_

Entlassungen: Kündigungs-Typologie

von Jochen Mai

Geschockt oder gefasst - auf Kündigungen reagiert jeder Mitarbeiter anders. Wir haben für Sie die fünf Grundtypen zusammen gefasst und erklären, worauf Sie jeweils als Vorgesetzter achten sollten.

Der Gefasste

Anzeige
ARCHIV - Chelsea Trainer, Luiz Quelle: dpa
ARCHIV - Chelsea Trainer, Luiz Felipe Scolari, aufgenommen bei einer Pressekonferenz in Cluj, Rumänien (Archivfoto vom 30.09.2008). Der FC Chelsea hat Trainer Luiz Felipe Scolari mit sofortiger Wirkung entlassen. Das teilte der Londoner Premier-League- Club am Montag (09.02.2009) auf seiner Internetseite mit. Foto: Robert Ghement (zu dpa 0726 vom 09.02.2009) (c) dpa - Bildfunk Quelle: dpa

Typisch: Reaktion: Null. Keine Tränen, kein lautes Wort, kein Anzeichen von Betroffenheit – stattdessen pure Selbstbeherrschung und vielleicht sogar ein Lächeln. 

Gefahr: Dieser Typ ist vielleicht der schwerste von allen: Man weiß nicht, was in ihm vorgeht. Nicht wenige Chefs neigen dazu, seine Signale falsch zu deuten und sich erleichtert zurückzulehnen, Motto: Das ging ja gut. Obacht! In solchen Menschen können Zeitbomben ticken, später mutieren sie zu Saboteuren oder gar Amokläufern. Möglich ist aber auch, dass die Botschaft gar nicht ankam oder falsch verstanden wurde.

Verhalten: Signalisieren Sie durch Ihre Mimik und Gestik, dass Sie für eine Reaktion oder ein Statement offen sind. Beobachten Sie aber auch aufmerksam seine Körpersprache. Bleibt eine Reaktion weiterhin aus, wiederholen Sie die Nachricht ruhig, falls Sie unsicher sind, ob sie verstanden wurde. Oder fragen Sie, was angekommen ist. Auf keinen Fall aber sollten Sie versuchen, Emotionen zu erzwingen. Das verletzt die Intimsphäre. Beenden Sie das Gespräch dennoch erst, wenn feststeht, dass alles verstanden wurde und Sie weitere Schritte vereinbart haben.

Der Hysterische

Typisch: Dieser Typ macht seinem Ärger Luft. Ebenso spontan wie lautstark bringt er seine Überraschung, Wut und Enttäuschung zum Ausdruck. Mit hochrotem Gesicht argumentiert er, lamentiert, wird vielleicht sogar aggressiv gegenüber dem Überbringer der Trennungsbotschaft. 

Gefahr: Ein falsches Wort und das Gespräch eskaliert. Manche Chefs lassen sich provozieren, fühlen sich persönlich angegriffen und schießen deshalb zurück. Riesenfehler! Denn das Ergebnis ist der totale Kontrollverlust und größtmögliche Schaden für Manager und Firma. Es kann aber auch passieren, dass sich die Manager einschüchtern lassen und so in die Defensive geraten. Auch dabei gerät das Gespräch ausser Kontrolle – ebenso die Schadenshöhe.

Verhalten: Bloß die Ruhe bewahren! Eigene Gefühle dürfen Sie sich jetzt nicht leisten. Aufsteigende Wut atmen Sie bitte weg, und bemühen Sie sich um eine durchweg sachliche Sprache. Das heißt zugleich: Nicht argumentieren, sondern zuhören. Beweisen Sie Wertschätzung und Verständnis. Auch die Verbalinjurien sollten nicht kritisiert werden. Dafür hat der Hysterische sowieso kein Ohr, und es heizt die Stimmung nur zusätzlich an. Erst wenn sich der Betroffene wieder beruhigt hat, sollten Sie die Botschaft wiederholen und versuchen, dass er trotz seiner Aggression die Selbstachtung wahren kann. Dieses Gespräch endet erst mit einer klaren Absprache über das weitere Vorgehen.

Zu diesem Artikel
1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 16.02.2009, 13:18 UhrAnonymer Benutzer: michael thiriot

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    leider kann ich nicht anders als ihren Artikel zu kommentieren. ihr Artikel möchte offensichtlich stark polarisieren. Es ist gelungen, meine erste Reaktion: eine Frechheit. Eine Anleitung für den Chef, wie ich die unliebsamen "Minderleister" los werde, finde ich komplett daneben. Sollte ein Vertreter der bundesregierung diesen Artikel lesen sollte ein Aufbegehren in den Reihen der Politik geschehen. Wie war das noch...? Wir wollen schauen, wie wir möglichst schonend, soviele Arbeitsplätze wie möglich in der Krise erhalten können und ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln, damit wir die Krise so gut es geht bewältigen können.
    Na dann ist die Anleitung für Chefs, wie ich unliebsame "Minderleister" ohne "tief in die Trickkiste zu greifen" los werde für mich komplett am Zeitgeist und sozialen Verantwortung vorbei geschrieben. Wie auch die begriffsverwendung für mich ein Arbeitgeberbild projeziert, wie es in Deutschland hoffentlich nicht anzutreffen ist.
    Ein Glück, ist die Sozialauswahl KEiN Mythos und es stehen verantwortungsvolle Richter den Arbeitsgerichten vor, die billige Tricks sofort durchschauen und die Firmen bei ungerechtfertigten Kündigungen schön das Nachsehen haben.

    Ein für das Gemeinschaftsgefühl streitender Michael Thiriot aus Frankfurt am Main

Alle Kommentare lesen

Blogs

Die Trillerpfeife dürfen sie nicht nehmen, aber Unfug reden wird man dürfen - Notwehrmassnahmen gegen Call-Center-Anrufe
Die Trillerpfeife dürfen sie nicht nehmen, aber Unfug reden wird man dürfen - Notwehrmassnahmen gegen Call-Center-Anrufe

Wenn eine 61-jährige Frau aus Pirmasens sich so sehr über lästige, ungewollte Anrufe aus Call-Centern ärgert, dass sie...

weitere Fotostrecken

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.