Innere Kündigung: Deutsche sind unzufrieden - und auf Jobsuche

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Innere Kündigung: Deutsche sind unzufrieden - und auf Jobsuche

Das Schlagwort der innerlichen Kündigung geistert seit Jahren durch Medien und Personalabteilungen. Getan hat sich allerdings nicht viel: ein Viertel der Deutschen ist unzufrieden und sucht nach einem besseren Job.

Im vergangenen Jahr hat eine Gallup-Studie in vielen Unternehmen für Aufregung gesorgt: Das Meinungsforschungsinstitut zeigte nämlich, dass sich nur 15 Prozent der deutschen Arbeitnehmer an ihr Unternehmen gebunden fühlen. Heißt: 85 Prozent sind nicht bereit, sich freiwillig für dessen Ziele einzusetzen. Autsch.

Nun könnte man meinen, dass jeder Personalchef und jeder Vorgesetzte in der Konsequenz alles daran gesetzt hat, dass die innerlich Gekündigten wieder Vertrauen zu ihrem Arbeitgeber fassen. Theoretisch hätten die deutschen Arbeitnehmer im vergangenen Jahr mit Geschenken, Gehaltserhöhungen, flexiblen Arbeitszeiten und Wohlfühlatmosphäre zugeschüttet werden müssen. Dem ist aber offenbar nicht so.

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Weniger als jeder sechste Beschäftigte fühlt sich seinem Arbeitgeber emotional stark verbunden.

Weniger als jeder sechste Beschäftigte fühlt sich seinem Arbeitgeber emotional stark verbunden.

Eine aktuelle Arbeitsmarktstudie des Personalunternehmens Orizon zeigt nämlich: so viel hat sich gar nicht getan. 24,3 Prozent aller Arbeitnehmer sind unzufrieden und suchen aktiv nach einer anderen Stelle. Bei den Beschäftigten in unbefristeter Festanstellung suchen 19,9 Prozent nach einem Job, der besser zu ihnen passt - oder der schlicht weniger frustrierend ist.

Worauf die Deutschen bei einem neuen Job Wert legen

  • Kollegen

    97 Prozent der 2014 von forsa befragten 2.001 Bundesbürger sagten, dass sie bei einem neuen Job sehr viel Wert auf angenehme Kollegen legen.

  • Sicherheit

    Nur knapp dahinter folgt der sichere Arbeitsplatz, den 96 Prozent als sehr wichtig erachten.

  • Wertschätzung

    95 Prozent wünschen sich Respekt und Anerkennung durch die Vorgesetzten.

  • Geld

    Ein gutes Gehalt ist 93 Prozent wichtig beziehungsweise sehr wichtig.

  • Abwechslung

    90 Prozent wünschen sich von der neuen Stelle, dass sie abwechslungsreiche Tätigkeiten mit sich bringt.

  • Arbeitsvertrag

    Für 89 Prozent ist es wichtig bis sehr wichtig, dass der neue Job unbefristet ist.

  • Soziales und Entwicklung

    88 Prozent der Befragten sagten, dass ihnen die Moralvorstellungen und das Leitbild des Unternehmens wichtig sind. Ebenfalls 88 Prozent legen sehr großen Wert darauf, dass sie Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten im neuen Unternehmen haben.

  • Arbeitszeit

    Flexible Arbeitszeiten wünschen sich 70 Prozent im neuen Job.

  • Incentives

    Wichtig beziehungsweise sehr wichtig finden 65 Prozent Mehrwertleistungen des Unternehmens wie beispielsweise eine Betriebsrente, Mitarbeiterrabatte oder einen Dienstwagen.

