Job-Umfrage: Wer in der Krise noch einstellt

Job-Umfrage: Wer in der Krise noch einstellt

Bild vergrößern

ARCHIV - Mit einem roten Stift sind Stellenangebote in einer regionalen Tageszeitung in Schwerin markiert (Illustration zum Jobangebote, Archivfoto vom (07.03.2006). Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Mai um 255 000 auf 4 535 000 zurückgegangen. Das ist der stärkste Rückgang binnen eines Monats seit der Wiedervereinigung. Die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung liegt damit um 349 000 unter der des Vorjahrs, berichtete die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch (31.05.2006) in Nürnberg. Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei nochmals angestiegen und die Arbeitslosigkeit überraschend stark zurückgegangen. Auch der Beschäftigungsabbau habe sich weiter verlangsamt. Foto: Jens Büttner dpa/lby (c) dpa - Bildfunk

Trotz Kurzarbeit und Entlassungen werden auch weiterhin Arbeitskräfte eingestellt. Eine Job-Umfrage der WirtschaftsWoche zeigt, dass es 16.500 neue Stellen gibt und bei welchen Unternehmen eine Bewerbung Erfolg haben könnte.

Mal angenommen, Sie schreiben an Ihrer Diplomarbeit und wollen sich bald um Ihren ersten Job bewerben – wie fühlen Sie sich dabei? Den meisten Studenten wird bei dem Gedanken eher mulmig zumute. Welches Unternehmen sucht denn derzeit noch Absolventen? Überall gibt es Kurzarbeit, Einstellungsstopps, Entlassungen. Ein florierender Arbeitsmarkt für Absolventen sieht anders aus.

Stimmt. Aber auch nicht so ganz. Die Arbeitsmarktlage ist sicher dramatisch, aber aussichtslos ist sie nicht: Tatsächlich suchen einige Unternehmen – trotz weltweiter Krise – weiterhin Mitarbeiter und stellen gezielt ein.

Anzeige

Das ist das Ergebnis einer Umfrage der WirtschaftsWoche unter insgesamt 333 Unternehmen: Sämtliche Dax-, MDax-, TecDax- und SDax-Konzerne, dazu Anwaltssozietäten, Unternehmensberatungen, Mittelständler und deutsche Niederlassungen ausländischer Konzerne. Kernfragen: Wie viele Mitarbeiter stellen Sie in diesem Jahr noch ein? Welche Studiengänge sind gefragt? Brauchen die Bewerber zwingend Berufserfahrung?

Das Ergebnis mag nicht repräsentativ sein; aber es gibt einen guten Überblick darüber, wie es um die Unternehmen und den Jobmarkt hierzulande aktuell bestellt ist.

Was sich unter anderem allerdings auch an den Absagen ablesen lässt: Beim einstigen Börsenstar Infineon steht nicht nur Kurzarbeit ins Haus, in der Pressestelle ruhen offenbar auch die Computer schon länger. Als Antwort verschickte der dortige Server eine Abwesenheitsnotiz, man wünsche fröhliche Weihnachten und ein frohes neues Jahr. Der Grund: „Wir sind bis zum 7. Januar 2008 nicht im Büro.“ Und das im März 2009.

Umso mehr Mut machen die Rückmeldungen der anderen Teilnehmer: Von den angeschriebenen Unternehmen wollen rund 28 Prozent noch in diesem Jahr Mitarbeiter einstellen – und zwar sowohl Berufseinsteiger als auch -erfahrene. Insgesamt also 92 Unternehmen, bei denen eine Bewerbung erfolgreich sein könnte. Unter dem Strich betrifft das über 16.500 Jobs.

Als krisenfest erweisen sich die großen Anwaltskanzleien. Von ihnen wollen 37 Prozent in diesem Jahr Mitarbeiter rekrutieren. Bei den börsennotierten Unternehmen sieht es dagegen finster aus: Von den Dax-30-Konzernen wollen der Umfrage zufolge nur noch 26 Prozent einstellen, im SDax sind es 20, im MDax sogar nur 12 Prozent. Einzig die TecDax-Firmen stechen mit 30 Prozent positiv hervor.

Auf den vorderen Plätzen landet Siemens, dort sind derzeit 2000 Stellen ausgeschrieben. Robert Bosch sucht weltweit sogar 2800 neue Mitarbeiter, davon allein 500 in Deutschland.

Trotz positiver Signale – im zeitlichen Vergleich sind die Stellenangebote deutlich gesunken. Eine vergleichbare Umfrage hat die WirtschaftsWoche schon Ende des vergangenen Jahres gestartet. Damals wollten 33 Prozent der Befragten in 2009 Mitarbeiter einstellen, bei den Dax-Unternehmen war es sogar die Hälfte. Insgesamt listete die Tabelle über 23 000 Stellen auf – obwohl damals 100 Unternehmen weniger kontaktiert wurden.

Jedes dritte Unternehmen will Entlassen

Mehr Befragte, weniger Stellen – ein Teil dieser Rechnung erklärt sich durch das vergangene Quartal: Wer bis dato schon einige seiner Planstellen besetzt hat, schreibt keine weiteren Jobs aus. Die Mehrheit schraubt eher ihre Pläne herunter. So will jedes dritte Unternehmen in diesem Jahr Teile seiner Belegschaft entlassen, ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung Boston Consulting Group im März. Vor allem die Automobilindustrie und die Konsumgüterbranche planen harte Einschnitte.

Der Kampf um die besten Köpfe geht indes auch in Krisenzeiten weiter. Diesen Schluss legt wiederum der „Talent Report“ der Online-Stellenbörse Stepstone nahe: 27 Prozent der befragten Personaler wollen demnach ihren Wettbewerbern trotz Wirtschaftsflaute gezielt Fachkräfte abjagen. Und das ist eine gute Nachricht – egal, ob verzweifelter Diplomand oder entlassene Führungskraft.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%