_

Schwerpunkt: MBA-Rankings - was dahinter steckt

von Bettina Blaß

Einmal im Jahr veröffentlichen überregionale Medien ihre MBA-Rankings. Eine gute Orientierung, bei richtiger Lesart.

Der Betreff der E-Mail macht Torsten Wulf nervös. „Global MBA 2007“ heißt es nüchtern. „Beim Öffnen der Mail ist es ein wenig wie früher, wenn man die Noten einer wichtigen Prüfung erfahren hat“, sagt Wulf, der ab September die MBA-Programme der Handelshochschule Leipzig (HHL) leitet. „Das Herz schlägt schnell und laut.“ Inhalt der Mail: die Position der Business Schools beim MBA-Ranking der kritischen Financial Times (FT). Die Nervosität hat handfeste wirtschaftliche Gründe. Drei Tage später tauchen die Ergebnisse offiziell in den lachsfarbenen Ausgaben der FT auf. Das eigene Abschneiden entscheidet mit über die Zukunft der Schule. Ist das Resultat zufriedenstellend, bemühen die Schuldirektoren ihre Presseabteilungen. Ist es negativ, wird vornehm geschwiegen. So ist das immer, wenn die Rankings veröffentlicht werden. Ziel der HHL: endlich zu den Besten gehören. Es steht viel auf dem Spiel. Eine gute Platzierung in einem der bekannten Rankings ist das beste Marketinginstrument überhaupt. Neben der FT küren auch angesehene Wirtschaftsmagazine wie Business Week und The Economist die angeblich besten MBA-Schulen. Seit einigen Jahren ist auch der britische Informationsdienstleister QS relevant. Jeder verspricht die vernünftigste Methodik, die objektivsten Kriterien und größte Datenbasis. Für Studenten sind die Ranglisten eine wertvolle Orientierungshilfe. Schulverantwortliche sehen sie allerdings mit gemischten Gefühlen. Sie tun zwar alles, um möglichst weit oben gelistet zu werden. So sind ganze Abteilungen damit beschäftigt, Informationen zu sammeln und Fragebögen auszufüllen. Hinzu kommt: „Die Rankings werden dauernd aktualisiert“, sagt Bernadette Conraths, Leiterin Executive Education an der WHU — Otto Beisheim School of Management. Produktiv ist das nicht. Eher lästige Pflicht. „Man muss immer ein Auge auf das Ranking haben“, so Conraths. „Die treiben die Business Schools regelrecht vor sich her.“ Das Gute für die Studenten: Die Bewertungslisten geben Hinweise auf die Qualität der Schulen. Denn dort wird nur aufgeführt, wer zuvor eine Akkreditierung wie AACSB oder Equis bekommen hat. Die Qualitätssiegel unterstreichen die Professionalität des Managements und garantieren Mindeststandards in der Lehre. Außerdem werden für die Ranglisten die wichtigsten Karrierekriterien abgeklopft. Dazu gehören etwa hohe Praxisorientierung und Anzahl ausländischer Studenten und Dozenten. Internationalität ist etwa für diejenigen wichtig, die später für ein global tätiges Unternehmen oder im » Ausland arbeiten wollen, denn so wird ihre interkulturelle Kompetenz geschult. Doch hier enden die Gemeinsamkeiten. Im Detail unterschieden sich die Rankings, etwa bei den Umfrageteilnehmern. So befragt die FT sowohl Business Schools als auch Studenten und Arbeitgeber. Die Business Week wiederum kontaktiert neben Studenten auch Personalvermittler. Hinzu kommen Unterschiede bei Einzelkriterien und Gewichtung. Der Economist etwa setzt einen Bewertungsschwerpunkt beim Karriereservice der Schulen. Die FT verteilt Punkte für die Auslandserfahrung der Studenten. Eine Besonderheit der Business Week: Zehn Prozent der Gesamtnote ergeben sich aus der Anzahl der Fachartikel der Professoren, die diese in amerikanischen Fachmagazinen veröffentlicht haben. Dadurch ist das Ranking der Business Week sehr US-lastig. Größtes Manko: Einige Kriterien sind äußerst schwammig. Die Magazine bewerten zum Beispiel, wie sich die Gehälter nach dem Abschluss an einer Schule entwickeln, wie viele Absolventen nach drei Monaten einen Job gefunden haben und wie gut das Alumni-Netzwerk funktioniert. Dabei sind diese Daten oft gar nicht valide, weil sie auf Eigenangaben der Schulen beruhen. Und falls doch Absolventen befragt werden, bleibt stets unklar, ob auch alle an den Umfragen teilgenommen haben. Außerdem vergleichen die Rankings oft Äpfel mit Birnen. Bei der Frage nach dem prozentualen Gehaltssprung beispielsweise profitieren Schulen mit eher jungen Absolventen deutlich mehr als Schulen, die Studenten mit Berufserfahrung aufnehmen. Ein wirklich aussagekräftiger Vergleich müsste unterschiedliche Niveaus berücksichtigen. Das Gehalt gewichtet das FT-Ranking etwa mit 20 Prozent sehr hoch.

Anzeige
weitere Fotostrecken

Blogs

Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"
Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"

Teil 8 – Die silberne Geldklammer. Geld regiert die Welt, das war so und das bleibt so. Nur das Geld verändert seine...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.