  • Boni

    64 Prozent wünschen sich, im neuen Unternehmen für besonders gute Leistungen auch Bonuszahlungen zu bekommen.

  • Aufstiegsmöglichkeiten

    59 Prozent wünschen sich im neuen Job Führungsverantwortung zu übernehmen, zumindest aber, Projektleiter zu werden.

Die Gründe für die schlechte Stimmung sind dabei vielfältig: Vom jähzornigen Chef über fehlende Aufstiegschancen bis zu monotonen Aufgaben ist alles dabei. "Die zunehmende Befristung von Stellen – selbst im Öffentlichen Dienst – verunsichert die Arbeitnehmer. Sogar wenn die Möglichkeit auf einen Anschlussvertrag besteht, schaut sich ein Arbeitnehmer mit Weitblick nach anderen Optionen um", sagt Dieter Traub, Geschäftsführer von Orizon. Dem wollen viele entfliehen. Dissonanzen im sozialen Gefüge und das Betriebsklima seien weitere Faktoren.

Pfälzer ohne Abschluss besonders unzufrieden

Wenig verwunderlich stellen diejenigen, die keinen beruflichen Bildungsabschluss besitzen, die größte Gruppe der unzufriedenen Jobsucher. Von ihnen suchen 30,5 Prozent eine neue Beschäftigung, weil sie mit der alten nicht zufrieden sind. Doch auch unter Akademikern ist die Unzufriedenheit groß. 23,8 Prozent der Umfrageteilnehmer mit einem Fachhochschul- oder Hochschulabschluss sind derzeit aktiv auf der Suche nach einer neuen beruflichen Anstellung.

Sechs Tipps für Jobsucher

  • 1. Konkret schlägt Allgemein

    Nicht nach Jobs im "kaufmännischen Bereich" suchen, sondern die exakten Berufsbezeichnungen benutzen, zum Beispiel Industriekaufmann oder Controller.

  • 2. Verschiedene Berufsbezeichnungen testen

    Der Controller kann auch unter Finanzbuchhalter laufen, der Key-Account-Manager heißt mitunter Großkundenbetreuer.

  • 3. Profile anlegen

    Auf den meisten Portalen können Jobsucher kostenlose Profile mit ihrem Lebenslauf anlegen. Das ist zwar mühsam und erfordert regelmäßige Aktualisierungen – doch dadurch landen sie in einem Bewerberpool, auf den die Unternehmen zugreifen.

  • 4. Angebote abonnieren

    Suchkriterien lassen sich speichern, so bekommen Jobsuchende passende Jobangebote auf ihr Smartphone geschickt. Laut Crosspro-Umfrage machen das derzeit allerdings nur 0,6 Prozent aller Bewerber.

  • 5. Donnerstags suchen

    Laut Crosspro-Studie sind kurz vor Ende der Woche die wenigsten Arbeitnehmer in den Jobbörsen unterwegs.

  • 6. Breit streuen

    Neben den spezialisierten Jobbörsen sollten Bewerber auch bei den Branchenführern nachgucken – sowie regelmäßig auf den Seiten der Unternehmen. Denn dort veröffentlichen sie viele Stellen zuerst.

Regional gibt es allerdings Unterschiede: Während in Thüringen nur 19,1 Prozent auf der Suche nach neuen beruflichen Möglichkeiten sind, sind es in Rheinland-Pfalz 31 Prozent. Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg folgen auf den Plätzen zwei und drei mit 29,9 Prozent und 29,2 Prozent unzufriedenen Jobsuchern.

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Zwischen den Geschlechtern gibt es dagegen nur minimale Unterschiede. Die weiblichen Beschäftigten suchen zu 24,4 Prozent nach neuen beruflichen Möglichkeiten und liegen damit 0,2 Prozent über den Männern. Nur bei den Altersgruppen gibt es noch deutliche Unterschiede: Während bei den 20- bis 29-Jährigen 34,4 Prozent nach neuen Herausforderungen suchen, sind es bei den 40- bis 49-Jährigen nur noch 23,6 Prozent. Die Arbeitnehmer über 50 haben sich offenbar mit drögen Jobs und nervenden Kollegen abgefunden. Von ihnen suchen nur noch 16,8 Prozent ihr Heil in einem neuen Job.

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