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Manager-Ausbildung: Der soziale Stillstand Amerikas

von Henry Mintzberg

Der kanadische Professor Henry Mintzberg ist einer der renommiertesten Kritiker klassischer Manager-Ausbildungen. Er schreibt exklusiv für wiwo.de warum die Finanzkrise im Kern eine Management-Krise ist.

Henry Mintzberg
Henry Mintzberg

„Wenn Du immer machst, was Du schon immer gemacht hast, wirst Du auch immer das bekommen, was Du schon immer bekommen hast.“ So lautet ein altes Sprichwort. Und so läuft es auch in der amerikanischen Wirtschaft.

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Wir sprechen von der Finanz- oder der Wirtschaftskrise, aber im Kern ist die jetzige Situation eine Management-Krise. Um das zu verstehen, muss man nur an das Hypotheken-Debakel denken.

Wie konnten diese Hypotheken überhaupt entstehen und - schlimmer noch - wie konnten sie bei so vielen großen Finanzinstitutionen landen? Die Antworten darauf sind offensichtlich: Die Manager, die den Verkauf der Hypotheken förderten, taten dies mit Blick auf ihre eigenen Boni.

Aber warum haben so viele seriöse Finanzinstitutionen diesen Müll gekauft – oder genauer: Warum haben sie eine Kultur der Bequemlichkeit oder des Desinteresses toleriert? Es ist ganz einfach: Diese Unternehmen wurden nicht gemanagt, sie wurden geführt, ohne Zweifel kurzfristig mit einer spektakulären Performance, aber eben nicht gemanagt.

Legale Korrumpierung im Management

Das Problem hätte schon jahrelang offensichtlich sein müssen. Die Bezahlung von Führungskräften – das offensichtlichste Beispiel für die legale Korrumpierung im Management – bezeichnete das Magazin „Fortune“ bereits vor 15 Jahren als skandalös. Während Amerika sich immer mehr in einer Liebesaffäre mit dem Prinzip der Leadership hineinstürzte, entfernten sich die Konzernlenker mit immer obszöneren Gehaltsmodellen genau davon. Und das, während sie Tugenden wie Teamwork und nachhaltiges Wirtschaften weiterhin in den Himmel hoben.

Zu diesem Scheitern gehört auch das Prinzip der Planung. Viele Unternehmen sind zu Experten in Sachen Planung geworden: Geschäftspläne für Investoren, Strategie-Pläne für alles andere. Die Umsetzung stand auf einem ganz anderen Blatt. Ein Manager, den ich kenne, lachte einmal über die Debatten in seiner eigenen Firma, wenn es um Powerpoint-Präsentationen für Investoren ging. Es waren Pläne, von denen sie alle wussten, dass sie niemals in die Tat umgesetzt würden. Was sie umsetzten, waren ganze Wellen von Fusionen – mit dem Ziel, größer zu werden als der Mitbewerber, nicht besser.

Management lernt man nicht im Hörsaal

Aus diesem Blickwinkel ist die Ausbildung der Manager ein gewichtiger Teil des Problems. Über Jahre hinweg haben die Business Schools einen ausgesprochen analytischen, abgehobenen Management-Stil beworben, der Unternehmen in den Abgrund gezogen hat. Jahrzehnt für Jahrzehnt haben die amerikanischen Business Schools knapp eine Million Absolventen hervorgebracht. Die meisten von ihnen dachten, nach ein paar Jahren des Herumsitzens seien sie vorbereitet auf Management. Im Gegenteil.

Denn Management ist Praxis, lernen kann man das nur in der richtigen Umgebung – und nicht im Hörsaal. Beispiel Harvard: Dort wird man zum Leader, indem man hunderte von Fallstudien liest. Jeweils am Tag, bevor man im Seminar vorschlagen soll, was die Firma zu tun habe. Gestern also wusste man noch nichts über Firma X, heute tut man so, als würde man über deren Zukunft entscheiden. Was für eine Führungsperson erzeugt das?

