Gastarbeiter 2.0: Wie Deutschland um ausländische Azubis wirbt

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Gastarbeiter 2.0: Wie Deutschland um ausländische Azubis wirbt

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Die Auszubildende Cecilia Ymbernon Salva (l) aus Spanien übt im Restaurant im Hotel Speicher am Ziegelsee in Schwerin mit Restaurantchefin Christina Czapp das Eindecken eines Tisches. Die 24-Jährige gehört zu mehreren Lehrlingen und Praktikanten aus Südländern der EU die derzeit in Mecklenburg-Vorpommern eine Berufsausbildung erhalten.

Cecilia macht mobil: Jahrelang suchte die Spanierin in ihrer Heimat einen Job - gefunden hat sie ihn in Deutschland. Während in Südeuropa die Arbeitslosigkeit grassiert, locken deutsche Betriebe mit Fördergeld der Bundesregierung.

„Jeder fragt mich, ob ich Heimweh habe“, sagt Cecilia Ymbernon Salva. „Und natürlich vermisse ich Spanien manchmal.“ Die 24-jährige Mallorquinerin steht im Hotel Speicher in Schwerin und deckt einen Restauranttisch - das ist Teil ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau. „Trotzdem bin ich glücklich in Deutschland, denn hier kann ich arbeiten.“ Zwei Jahre, nachdem Cecilia ein Studium in Modedesign abgeschlossen hat, verdient sie zum ersten Mal ihr eigenes Geld. Mehr als 2000 Kilometer weit musste sie reisen und ihr Metier wechseln, um endlich einen Job zu finden.

Cecilia ist kein Einzelfall: Mehr als jeder zweite Spanier unter 25 Jahren ist laut der Statistikbehörde Eurostat arbeitslos. „Zwei Jahre lang habe ich in Spanien Bewerbungen geschrieben, jede Woche fünf“, erzählt Cecilia. Geklappt habe es mit den Stellen jedoch nie. „Es gab einfach keine Antwort. Die Situation in Spanien ist kompliziert.“

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Die deutsche Wirtschaft hingegen reißt sich förmlich um die jungen Arbeitskräfte aus dem EU-Ausland. Weil immer weniger deutsche Schulabgänger sich für einen Ausbildungsberuf entscheiden, bleiben viele Stellen unbesetzt. Nicht nur im Schweriner Hotel Speicher, wo derzeit insgesamt acht Spanier lernen, setzen die Personalleiter daher auf Zuwanderer.

Die Bundesregierung unterstützt dieses Werben seit 2013 mit dem Förderprogramm MobiPro-EU. Wer in seiner Heimat keine Stelle findet, soll sich stattdessen in Deutschland um Praktika und Ausbildung bewerben. Im Gegenzug werden unter anderem die Kosten für Sprachkurse und die Anreise erstattet. Selbst bei Arztbesuchen wird ein Übersetzer gestellt. „Das ist schon fast zu viel Betreuung“, sagt Cecilia. „Wir müssen uns doch auch selbstständig durchsetzen.“

Das Interesse an dem Programm ist riesig - so groß, dass das Bundesarbeitsministerium das Förderbudget aufstocken will, wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr. Bis 2018 sollen 448,1 Millionen Euro bereitstehen, rund 27 Millionen Euro mehr als bislang veranschlagt. Ende Juni muss der Bundestag dazu dem Bundeshaushalt 2015 zustimmen.

Für MobiPro-EU sind demnach im kommenden Jahr 74 Millionen Euro eingeplant. Auch die Förderrichtlinie werde derzeit überarbeitet, teilte das Ministerium auf Anfrage mit. Die Planung orientiere sich dabei weniger an der Zahl der Interessenten als am verfügbaren Budget.

Dieser Hinweis kommt nicht ohne Grund, denn bereits bis März hatten 9000 junge Menschen die Zuschüsse beantragt, mehr als die Hälfte davon aus Spanien. Das war zu viel: Die Mittel für das laufende Jahr waren früh erschöpft, seit dem 8. April wurden keine weiteren Anträge mehr entgegengenommen - zum Ärger vieler Ausbilder, die in dem Programm ein willkommenes Instrument der Personalbeschaffung sehen.

Auch der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga bezeichnet den Antragsstopp für 2014 als „herben Rückschlag“. Das Bundesarbeitsministerium verweist hingegen darauf, dass die bis zum Frühjahr angenommenen Anträge noch geprüft wurden und alle bereits bewilligten Maßnahmen komplett finanziert sind.

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Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Arbeitsagentur, die die Anträge auf die Mobilitäts-Förderung prüft, räumt indes ein, vom Ansturm überrascht worden zu sein. „Niemand hat mit dem hohen Interesse der ausländischen Jugendlichen an der dualen Ausbildung in Deutschland gerechnet“, heißt es in einer Mitteilung der ZAV.

Der Umzug der Auszubildenden wird umfassend begleitet, mit dem Ziel, sie dauerhaft in Deutschland zu halten. „Wir bilden die Spanier vorrangig für uns selbst aus“, sagt auch Christian Petersen, der Geschäftsführer des Schweriner Hotels, in dem Cecilia arbeitet. Doch wollen die Zuwanderer der Generation Eurokrise überhaupt bleiben? „Niemand kann wissen, was in zwei Jahren ist“, sagt Cecilia. „Vielleicht bleibe ich hier, vielleicht gehe ich zurück. Oder ich ziehe in ein anderes Land.“ Eine Stelle hat die Spanierin in Deutschland gefunden - eine langfristige Perspektive jedoch nicht.

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