Fast wäre Martin Koehler im Geschäft mit Windeln hängen geblieben. Koehler war 27, hatte an der TU Berlin Wirtschaftsingenieurwesen studiert und machte 1984 ein Praktikum beim Konsumgüterkonzern Procter & Gamble. Dort begleitete er die Markteinführung wieder verschließbarer Pampers. Doch weil Koehler das Gefühl hatte, viel über Mechanik und Maschinen, aber kaum etwas über Marketing und Management zu wissen, investierte er in seine Zukunft und machte zwei Jahre später den Abschluss als Master of Business Administration (MBA) an der kalifornischen Elite-Universität Stanford. „Ohne den MBA wäre mein Horizont enger geblieben und mein Leben langweiliger verlaufen“, sagt Koehler rückblickend. Heute ist er Senior Partner bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) in München. Koehler ist Vorbild für viele Nachwuchsmanager. Sie erhoffen sich den Sprung nach ganz oben und streben in Scharen an Business Schools. Ein vielversprechendes Investment, wie namhafte Beispiele zeigen. Auch Top-Manager wie Continental-Chef Manfred Wennemer, Frosta-Vorstand Felix Ahlers und Alexander Otto, Sohn der Unternehmerlegende Werner Otto, legten mit dem Abschluss den Grundstein für ihre Laufbahn: Sie lernten strategisches Denken, soziales Interagieren und selbstreflektiertes Handeln. Und sie sind überzeugt: Die Ausbildung an einer der besten Schulen prägt ein Leben lang. Der MBA ist eine amerikanische Erfindung, und immer noch zieht es die meisten deutschen Nachwuchsmanager in die Staaten, nach Harvard, Stanford oder an die 1900 gegründete Tuck School am Dartmouth College im US-Bundesstaat New Hampshire, der ersten Business School der Welt. Längst boomt die Branche wieder, und auch deutsche Anbieter versprechen inzwischen den grandiosen Karrierekick. Der erhoffte Jobaufstieg ist Hauptmotivation der Studenten. So war es auch bei Sabine Goesch, als sie 1992 den MBA an der Kellogg School of Management machte. Sie gehörte schon immer zu den Besten, sagt Goesch. Und daher war der MBA eine besondere Erfahrung. Sie habe „an der Business School mit anderen zusammen gelernt, die vielleicht auch schon immer die Besten waren, da muss man sich erst mal zurechtfinden“. Heute ist die 45-Jährige „Senior Vice President Global Talent Management“ bei der Allianz, sie fördert und entwickelt talentierte Mitarbeiter. Was Goesch so sehr am MBA schätzt: Sie hat gelernt, Probleme effizient zu lösen. In Fallstudien war sie mit realen Firmenproblemen konfrontiert, löste Aufgaben in Teamarbeit und konnte das Vorgehen später im Job „eins zu eins umsetzen“. So entwickelte sie etwa für American Express — ihrem ersten Arbeitgeber nach dem MBA — „eine passende Vertriebsstruktur“. Den Vertrieb richtete sie klarer auf unterschiedliche Kundenprofile aus. „Ich hatte das während meines MBA gelernt“, sagt Goesch. Bei dem Kreditkartenanbieter schaffte sie es bis zur Marketing-Chefin in London.
Das Wiwo-Knigge-Spezial: Benimm FAQs für den Job
Goesch profitierte auch deshalb, weil Kellogg akademisches Wissen auf höchstem Niveau vermittelt. Die Kaderschmiede lockt Professoren mit hohen Gehältern, und so kommen Leute wie der US-Marketing-Experte Philip Kotler, Bestsellerautor und Berater von Weltkonzernen wie IBM und AT&T. Die „Financial Times“ wählte ihn vor zwei Jahren zu einem der größten Management-Vordenker aller Zeiten. Von ihm lernte auch Felix Ahlers, Marketing-Vorstand des Tiefkühlkost-Unternehmens Frosta und Sohn des Firmengründers. Von 1995 bis 1997 studierte er an der Kellogg School, und Kotler zeigte ihm, wie ein Unternehmen Marken erfolgreich einführt, ausrichtet und pflegt. Wissen, das dringend nötig war. Wenige Jahre nach seinem Abschluss geriet der Familienkonzern in die Krise. Unter Führung eines externen Managers brach der Umsatz ein, die Firma rutschte in die Verlustzone und der Aktienkurs in den Keller. Firmengründer Dirk Ahlers und sein Sohn Felix mussten verloren gegangenes Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. Ein Job für den Filius. Jeder Fernsehzuschauer kennt „Peter von Frosta“. Der geschasste Firmenchef hatte den Fehler begangen, Peter abzuschaffen. Felix Ahlers holte Peter Ende 2004 auf den Bildschirm zurück: „An der Kellogg School habe ich gelernt, dass man die Bekanntheit einer Marke ausnutzen muss, das gehört zum Bereich langfristige Markenführung dazu.“ Die neue Strategie ging auf. Frosta ist wieder auf Erfolgsspur.













