
Deutsche Beschäftigte halten ihrem Unternehmen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern überdurchschnittlich lang die Treue. Die Betriebszugehörigkeit hierzulande beträgt im Schnitt rund elf Jahre, wie die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) berichtet. Zwar wurde der deutsche Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren stark flexibilisiert, seit 1992 habe sich die Zahl der Beschäftigten mit befristeten Arbeitsverträgen verdoppelt. „Dennoch ist Job-Hopping kein Phänomen, das für das Gros der Arbeitnehmer zutrifft“, sagte Thomas Rhein vom IAB dem Blatt. Gründe für die Loyalität seien unter anderem gute Gehälter und Entwicklungschancen.
Bild: FotoliaFrust
Sicher, jeder ist mal genervt von seinem Job, dem Chef oder den Kollegen. Aber selten wurde so viel über Unzufriedenheit im Job geklagt wie heute. Nicht wenige schleppen sich morgens schon frustriert ins Büro, denken mit Grauen an den miesen Boss, die nervigen Kollegen – und die Arbeit ödet auch nur noch an.Wenn Sie gar keine Freude mehr an dem haben, was Sie tun, wenn Sie schon morgens mit Bauchschmerzen aufstehen und die positivste Stimmung, zu der Sie an der Arbeit fähig sind, eine genervte Grundhaltung ist, sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie dauerhaft so weitermachen wollen. Die Düsseldorfer Outplacement-Beraterin Heike Cohausz rät in einem solchen Fall: "Stellen Sie sich zu nächst folgende Fragen: Was genau hat meinen Frust ausgelöst? Wieso möchte ich nicht mehr mit meinem Chef arbeiten? Welche konkreten Situationen haben dazu geführt, dass ich gehen will?" Können Sie die Faktoren, die Ihren Frust auslösen, nicht verändern oder beeinflussen, sollten Sie ernsthaft über einen Jobwechsel nachdenken.
Bild: dpaZu wenig Gehalt
Ein Blick auf ihre Kontoauszüge macht Sie unglücklich und Sie sind der Meinung, Ihre Arbeit sollte Ihrem Chef mehr wert sein? Dann sollte Sie natürlich der erste Weg zu Ihrem Vorgesetzten führen. Wenn Ihr Unternehmen wegen seiner wirtschaftlichen Lage aber nicht mehr zahlen kann, gibt es zwei Möglichkeiten: Hinnehmen oder gehen. Gerade für Arbeitnehmer, die bereits öfters bei Lohnerhöhungen übergangen worden sind, wäre letzteres der richtige Weg. Sonst droht Frustration. Laut einer Studie von TNS Infratest zusammen mit der Personalberatung Cribb ist gerade für Männer die Unzufriedenheit mit ihrem aktuellen Gehalt, ein Wechselgrund.
Von einem Jobwechsel versprechen sich laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Online-Stellenbörse Jobware rund 30 Prozent der Befragten ein höheres Einkommen - und das kriegen Sie in der Regel auch. So bestätigt eine Umfrage des Personaldienstleisters Experis unter 1.049 Arbeitnehmern, dass 56 Prozent der Befragten mit dem neuen Arbeitsplatz auch mehr Gehalt bekommen. Marcus Schmidt, Geschäftsführer der Personalberatung Hanover Matrix, sagt: "Grundsätzlich bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis, also auch das Gehalt. Die meisten Personalchefs orientieren sich trotzdem am aktuellen Einkommen. Steigerungen um zehn Prozent liegen dabei im Normbereich."
Allerdings gibt es bei dem Lohnplus sowohl regionale als auch geschlechtsspezifische Unterschiede: So bekommen 61 Prozent der Männer und 50 Prozent der Frauen mit einem neuen Job auch mehr Geld. Und während beispielsweise in Rheinland-Pfalz 82 Prozent nach dem Jobwechsel ein Gehaltsplus verzeichnen, sind es in den Stadtstaaten Berlin und Bremen gerademal ein Drittel. Der Geschäftsführer der Personalvermittlung Experis, Attilio Berni, sieht den Fachkräftemangel als Auslöser für die regionalen Unterschiede. In betroffenen Gebieten "locken die Arbeitgeber neue Mitarbeiter mit überdurchschnittlichen Gehältern", sagt er.
Bild: FotoliaGestiegene Anforderungen
Immer mehr, immer schneller: Sie müssen immer mehr Arbeit bestenfalls in der gleichen, am liebsten aber in der Hälfte der Zeit, erledigen? Kollegen, die in den Ruhestand gehen oder kündigen werden nicht ersetzt, sondern die Arbeit bleibt an den übrigen Mitarbeitern hängen? Wenn es sich nicht nur um kurze Stressphasen - beispielsweise wegen Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen - handelt, sind stetig steigende Anforderungen ohne entsprechende (pekuniäre) Würdigung für 17 Prozent ein Grund für eine Kündigung. (Quelle: Umfrage des Personaldienstleisters Kelly Services unter 2200 Beschäftigten)Wenn Sie dem wachsenden Arbeitsberg nicht mehr Herr werden und auch keine Besserung in Sicht ist, wäre ein Jobwechsel eine Option.
