Bewerbungsgespräch: Worauf Personaler wirklich achten

Jobsuche: "Bewerbungsgespräch ist wie ein Rendezvous "

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Personaler legen im Gespräch wert auf eine gute Vorbereitung.

Vor dem Bewerbungsgespräch bekommt der Bewerber oft Tipps, wie er sich zu verhalten hat. Nicht immer sind sie hilfreich. Zwei Personalexperten erzählen, welche Regeln zu beachten sind und was im Gespräch wichtig ist.

Die Jobsuchmaschine Jobrapido hat fünf vermeintlich hilfreiche Tipps zusammengestellt, mit deren Hilfe der Bewerber beim Vorstellungsgespräch einen guten ersten Eindruck hinterlassen soll. Die Personalexperten Felicitas von Kyaw und Jürgen Hesse ordnen ein, wie hilfreich diese Tipps wirklich sind und worauf es ihnen bei Bewerbern ankommt.

Aufs Gespräch vorbereiten

Jobrapido rät dazu, sich vorab auf der Homepage des Unternehmens oder in sozialen Netzwerken über das Unternehmen zu informieren. Im Gespräch biete das die Möglichkeit, mit gezielten und wohlüberlegten Fragen zu zeigen, dass man die Branche kenne. Zudem hinterlasse es einen guten Eindruck, wenn man die Antworten notiert habe. So zeige man seinem Gegenüber, dass man Wert auf seine Informationen lege.

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Zur Person

  • Jürgen Hesse

    Jürgen Hesse ist Job-Coach. Zusammen mit Hans Christian Schrader gehört er zu den führenden deutschen Experten im Bereich der Bewerbungs- und Karriereberatung. In den letzten 35 Jahren veröffentlichten Hesse/Schrader über 200 Sachbücher zu den Themengebieten. 1992 gründete Hesse sein eigenes Beratungsunternehmen für Berufsstrategie (berufsstrategie.de) in Berlin. Weitere Standorte in Hamburg, Köln, Frankfurt, München, Stuttgart und Düsseldorf folgten.

  • Felicitas von Kyaw

    Felicitas von Kyaw ist Personalleiterin des Geschäftsbereichs Customers & Solutions des Energiekonzerns Vatenfall. Zudem ist sie Beisitzerin im Bundesverband der Personalmanager.

„Grundsätzlich ist es richtig, sich Fragen zu überlegen und mitzuschreiben“, sagt Hesse. Allerdings müsse man dabei den richtigen Rahmen finden: „Der Personaler sollte nicht das Gefühl bekommen, protokolliert zu werden.“

Felicitas von Kyaw erwartet mehr Vorbereitung: „Eine einfache Onlinerecherche reicht nicht aus.“ Auch der Bewerber müsse sich überlegen, was er selber will und von dem Unternehmen als Arbeitgeber erwartet. „Der Bewerber sollte sich ein ganzheitliches Bild verschaffen, sich auch über seine Motivation, die Position und Aufgaben im Unternehmen bereits im Vorfeld Gedanken machen.“ Immerhin müsse auch der Bewerber dann in dem Gespräch feststellen, ob das Unternehmen und die Rolle tatsächlich zu ihm passt. Von Kyaw kommt es in diesem Zusammenhang auf die Fragen an: „Stellt ein Bewerber im Gespräch keine, fällt mir das negativ auf. Es ist eine ungenutzte Chance.“


Die richtige Kleidung

Der nächste Tipp dreht sich um das Outfit. Jobrapido empfiehlt, nicht nur auf ein gepflegtes Äußeres zu achten, sondern sich auch modisch der Stelle anzupassen, auf die man sich beworben hat. So sollten Leute, die bei einer Bank vorsprechen, auf Jeans verzichten. Bewerber für Kreativagenturen sollten hingegen nicht im Anzug erscheinen.

Hesse und von Kyaw stimmen zu: „Die richtige Kleiderwahl gehört zu den grundlegenden Umgangsformen, die eingehalten werden sollten", sagt von Kyaw. Dafür gibt es aber keine pauschale Lösung, man sollte sich am Umfeld und der Rolle orientieren.

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Selbstbewusstsein zeigen

Wenn es nach Jobrapido geht, sollte der Bewerber im Gespräch ein „gesundes Selbstbewusstsein“ zeigen – das sei der Schlüssel zu einem erfolgreichen Vorstellungsgespräch. Ein großer Teil der Wirkung würde mit der Körperhaltung erzielt: Am besten sei es, auf eine gerade Haltung zu achten, die Arme nicht zu verschränken und es sich nicht zu bequem auf dem Stuhl zu machen. Dabei sei allerdings viel Fingerspitzengefühl gefragt, um nicht gleich steif oder sogar überheblich zu wirken. Das Ganze heiße aber natürlich nicht, dass man seine eigene Persönlichkeit verstecken oder sich völlig verstellen solle.

„Bei Souveränität geht es nicht nur um Körperhaltung", sagt Hesse. Wichtig sei das Gesamtpaket: „Sie können einen Professor Doktor vor sich sitzen haben, wenn er schlecht riecht, stellen sie ihn auch nicht ein.“ Um souverän zu wirken, sei es nicht nur wichtig, selbstbewusst zu sein, man sollte auch andere Kriterien wie Aufgeschlossenheit, Kleidung oder Pünktlichkeit erfüllen.

Auch von Kyaw achtet bei Souveränität nicht nur auf Körperhaltung: „Um souverän zu wirken, ist die Vorbereitung wichtig. Gute Selbstreflexion und eine vernünftige Selbsteinschätzung gehören dazu.“ Dazu gehöre auch, sich klar zu machen, was man sich von dem Unternehmen und der konkreten Position erhofft. Um sich nicht selbst zu loben sei es hilfreich, andere Menschen in Bezug auf sich zu zitieren. Aber auch kleine Fauxpas seien kein Drama: „Ich persönlich sehe darüber hinweg, wenn jemand anfangs aufgeregt ist. Das ist doch nur natürlich“, sagt von Kyaw. Denn nicht nur Souveränität, auch die persönliche Note, Menschlichkeit und Enthusiasmus seien wichtige Einstellungskriterien: „Es ist okay, Humor zu zeigen und gemeinsam zu lachen, wenn eine Kaffeetasse umfällt.“

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