
Stuttgart jubelt, Stuttgart weint. Während die Fußballmannschaft des VfB die Meisterschale nach Hause holt, steigt das Stuttgart Institute of Management and Technology (SIMT) in die zweite Liga ab. 1998 als Renommierprojekt im Ländle gestartet, wurde die Managementschmiede im Februar für einen Euro an einen Investor verkauft. Der Konkurs war damit vom Tisch — das gute Image aber auch. Es war ein Abstieg auf Raten. Viermal in nur neun Jahren wechselte die Führungsspitze. Selbst erfahrene Profis wie der ehemalige Reutlinger BWL-Professor Hans Tümmers konnten nicht verhindern, das die Kosten aus dem Ruder liefen. Allein die Miete für das repräsentative Gebäude verschlang eine Dreiviertelmillion Euro pro Jahr. Schätzungsweise 20 Millionen Euro flossen bislang von Geldgebern wie Stadt und Land sowie namhaften Unternehmen wie Bosch und Trumpf in die Public-Private-Partnership. Und hinter den Kulissen stritten sich Professoren der drei angegliederten Universitäten Hohenheim, Tübingen und Stuttgart über die Strategie. Anspruch und Wirklichkeit driften bei vielen Business Schools in Deutschland auseinander. Sie starten mit hohem Ehrgeiz und wollen vom lukrativen MBA-Markt profitieren. Doch nur eine Handvoll Anbieter gehört zu den Kaderschmieden, die international auf sich aufmerksam machen können. Dazu gibt es ein paar aufstrebende Hoffnungsträger. Die große Masse aber bietet nur einen MBA, der seinen Namen nicht verdient. Sie erfüllen nur wenige Kriterien, die einen guten MBA ausmachen. Oft fehlt es an professionellem Management, einem klaren Bekenntnis zum MBA und entsprechender Infrastruktur. Am Ende hatte das SIMT Glück im Unglück. Die Steinbeis-Gruppe des Multi-Unternehmers Johann Löhn hat die Zukunft des SIMT zunächst gesichert. Eine gute Nachricht für die Studenten: Der Betrieb läuft weiter. Geplant sind sogar neue Programme. Neben dem seit 1999 laufenden Vollzeit-MBA soll ein Executive-Programm erfahrene Führungskräfte an den Neckar holen. In welcher Form das sein wird und ab wann, ist noch unklar. Klar ist nur: Der Traum von der besten deutschen Business School ist vorerst ausgeträumt. Der MBA-Markt in Deutschland konsolidiert sich. Ausgerechnet im Musterländle Baden-Württemberg geriet eine weitere Business School ins Trudeln. Die International University in Bruchsal (IU) steht knapp zehn Jahre nach ihrem Start vor dem Aus. Die IU, heißt es in einer Erklärung der Gesellschafter, werde „in der bisher verfassten Form nicht weiter bestehen“. Gründe dürften vor allem finanzielle Probleme sein. Und Investoren sind nicht in Sicht. Auf die explosionsartige Vermehrung der MBA-Anbieter folgt nun die Marktbereinigung. 1994 existierten in Deutschland gerade einmal 15 Schulen mit MBA-Programmen, heute sind es mehr als 100 Anbieter mit rund 200 Programmen — sowohl Vollzeit-MBA als auch berufsbegleitende Executive-Varianten für erfahrene Manager. Das sind eindeutig zu viele. „Der Weiterbildungsmarkt ist einer der schwierigsten Märkte, die es gibt“, sagt Uwe Wilkesmann, Professor für Weiterbildungs- und Organisationsmanagement an der Universität Dortmund. Die Auslese würden nur die Schulen überleben, die sich ein unverwechselbares Image erkämpfen. Einen guten Ruf erarbeitet haben sich sechs deutsche Schulen, die immerhin über internationale Akkreditierungen wie Equis und AACSB verfügen. Dazu gehören die WHU — Otto Beisheim School of Management und die Universität Mannheim, mit Abstrichen auch die Handelshochschule Leipzig, die Goethe Business School in Frankfurt, die Gisma Business School in Hannover und die Europäische Wirtschaftshochschule in Berlin. In internationalen Rankings schaffen es einige, etwa die WHU, immerhin unter die Top 50.