Bild: dpaLangeweile
Doch auch das Gegenteil gibt es häufig: Die Aufgaben, die Sie zu erledigen haben, sind überschaubar - und vor allem monoton. Sie langweilen sich nine to five. Bei einer Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half unter mehr als 2400 Fachkräften sagte beispielsweise jeder zweite deutsche Arbeitnehmer, dass er für die Chance auf mehr Abwechslung sofort bei einem neuen Arbeitgeber anheuern würde. Und ein Jobwechsel kann dann tatsächlich etwas bewirken. Die Experis-Umfrage unter 1.049 Jobwechslern zeigt, dass 46 Prozent derer, die den Schritt gewagt und gekündigt haben, ihre Tätigkeit nun für vielfältiger halten. Ein Viertel der Studienteilnehmer bemerkte, dass sich das sehr positiv auf die eigene Motivation auswirkte.
Bild: dpa/dpawebPendeln
Deutschland ist ein Land der Pendler: Jeder fünfte verbringt einen Teil seiner "Freizeit" im Stau auf dem Weg zur Arbeit beziehungsweise nach Hause oder steht in Bussen und Bahnen. Rund 1,5 Millionen Menschen haben einen Arbeitsweg von mehr als 50 Kilometern. Laut der Bundesagentur für Arbeit gelten zweieinhalb Stunden Weg allerdings als zumutbar. Aber mal ehrlich: Sind Sie damit zufrieden? Täglich rund fünf Stunden unterwegs, neun Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen - dann bleiben Ihnen zwei Stunden Zeit für Familie, Freunde, Haushalt, essen, Sport und entspannen. Auf Dauer macht das nicht nur unzufrieden, sondern auch krank.
Laut der Studie des Personaldienstleisters Kelly Services von 2011 nagt die tägliche Pendelei ins Büro bei 16 Prozent der Befragten an der Motivation. Wenn Umziehen keine Option ist, hilft nur, sich einen Arbeitsplatz am Wohnort zu suchen.
Bild: FotoliaZeit für die Familie
Ob wegen Pendelei, Arbeitsberg oder Überstunden - manchmal fehlt einfach die nötige Zeit für Freunde, Familie und Privatleben. In diesem Fall müssen Sie sich die Frage stellen, ob Ihnen Ihr Job das Wert ist. "Jede Lebenssituation ist anders und auch die Ziele können im Lauf der Zeit variieren", sagt Beraterin Cohausz. Wenn es für den Berufseinsteiger noch völlig in Ordnung war, 60 Stunden die Woche zu arbeiten und durch die Welt zu jetten, ist dieses Modell für junge Eltern gänzlich ungeeignet. Auch für den älteren Arbeitnehmer wäre ein anderes Arbeitsmodell eventuell sinnvoll, auch wenn das alte Jahre lang gut funktioniert hat.
"Ein Seiten- oder Rückschritt kann für eine ruhigere Phase im Leben, etwa um mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können, sinnvoll und wichtig sein", sagt Cohausz. Auch ein Funktions- oder Branchenwechsel, um die Karriere in eine andere Richtung zu lenken, sind für Arbeitnehmer, deren persönliche Situation sich verändert hat, sinnvoll. Für die Entscheidung hilft es, sich Fragen zu stellen, wie: Wo möchte ich in zehn Jahren stehen? Bringt mich der Schritt dorthin? Ist mir Führungsverantwortung wirklich wichtig?
Bild: FotoliaKarrierechancen
Aber nicht jeder will einen Gang zurückschalten, für viele soll es nach vorne gehen. Aber viele können in ihrem Unternehmen maximal 67 werden, mehr geben die Perspektiven nicht her. Wer mehr von seinem Berufsleben möchte, muss sich in diesem Fall nach einem neuen Job umsehen.
Tiemo Kracht, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Kienbaum empfiehlt unzufriedenen Arbeitnehmern zu überprüfen, ob die Unternehmens- und Ertragsentwicklung eine tragfähige Basis für eine weitere Karriere bietet. "Wenn die nächste Führungsebene, für die Sie sich vorbereitet haben, mit einem Kandidaten besetzt wird, der jünger, im gleichen Alter oder geringfügig älter ist, kann der nächste Karriereschritt auf Jahre versperrt sein", sagt er.
Gibt es keine weiteren Optionen in anderen Positionen, sollten externe Alternativen erwogen werden.
