Daimler-Personalvorstand Porth: Unternehmen sollen Flüchtlingen eine Chance geben

Daimler-Personalvorstand Porth: Unternehmen sollen Flüchtlingen eine Chance geben

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Daimler-Personalvorstand Porth fordert: Fähigkeiten von Flüchtlingen anerkennen.

Wer tausende Kilometer hinter sich legt, um nach Deutschland zu kommen, kann keinen Ordner mit Zeugnissen und Arbeitsnachweisen mitschleppen. Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth fordert deshalb Erleichterungen.

Fehlende formale Qualifikationen dürfen nach Einschätzung von Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth kein Hindernis für die Beschäftigung von Flüchtlingen sein. „Wir müssen uns stärker mit der Frage beschäftigen, welche Fähigkeiten diese Menschen mitbringen“, sagte Porth der Deutschen Presse-Agentur. Der Anteil derjenigen, die keinen formalen Abschluss oder eine Ausbildung vorweisen können, sei natürlich größer als in der Vergangenheit. „Die Situation ist in diesem Punkt aber vergleichbar mit der Zeit der Gastarbeiter“, sagte Porth. „Es muss uns gelingen, dass die fehlende formale Qualifikation nicht automatisch nur zu einer Beschäftigung als An- und Ungelernter führt.“

Die Anerkennung internationaler Abschlüsse, Ausbildungen und Qualifikationen sei in Deutschland Aufgabe der Industrie- und Handelskammern. „Sprache ist unheimlich wichtig“, sagte Porth. „Aber man muss sich fragen, wie hoch die sprachlichen Hürden für einen Jobeinstieg in bestimmten Tätigkeiten sein müssen.“

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309.000 Asylbewerber auf Jobsuche

Im November waren gut 160.000 Menschen aus den sogenannten Asylzugangsländern arbeitslos gemeldet. 309.600 Asylbewerber waren auf Arbeitssuche. „Wir haben in Deutschland viel Bürokratie aufgebaut, die bei solchen Themen bremst“, sagte Porth. Starre Regeln für Vorrangprüfungen, die deutsche oder EU-Bürger bevorzugen, machten wenig Sinn, wenn auf der anderen Seite Tausende Ausbildungsplätze bei Handwerksbetrieben nicht besetzt würden.

Was Flüchtlinge dürfen

  • Betriebliche Ausbildung

    Wer eine sogenannte Aufenthaltsgestattung bekommt, darf nach drei Monaten in Deutschland eine betriebliche Ausbildung beginnen. Wer geduldet ist, kann vom ersten Tag an eine Ausbildung machen. In beiden Fällen ist jedoch eine Erlaubnis durch die Ausländerbehörde nötig.

  • Praktika

    Gleiches gilt für Praktika oder den Bundesfreiwilligendienst beziehungsweise ein freiwilliges, soziales Jahr: Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach drei Monaten ohne Zustimmung der ZAV damit beginnen, wer den Status „geduldet“ hat, darf das ab dem ersten Tag.

  • Hochqualifizierte

    Wer studiert hat und eine Aufenthaltsgestattung besitzt, darf ohne Zustimmung der ZAV nach drei Monaten eine dem Abschluss entsprechende Beschäftigung aufnehmen, wenn sie einen anerkannten oder vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss besitzen und mindestens 47.600 Euro brutto im Jahr verdienen werden oder einen deutschen Hochschulabschluss besitzen (unabhängig vom Einkommen).
    Personen mit Duldung können dasselbe bereits ab dem ersten Tag des Aufenthalts.

  • Nach vier Jahren Aufenthalt

    Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach vierjährigem Aufenthalt jede Beschäftigung ohne Zustimmung der ZAV aufnehmen.

Daimler selbst bietet - wie andere Konzerne auch - Flüchtlingen die Möglichkeit eines Brückenpraktikums. Der Konzern bezahlt den Deutschkurs, für die Arbeit in der Produktion bekommen die Asylbewerber den gesetzlichen Mindestlohn. „Die Brückenpraktika bei Daimler sind ein Anfang, um herauszufinden, was die Menschen können, aber natürlich auch was sie wollen“, sagte Porth.

Noch wichtiger sei aber, einen Übergang in das normale Arbeitsleben sicherzustellen. „Die Zeitarbeit bietet eine Brücke“, sagte Porth. Die Menschen könnten sich beweisen. Im Oktober hatte die Bundesregierung das Zeitarbeitsverbot für Asylbewerber gelockert - zuvor war ihnen diese Möglichkeit für vier Jahre verwehrt geblieben. Porth geht das nicht weit genug. „Das Zeitarbeitsverbot in den ersten 15 Monaten ist nicht hilfreich“, kritisierte er. „Es ist schlecht, wenn für Flüchtlinge nach einem Praktikum ein Beschäftigungsloch entsteht.“

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Porth kritisierte die Pläne von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), die eine Begrenzung des Einsatzes von Zeitarbeitern und größere Informationsrechte der Betriebsräte bei Werkverträgen vorsehen. „Der Referentenentwurf, der im Moment auf dem Tisch liegt, ist viel weitgehender, als im Koalitionsvertrag vorgesehen“, sagte Porth. „Ich hoffe, dass man auf uns hört. Wir haben von der CDU gehört, dass sie nichts zulassen wird, was über den Koalitionsvertrag hinausgeht.“

Wichtig sei es, so Porth, Zeitarbeitsfirmen „zu vollverantwortlichen Arbeitgebern“ zu entwickeln. „Das sind auch Firmen, die eine unternehmerische Verantwortung haben“, sagte Porth. „Je mehr Verantwortung wir aber auf die Firmen verlagern, die Zeitarbeiter einsetzen, desto mehr werden die Zeitarbeitsfirmen selbst zu Agenturen.“

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