem Abschluss unter seinem Ausbildungsniveau arbeitet, verdient noch Jahrzehnte später weniger Geld.

Schule, Uni, gut bezahlter Job. So sieht das Idealkonstrukt der meisten Akademiker aus. Aber was, wenn nach dem Master-Diplom zuerst mal Aushilfs- und Nebenjobs herhalten müssen?

Amerikanische Wirtschaftswissenschaftler der Duke Universität und der Universität North Carolina-Chapel Hill haben in einer Studie herausgefunden, dass selbst kurzfristige Nebenjobs nach dem College-Abschluss noch Jahrzehnte das Einkommen negativ beeinflussen können.

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Uni-Absolventen, die Aushilfsjobs wie Barkeeper oder Kellner annehmen und damit in ihrem ersten Job überqualifiziert sind, verdienen im Durchschnitt auch in den folgenden Jahren weniger als Kommilitonen, die direkt nach dem Abschluss eine Stelle finden, die ihrem Ausbildungsniveau entspricht.

In ihrer Studie beziehen sich die Ökonomen auf Daten einer Langzeiterhebung, in denen 14- bis 22-Jährige aus dem Jahr 1979 hinsichtlich ihrer beruflichen Anstellungen, fachlichen Qualifikationen und ihrer Gehaltsentwicklung beobachtet worden sind.

Der Studie zufolge ist eine berufliche Überqualifikation bei Akademikern in den ersten Jahren auf dem Arbeitsmarkt am wahrscheinlichsten (62,3 Prozent) Danach sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Überqualifizierung mit den Jahren auf dem Arbeitsmarkt – allerdings nur schleichend: Denn auch ein Jahr nach dem Eintritt in das Berufsleben blieben rund zwei Drittel der Überqualifizierten unterhalb ihrer Ausbildungskompetenzen.

Zusätzlich können die Forscher aus den Ergebnissen schließen, dass Frauen tendenziell überqualifizierter sind als ihre männlichen Kollegen. Ein Umstand, den die Ökonomen auf die häufigeren Bedürfnisse nach flexiblen Arbeitsbedingungen zurückführen.

Den nachhaltigen, negativen Effekt einer frühen Job-Überqualifizierung verdeutlichen die Forscher anhand eines Vergleichs: Berufseinsteiger, die nach 18 Jahren Berufsausbildung einen Job unter ihrem Ausbildungsniveau annahmen, verdienten zwar zunächst pro Stunde mehr als ihre Kommilitonen, die auf einen geeignete Stelle warteten. Aber spätestens nach vier Jahren wendete sich das Blatt.

Nach zehn Jahren der Gehaltsentwicklung wird der langfristige Unterschied besonders deutlich: Während die qualifizierten Arbeitnehmer ihr Einkommen um rund zehn Dollar pro Stunde erhöhen konnten, war es bei denen, die zunächst einen unterqualifizierten Job annahmen, gerade einmal vier Dollar.

Und auch wenn ehemalige „Aushilfsjobber“ es einmal in eine adäquate Position geschafft haben, wirkt das Phänomen nach. Denn selbst wer vor vier Jahren noch in einem „schlechten“ Job gearbeitet hat, verdient heute in einer angemessenen Stelle bis zu 4,2 Prozent weniger als Kollegen, die niemals überqualifiziert waren.

Mit den Ergebnissen ihrer Studie kritisieren die Ökonomen ebenfalls politische Umstände der (amerikanischen) Arbeitslosenunterstützung. Ihrer Ansicht nach werden Berufseinsteiger dazu gedrängt, jede verfügbare Berufsstelle anzunehmen – auch wenn sie deutlich unterhalb ihres Qualifikationsniveaus liegen.

Daraus prognostizieren die Ökonomen eine düstere Zukunft für die (amerikanische) Wirtschaft. Denn wenn Überqualifizierte weiterhin dauerhaft weniger verdienen als ihnen eigentlich, angesichts ihrer Ausbildung, „zusteht“, werden sie auch in Zukunft weniger Geld für Ausgaben und Konsum zur Verfügung haben.

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