Personalberatung: Headhunter müssen sich neu erfinden

Personalberatung: Headhunter müssen sich neu erfinden

von Julia Leendertse

Personalberater kämpfen gegen das Internet und neue Technologien. Doch inzwischen sind die Headhunter wieder zuversichtlich. Vor allem Spezialisten sind gut im Geschäft.

Zwei Jahre lang dümpelte das Wachstum der Personalberaterbranche vor sich hin. 2013 –  wie schon zuvor 2012 – mussten sich die knapp 2000 Personalberatungen in Deutschland mit einem bescheidenen Plus von drei Prozent auf zuletzt 1,6 Milliarden Euro Umsatz zufrieden geben. Doch jetzt fasst die Branche laut einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) wieder Zuversicht.

Rund drei Viertel der Personalberater rechnen 2014 mit einem kräftigen Auftragsschub. „Bereits seit Ende letzten Jahres zieht der Stellenmarkt wieder an und folgt dem positiven Konjunkturverlauf in der deutschen Wirtschaft, Industrie und Verwaltung“, sagt Michael Heidelberger, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalberatung. „Wir rechnen 2014 insgesamt mit einem Umsatzplus von knapp acht Prozent.“

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Besonders optimistisch schätzen die Personalberater die Geschäftsentwicklung im Gesundheitswesen, in der Telekommunikations-, IT- und Medienindustrie sowie im Fahrzeugbau ein. Auch die Banken und Versicherungen, Chemie- und Pharmakonzerne, Konsumgüterhersteller und Maschinenbauer stellen vermehrt ein. „Die Digitalisierung der Wirtschaft beflügelt unser Geschäft“, sagt auch Markus Böhler, Geschäftsführer der Personalberatung Schickler. „In der Medienbranche sind derzeit Führungskräfte mit digitalen Kompetenzen, etwa im Online-Marketing oder der Produktentwicklung stark gefragt. Medienunternehmen suchen auch Manager für Startups, in die sie investieren, um deren Wachstum voranzutreiben. Andersherum beginnen Großunternehmen eigene Corporate Media-Abteilungen inklusive Newsrooms aufzubauen und suchen gute Redakteure sowie Social Media-Manager.“

Die neu entfachte Hoffnung auf bessere Geschäfte kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Recruitingbranche sich insgesamt in schwierigem Fahrwasser bewegt. Die Zeiten, in denen die Headhunter zweistellige Wachstumsraten verbuchten, scheinen vorerst vorbei zu sein. So musste selbst Egon Zehnder, Nummer eins der Headhunter-Branche in Europa, in diesem Frühjahr erstmals im Laufe seiner 50-jährigen Geschichte über ein weltweit rückläufiges Geschäft in 2013 berichten.

Zwar stieg insgesamt die Zahl der durch Headhunter vermittelten Fach- und Führungskräfte 2013 um knapp drei Prozent auf rund 52.500. Doch viele Personalberater – egal ob Topmarkenanbieter, bundesweit bekannte Edelboutique im Executive Search oder regional aufgestellte mittelständische Personalberatung – leiden unter dem enormen Preisdruck und dem Trend, dass vor allem große Klienten verstärkt auf eigene Faust Personal suchen. Mit Gemini Executive Search und Steinbach strichen gleich zwei bekannte Mittelklassespieler zuletzt die Segel.

So erkennen Sie gute Berater

  • Branche kennen

    Headhunter müssen mit Regeln und Besonderheiten der Branche des Auftraggebers vertraut sein. Keine Beratung kennt jede Branche gleich gut.

  • Größe ignorieren

    Größe und Bekanntheit einer Beratung spielen keine Rolle. Entscheidend sind Branchenexpertise und Vernetzung.

  • Fokussiert fragen

    Statt nach vorliegenden Infos zur Qualifikation fragt ein guter Personalberater, ob ein Jobwechsel überhaupt möglich ist. Und welche Vorstellungen Sie haben.

  • Vertraulichkeit wahren

    Ohne Ihr Wissen wird der Lebenslauf nicht an Dritte weitergeleitet.

  • Regelmäßig informieren

    Der Kandidat wird regelmäßig über den Stand des Verfahrens informiert.

  • Karriere

    Nur wenige Headhunter verstehen sich als Karriereberater. Wer Sparringspartner für den Aufstieg wünscht, sucht sich besser einen darauf spezialisierten Coach und bezahlt ihn auch selbst.

Knapp die Hälfte der vom BDU befragten Personalberaterfirmen geht davon aus, dass die Zahl der Fusionen – ähnlich wie in der Managementberatung – auch im Headhuntersegment in den nächsten drei Jahren deutlich steigen wird. Selbst der Versuch, durch anderweitige Beratungsleistungen etwa rund um das Thema Employer Branding, Outplacement oder Coachings wegbleibende Umsätze im Stammgeschäft der Personalsuche aufzufangen, ist in vielen Häusern nur von bescheidenem Erfolg gekrönt.

„Vor allem kleinere Personalberatungen tun gut daran, sich nicht zu verzetteln und sich ganz auf das Stammgeschäft – die Personalsuche – zu fokussieren“, rät BDU-Mann Heidelberger. Gleichzeitig gelte aber auch, dass die Branche sich auf die Veränderungen einzustellen hat „Wer nur das macht, was er in den vergangenen zwanzig Jahren schon gemacht hat, wird nicht überleben können“, urteilt der Chef der Personalberatung Dr. Richter Heidelberger.

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