Personalberater: Das Internet zwingt auch die Headhunter ihr Geschäftsmodell zu überdenken

Personalberater: Das Internet zwingt auch die Headhunter ihr Geschäftsmodell zu überdenken

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Xing Startseite 6.5.2010

Die Elektrifizierung brachte die Mittelschicht hervor. Computerisierung und Internet könnten sie demnächst wieder hinwegfegen. Was der US-Autor Nicholas Carr in seinem Buch „The Big Switch“ prophezeit, bereitet derzeit auch den knapp 5000 Personalberatern hierzulande mulmige Gefühle.

Sie fragen sich: Ist auch unser Wohlstand durch das Internet gefährdet? Und suchten bei dem 12. Personalberatertag auf dem Petersberg nach Antworten. Fakt ist: Die Netzwerker auf zwei Beinen verdienten lange Zeit prächtig, ob ihrer guten Drähte. Da sich jetzt aber dank Facebook, Xing und Twitter jeder mit jedem vernetzen kann, müssen auch die Headhunter ihr noch junges Handwerk neu erfinden.

Schon in 2009 brach der Branchenumsatz um 26,2 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro ein. Die Wirtschaftskrise kostete bereits 140 Personalberatungen die Existenz. Jetzt machen sich die 1830 verbliebenen Gesellschaften Sorgen, ihr vertrauliches Geschäft könnte durch Technisierung an Glanz und Wertschätzung verlieren. Der Branche droht ein harter Preiskampf. Ihre Kunden – die Personaler der Konzerne und Mittelständler ­ wissen mittlerweile auch, wie sich rare Spezialisten – etwa Softwarearchitekten oder Halbleiterexperten - über Internetforen aufspüren lassen.

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Selbst für die gut betuchten Headhunter von Edelboutiquen wie Egon Zehnder oder Odgers Berndtson dürften geheime Treffen in lauschigen Luxushotels mit Managern seltener werden. Welcher Kunde will schon teure Flugtickets für zig persönliche Interviews bezahlen, wenn eine Videokonferenz ausreicht?

„Die Schere zwischen kleinen und großen Personalberatungen geht immer weiter auf“, sagt Wolfgang Lichius, Vorsitzender des Fachverbandes Personalberatung beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Der Grund: Gerade kleinere Anbieter sind häufig regional aufgestellt. Lokal gut verdraht zu sein, reicht als Verkaufsargument aber immer weniger aus.

Wer Kunden glaubhaft vermitteln will, ihm die besten Fach- und Führungskräfte, die es auf dem Markt gibt, vorzustellen, kann nur überregional arbeiten. Und in der Liga spielen schon genügend namhafte Häuser. Wollen Headhunter den Internet-Tsunami und den wachsenden Fach- und Führungskräftemangel bestehen, sollten sie vor allem eins: Bei der Suche und Auswahl ihrer Kandidaten weniger schematisch vorgehen.

Nach Schema können nämlich auch Maschinen Menschen aussuchen. Bisher sind  95 Prozent der Manager in Deutschland Akademiker, fast ebenso viele männlich und ganze 56 Prozent haben promoviert. In der Schweiz ist man mit 25 Prozent Promovierten da schon weniger titelgläubig. Und in den USA belächelt man die Doctores eher: Nur sechs Prozent der US-Manager brauchten einen Doktortitel, um ihre Führungsfähigkeiten unter Beweis zu stellen.

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