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Karriere: Unter der Lupe: MBA

von bettina blass und christian.schlesiger@wiwo.de

Karriereturbo oder drei unbedeutende Buchstaben auf der Visitenkarte? Um den MBA ranken sich viele Halbwahrheiten. Acht Fakten zum wahren Wert des Titels.

Karriereturbo oder drei unbedeutende Buchstaben auf der Visitenkarte: Was steckt hinter dem MBA?  AP
Karriereturbo oder drei unbedeutende Buchstaben auf der Visitenkarte: Was steckt hinter dem MBA? Foto: AP

Es liegt ein Hauch von Torschlusspanik hinter den Kulissen der Hochschulen. Rektoren privater und staatlicher Unis ringen um die richtige Strategie, die zahlungskräftigsten Studenten, die renommiertesten Dozenten und eine internationale Reputation. Ihr Ziel: vom lukrativen Markt bei der MBA-Weiterbildung ein Stück einzustreichen. In den USA fahren Business Schools satte Gewinne ein. Warum soll das nicht auch in Deutschland möglich sein? Es ist möglich. Keine Frage. Doch für Nachwuchskräfte in Deutschland wird der boomende Markt immer intransparenter, die Auswahl der richtigen Schule immer schwieriger. Und überhaupt: Lohnt sich eine Ausbildung zum Master of Business Administration (MBA) für den Einzelnen? Das Studium ist teuer, zeitintensiv und die wenigsten Personalmanager verfügen über Detailwissen, sodass sie den Wert des Titels nicht korrekt einordnen können. Anfang der Neunzigerjahre gab es die ersten Anbieter in Deutschland, heute sind es rund 150 Business Schools — mit höchst unterschiedlicher Qualität. Ein Durchblick fällt schwer. Es ist Zeit für ein Zwischenfazit. Der Titel bringt Vorteile, wenn Studierende die wichtigsten Regeln beherzigen. Genau genommen sind es acht, diese: 1. Leistung zählt — nicht der Titel Der MBA ist eine Weiterbildung — mehr nicht. Auf dem Weg nach oben ist sie hilfreich. Doch eine automatische Beförderung gibt es nirgends. In einer aktuellen Umfrage halten gar 68 Prozent der Unternehmen den Titel weder für eine wichtige Zusatzqualifikation noch besetzen 77 Prozent der Unternehmen bestimmte Positionen ausschließlich mit MBA-Alumnis. Das ergab eine Studie der Goethe Business School zusammen mit der Deutschen Telekom. Doch der Abschluss hilft beim Selbstmarketing. Eine gute Begründung für den MBA kann Personalchefs überzeugen: Nachwuchsleute holen fachliche Defizite auf, lernen strategisches Denken oder knüpfen internationale Netzwerke. Wer zum Beispiel einen MBA in den USA absolviert hat, punktet für eine Karriere in Amerika. Er kennt die Kultur, den US-Managementstil und verfügt über ortstypische Branchenerfahrung. Entscheidend ist aber: Für den Arbeitgeber muss sich ein Nutzen ergeben. Und der erschließt sich nicht bei jedem Programm. Vor allem macht der MBA aus Studenten nicht automatisch gute Führungskräfte. „Wer meint, mit einem MBA gelernt zu haben, zu führen, der irrt“, sagt BMW-Personalvorstand Ernst Baumann deutlich. Allein „die Leistung zählt“. 2. Heimatschulen sind zweitklassig Der deutsche MBA-Markt wächst rasant, doch leider mit unterschiedlicher Qualität. Im weltweiten Vergleich, etwa zu den USA und Großbritannien, sind hiesige Schulen meist unter „ferner liefen“. Ihr Problem: Sie sind klein, unrentabel und wenig bekannt. Wer einen Top-Abschluss sucht, findet ihn nach wie vor im Ausland. Doch es gibt deutsche Hoffnungsträger, die für aufstrebende Nachwuchskräfte eine sinnvolle Investition darstellen. Vor allem bei den Executive-Programmen, die sich in erster Linie an erfahrene Manager mit Führungsverantwortung richten, konnten die Deutschen überzeugen. Im weltweiten Executive-MBA-Ranking der „Financial Times“ (FT) schaffte es beispielsweise die Gisma in Hannover auf Platz 11, die WHU in Vallendar auf 12, die Europäische Wirtschaftshochschule ESCP-EAP in Berlin auf Rang 22 und die Mannheim Business School auf 26. Gute Chancen, in den kommenden Jahren mit dabei zu sein, hat auch die Goethe Business School in Frankfurt. Zukunftsfähige Konzepte finden sich vor allem dort, wo sich deutsche Schulen mit starken Partnern zusammentun. 