Doch auch wenn es nicht läuft, dürfe man der Versuchung nicht nachgeben, eine niedrigere Position zu akzeptieren. „Das geht regelmäßig schief“, ist Pfeifer überzeugt. Seine Frau Jutta sagt ihm: „Es kommt immer das, was man denkt.“
Also denkt Pfeifer positiv. Und groß. Er denkt sich den Erfolg herbei. Wenn Headhunter anrufen, um ein Sondierungsgespräch zu führen, akzeptiert er nicht jeden Termin. Er will beweisen: Ich bin noch gefragt, ich mache die Termine. Dann sagt er zum Beispiel, dass er diese Woche schon drei Gespräche hat – und schlägt ein Datum in zwei Wochen vor. Selbst wenn in den beiden Wochen gar nichts passiert.
In der Zwischenzeit trainiert er für sein berufliches Comeback. Diszipliniert wie ein Athlet für Olympia. Es ist ein mentaler Dreikampf: Kaltakquise von Personalberatern, Eigenmarketing, Vorstellungsgespräch. Er arbeitet an seiner Kondition: Perfekte Interviews über zehn Minuten, Interviews über eine Stunde. Er setzt sich Messlatten, schält die Meilensteine seiner beruflichen Laufbahn deutlicher heraus und erkennt: „Kein Mensch interessiert sich dafür, was ich wann gemacht habe. Was zählt, ist allein den Berufsweg als Abfolge von Erfolgen zu erzählen.“
Zweite Karriere beginnt
Und dann geht alles auf einmal sehr schnell. Pfeifer liest ein Inserat in der „FAZ“, ruft den Headhunter an, der dort angegeben ist. Er ahnt, dass er nicht für den Job infrage kommt, aber er weiß jetzt, wie man sich in Szene setzt.
Die Stelle ist tatsächlich nichts, aber der Personalberater gibt ihm den Tipp, das Universitätsklinikum in Bonn suche gerade einen wie ihn. Pfeifer packt seine Unterlagen zusammen, noch am selben Tag schickt er ein C4-Kuvert nach Bonn. Tags darauf mailt der kaufmännische Direktor zurück: „Ja, wir suchen einen Zentralbereichsleiter Informatik. Hätten Sie Zeit für ein Gespräch am 18. Juni?“
An dem Gespräch nehmen drei Vorstände teil, ein Vertreter der Personalabteilung und der Headhunter, der Pfeifer den Tipp gab. Sie fragen ihn – wie erwartet – nach seinen Erfolgen, nach Stärken und Schwächen. Pfeifer ist vorbereitet. Seine Antworten sind geschliffen. Das Gespräch dauert zwei Stunden. Zum Schluss fragen sie nach zwei Referenzen. Hella Hagena sagt ihm hinterher, dass das ein gutes Signal ist. Das beste eigentlich.
Am 7. Juli erhält Erich Pfeifer die Zusage – er hat den Job. Eine Woche später verhandelt er nur noch Vertragsdetails. Das Gespräch dauert eine halbe Stunde. Am 3. August beginnt seine zweite Karriere.
Erich Pfeifer sitzt jetzt an seinem Schreibtisch. Neben dem Computer steht das Modell eines Golf-Cartbags. Er blickt durch das Fenster seines neuen 35-Quadratmeter-Büros. Er kann den Hubschrauberlandeplatz sehen, die Notärzte, den Gärtner. Ein paar Amseln zwitschern dumpf durchs Glas. Draußen ist jetzt Sommer.














