
Es erinnert ein bisschen an Schaulaufen. Arbeitslose, Hochschulabsolventen, Dauerpraktikanten – alle sind sie hergekommen und drängeln sich nun schick angezogen durch die Gänge der Jobmesse, den Lebenslauf unterm Arm. Sie schlendern vorbei an den mal mehr, mal weniger aufgemotzten Buden und Ständen der Aussteller, hin zu dem einen Unternehmen, das ihnen womöglich die lang erhoffte Eintrittskarte ins Berufsleben anbietet: eine der wenigen freien Stellen, die es derzeit noch auf dem Arbeitsmarkt gibt.
„In diesem Jahr müssen wir uns keine Sorgen um die Besucherzahlen machen“, sagt Michael Barlag, Veranstalter der „Jobmesse Deutschland Tour“. Statt wie bisher 10 seien in diesem Jahr 17 Städte eingeplant – und der Andrang sei „ungebrochen groß“.
Das Messe-Klima hat sich geändert
Beim „Karrieretag Familienunternehmen“ in Ulm sind schon im August fünfmal so viele Bewerbungen eingegangen wie im vergangenen Jahr – obwohl er erst Mitte November stattfindet. Entsprechend wollen die Veranstalter nun „stärker selektieren“.
Es ist so weit. Mit dem September beginnt die Hauptsaison der Job- und Karrieremessen in Deutschland. Bundesweit finden dann Dutzende zum Teil hochkarätigen Veranstaltungen statt – vom exklusiven Bewerberzirkel für wenige Auserwählte bis hin zur offenen Jobmesse für die Bewerbermasse. Das Hauptziel der Unternehmen: neue Mitarbeiter rekrutieren und sich selbst präsentieren.
Doch dieses Jahr ist es anders. Die Krise zeigt längst Wirkung. Es gibt deutlich weniger Aussteller und damit auch deutlich weniger Jobangebote als sonst. Und wer sich dort zeigt, muss nicht einmal einstellen wollen. Manche Firmen versuchen einfach nur ihr Arbeitgeberimage zu retten.
Beim Kölner Absolventenkongress, der größten deutschen Jobmesse, werden in diesem Jahr nur noch 250 Aussteller erwartet – 2008 waren es noch 300.
Die Münchner Job-Tower-Messe wiederum musste mangels Interesse bereits zwei Events absagen. „Natürlich merken wir die Rezession“, sagt Veranstalterin Sabine Hildebrandt-Woeckel. „Wer etwas anderes behauptet, der lügt.“
Besonders für Ingenieure, Natur- und Wirtschaftswissenschaftler sieht der Arbeitsmarkt derzeit düster aus. Allein für Maschinen- und Fahrzeugingenieure wurden im ersten Halbjahr rund 25 Prozent weniger Stellen angeboten als im Vorjahr.









