Personalmanagement: Die größten Fehler bei Einstellungen

Personalmanagement: Die größten Fehler bei Einstellungen

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Ulrich Jordan ist Inhaber der Jordan Consulting Gruppe in Dortmund. Bei 3M stellte er seinerzeit Reinhard Sprenger, den Management-Erfolgsautor, ein. Bis 2011 war Jordan Personalvorstand der Targobank, früher Citibank.

Davor war er Senior HR Officer für Europa, den Mittleren Osten und Afrika für die Bank. Sein Buch "Das erfolgreiche Einstellungs-Interview – Potenziale für morgen sicher erkennen und gewinnen" ist in diesem Jahr im Gabler Verlag erschienen.

von Claudia Tödtmann

Kaum eine Entscheidung kann weitreichendere Folgen haben als die Einstellung eines unpassenden Bewerbers. Der Personalberater Ulrich Jordan nennt zehn Fehler, die immer wieder vorkommen.

Schwammiges Profil

Wenn Sie nicht genau wissen, wen Sie suchen, wird es schwer. Die Ausbildung, das Studium oder 5 Jahre Erfahrung sagen gar nichts. Welche Herausforderungen muss die Kandidatin schon bewältigt haben, wie geht sie an Probleme heran, welche Werte hat sie und wie arbeitet sie mit Chefs und Kollegen zusammen? Also wen genau suchen Sie? Das sollten Sie wissen, bevor Sie anfangen zu suchen.

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Zu frühe Entscheidung

Studien zeigen, dass für fast alle ungeübten Interviewer der erste Eindruck entscheidet. Kleidung, Körpersprache, Händedruck sind nicht unwichtig. Aber man muss offen lassen, ob sich der erste Eindruck bestätigt oder nicht. Sonst wird das ganze Interview eine selbsterfüllende Prophezeiung – ich mag den Kandidaten, dann bin ich freundlich und stelle angenehme Fragen. Ich mag ihn nicht und es wird schwierig.

Bewerbungsstrategien für den Traumjob

  • Angebotsstrategie

    Analysieren Sie, was Ihrem Traumarbeitgeber fehlt. „Das kann alles Mögliche sein, vom Youtube-Werbevideo über neue Vertriebsmethoden bis hinzu Beziehungen in einen interessanten Auslandsmarkt“, schreibt Karriereexpertin Svenja Hofert in Ihrem Buch „Die Guerilla Bewerbung“, das im Campus Verlag erschienen ist. Die Kunst ist, das Defizit vor dem Arbeitgeber zu erkennen und ihn davon zu überzeugen, dass er es mit Ihrer Hilfe beheben kann.

  • Die Kettenbrief-Strategie

    Schlagen Sie Ihr Adressbuch auf und suchen Sie zehn Kontakte heraus, die Ihnen bei der Suche nach Ihrem neuen Job behilflich sein könnten. Wichtig sind nicht nur Menschen, die direkt einen Arbeitsplatz für Sie haben könnten, sondern auch Personen, die viele interessante Kontakte haben. Schreiben Sie ein prägnantes Kurzprofil, schicken Sie es an Ihre Kontakte mit der Bitte es wiederum an zehn Kontakte weiterzuleiten.

  • Die Terminstrategie

    Persönlich miteinander in Kontakt kommen, das ist die Idee hinter dieser Strategie. Suchen Sie sich Ihren Wunscharbeitgeber und überlegen Sie, wer vor Ort der beste Ansprechpartner sein könnte. Rufen Sie einfach an, erklären Sie Ihr großes Interesse an dem Unternehmen und bitten Sie um einen kurzen Termin zum Kaffeetrinken. So ist der erste Kontakt hergestellt.

  • Die Anti-Aging-Strategie

    Suchen Sie sich eine Aufgabe, die Ihrem Alter entspricht. Das hört sich erstmal hart an, ist aber ganz plausibel. Bewerben Sie sich nicht auf Inserate, die mindestens zwei bis drei Jahre Berufserfahrung voraussetzen, denn hier liegen nicht Ihre Stärken. Für viele ältere Führungskräfte, die es am Ende der beruflichen Laufbahn nochmal wissen wollen, ist die Position des Interimsmanager eine geeignete Aufgabe. Die Arbeitsagentur oder private Vermittler helfen gerne weiter.  

  • Die Projektstrategie

    Oftmals ist Projektarbeit der Einstieg in die Festanstellung. Deshalb überlegen Sie sich genau, erstens welches Projekt Sie realisieren könnten und zweitens für welche Institutionen oder Firmen es interessant sein könnte. Treten Sie an die potentiellen Interessenten heran und überzeugen Sie sie von Ihrer Idee. Die Bereitschaft in ein Projekt einzuwilligen ist höher, als eine neue Stelle zu schaffen. So können beide Seiten herausfinden, ob es passt.

  • Die Baumeister-Strategie

    Schaffen Sie sich Ihren Traumjob einfach selbst. Entdecken Sie den Bedarf an einer bestimmten Dienstleistung oder einem Produkt und schlagen Sie einem Träger vor, sich darum zu kümmern. Das funktioniert besonders gut im öffentlichen Bereich. Sind Sie von der Idee restlos überzeugt, können Sie es sogar wagen, einen eigenen Verein oder eine Stiftung zu gründen.

  • Die Power-Mail-Strategie

    Schreiben Sie eine E-Mail, die der Leser nicht ignorieren kann. Finden Sie heraus, an welchen Stellen Ihr Lieblingsunternehmen Nachholbedarf hat und präsentieren Sie sich als Lösung. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie in der Branche schon Erfahrungen und Kontakte haben. Für diese Variante muss „Ihr Können und Ihr Hintergrund“ sehr interessant sein.

  • Die Expertenstrategie

    Sie kennen sich mit einer speziellen Aufgabe oder einem Themengebiet gut aus und haben mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in diesem Bereich? Dann könnte die Expertenstrategie die richtige sein. Wichtig ist, ihr Spezialgebiet so umfassend zu definieren, dass sie auf viele Angebote passen, aber gleichzeitig so viel Expertise zu besitzen, dass nicht viele mit Ihnen konkurrieren können. Die Autorin nennt sich zum Beispiel Expertin für neue Karrieren und nicht Spezialistin für MBA-Programme.

Zu viel reden

Im Interview wollen Führungskräfte etwas vom Kandidaten erfahren. Und dazu müssen sie zuhören. Tun sie aber häufig nicht. Dann reden sie zu viel und erfahren  kaum etwas. Die goldene Regel: Zu 80 Prozent spricht der Kandidat, zu 20 Prozent die Führungskraft.

Keine klare Struktur

Die meisten Personalverantwortlichen haben nie gelernt, wie man erfolgreiche Einstellungs-Interviews führt. Deshalb haben sie keinen klaren Fahrplan, welche Fragen sie stellen wollen, sondern lassen sich von ihrem Gegenüber leiten. Wenn am Ende die Entscheidung getroffen wird, wer eingestellt werden soll, müssen Kandidaten und ihre Fähigkeiten verglichen werden. Und das geht nur, wenn alle die selben Fragen beantwortet haben.

Alles glauben

Kandidaten bereiten sich heute gut auf Bewerbungsgespräche vor, sie tauschen sich im Internet aus und sie sind bereit auch mal zu flunkern - darüber was sie alles schon geschafft haben. Nur konkrete Fragen und freundliches Nachbohren zwingen Bewerber bei der Wahrheit zu bleiben.

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