Chef des Jobportals Monster: "Keine spektakuläre Verschlechterung auf dem Stellenmarkt"

Chef des Jobportals Monster: "Keine spektakuläre Verschlechterung auf dem Stellenmarkt"

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Monster-Chef Marco Bertoli

Im August ist die Zahl der angebotenen Stellen im Internet erstmals seit Monaten leicht gestiegen. Marco Bertoli, Chef des Jobportals Monster, sagt wo wieder gesucht wird und warum die Katastrophe am Arbeitsmarkt wohl ausbleibt.

Herr Bertoli, die jüngsten Arbeitslosenzahlen waren besser als erwartet, wie ist die Lage auf dem Online-Stellenmarkt?

Im August gab es im Vergleich zum Vormonat ein Plus von einem Prozent, das ist die erste positive Entwicklung in fünf Monaten. Den größten Stellenanstieg verzeichneten wir im öffentlichen Bereich sowie im Bank- und Finanzwesen. Die Nachfrage nach Ingenieuren erreicht hingegen einen neuen Tiefpunkt. 

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Die Zahlen beziehen sich auch nicht nur auf unser Portal, sondern stammen aus dem Monster Employment Index Deutschland, mit dem wir die zehn größten deutschen Jobportale und 280 Unternehmensseiten im Internet auswerten.

Ist der Anstieg der Stellenangebote  ein saisonaler Effekt oder deutet sich vielleicht schon eine Trendwende an?

Nein, im Vorjahr ist unser Beschäftigungsindex im August gesunken. Und auch schon im Juli hat sich die Verschlechterung verlangsamt, der Index hat nur noch zwei Prozentpunkte verloren.

In Berlin und Brandenburg gab es sogar leichte Zuwächse. Auf den Online-Stellenmärkten scheinen wir also die Talsohle erreicht zu haben und sind jetzt in der Phase der Stabilisierung.

Es ist allerdings zu früh, um weitere negative Entwicklungen auszuschließen, aber ich erwarte auch keine spektakuläre Verschlechterung mehr. Eine wirkliche Trendwende auf dem Stellenmarkt könnte dann zwischen Dezember und Februar zu beobachten sein.

Wieso ausgerechnet da?

Die Erfahrungen aus den vergangenen 15 Jahren haben gezeigt, dass der Arbeitsmarkt kein Frühindikator ist, sondern drei bis sechs Monate verzögert auf Veränderungen der Wirtschaftslage reagiert. Seit zwei Monaten gibt es positive Signale beim Geschäftsklima, daher könnte der Jahresanfang für die Situation am Arbeitsmarkt einen Wendepunkt darstellen.

Bislang gingen viele Experten davon aus, dass der Einbruch auf dem Arbeitsmarkt erst im Herbst kommt und viele Arbeitnehmer, die jetzt in Kurzarbeit sind, noch ihren Job verlieren. Sie denken also nicht, dass uns das Schlimmste erst noch bevor steht?

Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Kurzarbeiter entlassen wird. Die Lage kann sich in den nächsten Monaten zwar noch verschlechtern und wir werden uns der Marke von vier Millionen Arbeitslosen nähern. Aber die Katastrophenszenarien von einer Million weiterer Arbeitsloser scheinen nicht einzutreffen.

Wie stark hat sich die Wirtschaftskrise insgesamt auf den Online-Stellenmarkt ausgewirkt?

Derzeit gibt es ein Drittel weniger Stellenangebote als vor einem Jahr, vor allem im Personalwesen gibt es starke Rückgänge, die Stellen im Bereich Transport und Logistik sind um 48 Prozent zurückgegangen, bei Ingenieuren verzeichnen wir ein Minus von 42 Prozent und in der Informationstechnologie 36 Prozent weniger Angebote.

Und welche Branchen sind am wenigsten betroffen?

Im Bereich Gesundheit und Sozialwesen gibt es sogar einen Zuwachs um 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch in der öffentlichen Verwaltung oder im Ausbildungssektor sehen wir ein leichtes Plus. Da scheinen auch begleitende Weiterbildungsmaßnahmen zu den Kurzarbeitsprogrammen zu wirken.

Zudem gibt es starke regionale Unterschiede. Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen liegen mit einem Rückgang von mehr als 40 Prozent ganz hinten. Doch in Sachsen werden sogar zwei Prozent mehr Stellen als vor einem Jahr angeboten und Berlin und Brandenburg konnten den Rückgang stark einschränken.

Wie erklären Sie sich diese Unterschiede? Gerade in Ostdeutschland sind die Arbeitslosenraten doch viel höher?

Hier spielt die Branchenzugehörigkeit der in den jeweiligen Ländern ansässigen Unternehmen eine große Rolle. Zum Beispiel ist in den süddeutschen Ländern die starke Autoindustrie oder der Maschinenbau aufgrund der direkten Exportabhängigkeit erheblich stärker von Stellenstreichungen betroffen. In Berlin und Brandenburg gibt es große private Unternehmen im Gesundheitswesen, das immer noch eine der Wachstumsbranchen ist.

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