Die Harvard Business School überprüft jetzt ihre Lehrpläne. Ihr Dean hat aber bereits klar gemacht, dass die Fallstudien dabei nicht auf dem Prüfstand stehen. Hier haben wir das ganze Problem: Die totale Verweigerung zur gemeinsamen Selbstprüfung. Oder anders gesagt: Amerika steckt in einen sozialen Stillstand.

Es besteht das Risiko, dass wir weiterhin bekommen, was wir bereits haben.

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13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.08.2009, 11:59 UhrAnonymer Benutzer: Fidelito

    Wir können den USA manches vorwerfen, aber auf keinen Fall eine schwache Justiz. Unsere bundesanwaltschaft ist im Vergleich dazu ein Surfclub auf dem Edersee. Ziehen wir einmal bilanz der letzten Jahre:

    - bernard Madoff 150 Jahre (wenn auch im Edelgefängnis)
    - Conrad black bis 2013 im bau
    - bernie Ebbers bis 2028 entsorgt
    - Jeffrey Skilling dto. bis 2028
    - Richard Scrushy bis 2013 (former Health South Corp.)
    - Eugene Plotkin bis 2012 (former Goldman Sachs)
    - John Rigas bis 2018 (Adelphia Comm.)
    - Timothy Rigas bis 2022 (dto. Adelphi)

  • 07.05.2009, 00:32 UhrAnonymer Benutzer: Mohican

    Es gibt auch einen politischen Hintergrund der Subprimekrise, nämlich die Absicht der bushs und des Clinton dem amerikanischen Volk eine Folgegeschichte des American Dream vorzugaukeln. Wenn die Lämmer genug Gras zum fressen haben, so das Kalkül, kann man die Politik machen, die man will. Man kann Kriege führen und die Globalisierung voranbringen, zum Vorteil und Profit einer zahlenmässig begrenzten, previlegierten Gruppe.

  • 20.03.2009, 09:38 UhrAnonymer Benutzer: Ricci Riegelhuth

    Der soziale Stillstand ist durch die kaufmännische Zügellosigkeit entstanden:
    Hier ein Auszug aus

    "Alarmstufe Rot"

    Amerikas Wild-West Kapitalismus bedroht die Welt
    Theodore Roszak ( 2003)

    "Als Ronald Reagan 1980 seine Präsidentschaft antrat, war eine seiner ersten Amtshandlungen die Deregulierung des Amerikanischen-Darlehens-und Sparkassenwesens, des zweitgrößten bankensystems des Landes!

    in der Hauptsache handelte es sich dabei um die während des Rooseveltschen "New Deal" gegründeten Hypohteken-Kassen, deren einziger Zweck es damals war Kredite für Hausbau -oder Kauf bereitzustellen. Die Kassen verfügten über mehrere billionen Dollar an Anlagevermögen. Reagans Deregulierungmassnahmen erlaubten ihnen nun, mit diesem Geld nach belieben zu verfahren wie sie wollten. Es gab keine staatliche Aufsicht mehr.
    Das Ganze wirkte wie eine Aufforderung:

    DiE POLiZEi HAT URLAUb! Stehlen und rauben Sie nach belieben!

    Und genau das geschah dann auch.. Das System wurde innerhalb kürzester Zeit von krimminellen Finanzhaien auseinandergenommen.
    Natürlich wurden auch einige Protagonisten verhaftet, doch bestraft wurden lediglich ein paar Sündenböcke. Damals waren so viele Menschen wegen Unterschlagung angeklagt, dass die Gerichte gar nicht alle verurteilen konnten. Da der Staat für die Darlehen- und Sparkassen geradestehen musste, war es an der Öffentlichkeit, die Schulden abzutragen, die diese Massnahme hinterlssen hatte. Jedem Steuerzahler im Land kostete Reagans Strategie
    einige Tausend Dollar.
    Man möchte meinen, dies habe der breiten Öffentlichkeit als Lehrstück gedient.Eigentlich hätte sie schon damals alamiert registrieren müssen, dass das Geschäftsleben mittlerweile von banditen gelenkt wird. Dabei war das Debakel um die Darlehens-und Sparkassen nur der Anfang." Ende

    Hatte die Deregulierung nun kriminelles System oder nicht?
    Hat also alles schon mal stattgefunden, oder nicht?

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