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Alle Kommentare lesen24.10.2009, 00:25 UhrAnonymer Benutzer: Hans P
Nun stelle man sich die Geschichte mal ohne langjährige betriebszugehörigkeit, 3-Jahre-Abfindung, vorherige informelle Ankündigung und Vorbereitung, ohne die Möglichkeit, hochprofesssionelle berater anzuheuern und umfangreiches Start-Netzwerk (von dem am Ende ja noch viel weniger übrig bleibt) vor - dann haben wir die Normalsituation hunderttausender Menschen., und weiterer Abermillionen, die sich in dieser Situation meist mehr als einmal in ihrem Leben wiederfinden. "Skurril", wie der Protagonist der Geschichte seine Kündigungssituation bezeichnet, ist bestenfalls die optimale Startsituation. bei viel zu vielen kommt noch der Mangel gesicherter Wohnbedingungen und sozialen Hintergrunds - intakte Familie - hinzu. Der beschriebene Fall ist subjektiv sicher eine Ausnahmesituation. Aber das ist sie eben auch objektiv. So gut wie diesem Herrn in der Arbeitslosigkeit geht es vielen ja noch nicht mal im Job.
Und wenn da jemand im Kommentar über "11 Vorstellungsgespräche bis zum neuen Job" oder wie der Protagonist über 43 bewerbungen staunt, der kann ja bei der nächsten Personalauswahl (oder Entlassungsrunde) mal darüber nachdenken, wie man sich zum beispiel als berufsanfänger nach weit über 100 abgelehnten bewerbungen fühlt.
Wenn dieser bericht hilft, bei Führungskräften Verständnis dafür zu wecken, dass ausdauernde Arbeitssuche kein fragwürdiges Manko, sondern ein hochmotivierter, anstrengender, Durchhaltevermögen und Einfallsreichtum fordernder Job ist, der für sich schon eine Positivqualifikation darstellt, dann hätte dieser bericht neben dem Unterhaltungsaspekt tatsächlich auch einen höheren Sinn.
23.10.2009, 22:56 UhrAnonymer Benutzer: Jochen Mai
@Pantheon: Aber wo ist denn da die Werbung?
Erstmal gehören Outplacement-beratungspakete heute in diesen Sphären zum Golden Handshake dazu. Sie nicht zu erwähnen, hieße einen wichtigen Aspekt aus unzureichenden Gründen zu vernachlässigen. Zum Zweiten will man als Leser natürlich dann erfahren: Was machen diese berater denn? Worauf muss ich mich einstellen? Und das ist natürlich ein wichtiger Nutzwertaspekt oder Lerneffekt in der Metaebene eines solchen Artikels. Zum Dritten halte ich es immer so: Das Konkrete hat Vorrang vor dem Vagen. Das heißt: in dem Artikel nenne ich bewusst den Namen des Outplacers und der beraterin. "Eine" Outplacementberatung und "eine" beraterin liest sich schrecklich unkonkret und unrecherchiert und der Leser früge sich so (zurecht): Ja, wer wars denn nun?
Werblich wäre es doch erst, wenn ich geschrieben hätte, was es kostet oder eine (positiv) wertende Aussage zur beratung und deren Leistung gemacht hätte. So aber schildere ich neutral, was faktisch war. ich meine, das ist auch meine Pflicht als Journalist. Und in der Tat haben hier ja auch schon einige Kommentatoren angemerkt: Den Job fand mein Kronzeuge eben nicht über die beratung, sondern auf eigene initiative. Noch ein Argument gegen einen werblichen Charakter...
Trotzdem ist es bemerkenswert, was Leser in einem solchen Artikel lesen, was weder intendiert war, noch aus meiner Sicht tatsächlich drinsteht. ich lerne und staune.
23.10.2009, 22:07 UhrAnonymer Benutzer: Pantheon
Sehr geehrter Herr Mai,
ich komme auf den Kommentar von Frazier02 zurück. Nicht nur ich habe den Eindruck, dass es sich um eine kleine Werbung für ein Outplacement-büro handelt, das ja auch namentlich genannt wird. Man sollte da gönnerhaft sein: Auch Outplacementfirmen haben Akquisitionsprobleme, manche japsen nach Luft. Dieser Einwurf tut der Qualität ihres Artikels natürlich keinen Abbruch.