3. Ein Fall für Nicht-Ökonomen Der MBA richtet sich in erster Linie an Techniker, Natur- und Geisteswissenschaftler oder Mediziner. Ökonomen sind eher fehl am Platz. Der Grund: Der MBA vermittelt Wissen, das BWL-Studenten ohnehin pauken: Finanzen, Marketing und Personalführung. Der Titel bildet daher Nicht-Ökonomen für kaufmännische Positionen weiter: Ärzte übernehmen Verwaltungsaufgaben im Krankenhaus, Ingenieure gehen ins Management. Das gilt vor allem für die meist einjährigen Vollzeitprogramme, die gleich nach dem Erststudium beginnen. Sinn hat der MBA für Betriebswirte nur bei den berufsbegleitenden Executive-Programmen. Auf dem Lehrprogramm stehen Fächer wie Entscheidungsfindung, strategisches Management oder Leadership, die mit Fallbeispielen garniert werden. Gestandene Manager, die schon jahrelang keine Hochschule mehr von innen gesehen haben, profitieren von der theoretischen Auffrischung — und von den Studienkollegen. 4. Kommilitonen geben Wir-Gefühl Ein wichtiger und oft unterschätzter Aspekt ist die Zusammenarbeit mit den Kollegen im Studiengang. In der praxisbezogenen Ausbildung lernt einer vom anderen. Je internationaler und berufserfahrener die Studenten sind, desto größer der Lerneffekt! Auch wichtig: Kommilitonen aus anderen Branchen und mit anderer Ausbildung bringen eine ganz andere Sichtweise und Herangehensweise in das Programm. Das schult die interpersonale Kompetenz. Zweiter Pluspunkt: Während des Studiums entstehen Freundschaften. Da die Absolventen eines Jahrgangs oft weltweit Karriere machen, können so wertvolle Netzwerke entstehen. Die Jahrgänge entwickeln sich oft zu einem Bund fürs Leben. Wer sich an einer MBA-Schule bewerben will, sollte deshalb auch die Qualität und Zusammensetzung der Studenten erfragen und sich vor Ort mit potenziellen Kommilitonen unterhalten. Alumni-Clubs werden dagegen überbewertet. Zwar mag es hier und da hilfreich sein, auch Zugriff auf Alumni anderer Jahrgänge zu haben, doch dienen diese weniger der gegenseitigen Hilfe im Job als vielmehr der Spendenaufnahme für die Business Schools. Zudem sind Alumnivereine der jungen (deutschen) Schulen noch klein.

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1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 05.02.2008, 05:38 UhrAnonymer Benutzer: Sven Hoffmann

    Sehr interessante kompakte information über MbA´s. ich hatte selber Erfahrungen eines Sprachurlaubes in einer internationelen Uni in Florida namens international Schiller University. Wohl ohne Akkreditierung...
    Meine Frage: Kennen sie das deutschsprachige MbA in Moskau in Kooperation mit der Universität Magdeburg. Ein Abendstudium mit Doppelabschluss der deutschen Uni Magdeburg und der russischen Wirtschaftsuniversität zu Moskau.
    Da ich beruflich mich gen Moskau orientiere wäre dieses (Abend)Progamm interessant für mich. ist ihnen dieses Programm bekannt, bzw. gibt es eine Ranking für das Magdeburger MbA. Zur info die Homepage:
    http://www.deutsches-mba.de/html/de/programm.html

    Ein Dank voraus für eine Antwort.

    Mit freundlichen Grüssen
    Sven Hoffmann

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