Bild: FotoliaBurn-out
Die Zahl der Gestressten und psychisch Erkrankten wächst seit Jahren bedenklich. Burn-out gilt längst als Volkskrankheit. Psychologen attestieren immer mehr Arbeitnehmern, vollkommen ausgebrannt zu sein. Überall schwelt der Frust. Und mit ihm die Bereitschaft, den Job zu wechseln. Wer wegen Überlastung im Job psychische Probleme bekommt, sollte neben einer Therapie unbedingt auch über einen Job- oder zumindest Arbeitsplatzwechsel nachdenken.
Bild: FotoliaUnmögliche Arbeitszeiten
Ein Auslöser für Burn-out, zumindest aber ein Garant für Unzufriedenheit und damit den Wunsch nach einem Jobwechsel, sind unmögliche Arbeitszeiten. Für 32 Prozent der Arbeitnehmer sind immer längere Arbeitszeiten und regelmäßige Überstunden ein Grund, den Arbeitgeber zu wechseln.
Bild: FotoliaArbeitsklima
Aber nicht nur die Bedingungen, die das Unternehmen seinen Mitarbeitern aufoktroyiert, können die Lust am Arbeiten schmälern, auch das vorherrschende Arbeitsklima kann ein Motivationskiller sein. Wenn Sie weder mit Ihrem Chef noch den Kollegen auf Dauer zusammen arbeiten können oder wollen, müssen Sie gehen. Sonst machen Sie sich unglücklich. "Spaß und Freude an der Aufgabe und jeden Morgen gerne ins Büro zu gehen, sind absolute Voraussetzung für einen erfolgreichen Job. Nur lassen sich die eigenen Stärken voll für das Unternehmen einsetzen", bestätigt auch Heike Cohausz von P4 Career Consultants. Und die Experis-Studie zeigt, dass ein Drittel der Jobwechsler das Arbeitsklima im neuen Unternehmen als angenehmer empfindet.
Das hat laut Experis-Geschäftsführer Attilio Berni aber nicht zwangsläufig etwas mit netteren Vorgesetzten oder Kollegen zu tun. "Vielmehr kommen die Mitarbeiter positiv eingestellt in den neuen Job, was sich auf ihr Umfeld auswirkt", sagt Berni.
Frust
Sicher, jeder ist mal genervt von seinem Job, dem Chef oder den Kollegen. Aber selten wurde so viel über Unzufriedenheit im Job geklagt wie heute. Nicht wenige schleppen sich morgens schon frustriert ins Büro, denken mit Grauen an den miesen Boss, die nervigen Kollegen – und die Arbeit ödet auch nur noch an.
Wenn Sie gar keine Freude mehr an dem haben, was Sie tun, wenn Sie schon morgens mit Bauchschmerzen aufstehen und die positivste Stimmung, zu der Sie an der Arbeit fähig sind, eine genervte Grundhaltung ist, sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie dauerhaft so weitermachen wollen. Die Düsseldorfer Outplacement-Beraterin Heike Cohausz rät in einem solchen Fall: "Stellen Sie sich zu nächst folgende Fragen: Was genau hat meinen Frust ausgelöst? Wieso möchte ich nicht mehr mit meinem Chef arbeiten? Welche konkreten Situationen haben dazu geführt, dass ich gehen will?" Können Sie die Faktoren, die Ihren Frust auslösen, nicht verändern oder beeinflussen, sollten Sie ernsthaft über einen Jobwechsel nachdenken.
Doch trotz des guten Gehalts und der Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz: arbeiten stresst die Deutschen - und zwar mehr als Geldsorgen, das kranmke Kind oder der Streit mit dem Partner. Das geht aus einer Umfrage des Bürodienstleisters Regus hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Fast zwei Drittel der Befragten hierzulande (61 Prozent) gaben als größten Stressfaktor ihre Arbeit an. Die Anspannung im Job ist bei 58 Prozent der Befragten im Vergleich zum Vorjahr außerdem gestiegen, weltweit empfinden das 48 Prozent der Menschen so. Privat macht den Menschen vor allem ihre finanzielle Lage Sorgen: 44 Prozent der Befragten sehen darin den größten Stressfaktor, in Deutschland sind es 25 Prozent.
Mehr als zehn Jahre Betriebszugehörigkeit
Seit 1992 berechnet das IAB die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit von Arbeitnehmern in deutschen Unternehmen. Laut der Zeitung lag sie damals bei 10,3 Jahren - Lehrlinge und Neueinsteiger mitgerechnet. Wegen des wirtschaftlichen Umbruchs in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung sank die Zahl, seit 2000 steige sie aber wieder kontinuierlich. 2009 betrug sie laut der Zeitung 11,2 Jahre. Experte Rhein geht davon aus, dass dieser Wert heute weitgehend stabil geblieben sei. In anderen europäischen ist die Bereitschaft, das Unternehmen zu wechseln, dem Bericht zufolge mitunter deutlich größer.



























