Stellenanzeigen: Personaler lehnen Transparenz der Gehälter ab

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Stellenanzeigen: Personaler lehnen Transparenz der Gehälter ab

von Kerstin Dämon

In Deutschland ist das Thema Gehalt tabu: Bewerber erfahren nicht, was ihre Arbeit wert ist. Wir haben nachgefragt, warum das so ist. Die Antwort: Wären Unternehmen ehrlich, würde sich niemand bei ihnen bewerben.

Das Gehalt ist der Deutschen liebstes Streit- und Neidthema, nicht nur wenn es um exorbitante Managerboni geht. Das beginnt schon beim Berufseinstieg. Während Fluglotsen nach ihrer Ausbildung über 60.000 Euro im Jahr verdienen, bekommen Friseure, Kosmetiker und Kellner dagegen kaum mehr als der gesetzliche Mindestlohn vorsieht, wie eine Analyse der Vergleichsplattform Gehalt.de zeigt.

Wer mit seinen Bezügen unzufrieden ist, sollte zunächst mit seinem Vorgesetzten sprechen. Wenn der aber partout das Gehalt nicht erhöhen möchte, gibt es nur zwei Möglichkeiten: hinnehmen oder gehen. Letzteres hat in der Regel tatsächlich positive Auswirkungen auf das Einkommen. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Online-Stellenbörse Jobware bekommen gut 56 Prozent der Jobwechsler bei ihrem neuen Arbeitgeber mehr Geld als im alten Job. Zehn bis 15 Prozent mehr sind bei einem Wechsel durchaus möglich.

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Aber: Bevor Wechselwillige den Job mit der Gehaltserhöhung gefunden haben, müssen sie in der Regel einige Vorstellungsgespräche absolvieren. Denn in Deutschland ist es - anders als im angelsächsischen Raum - nicht üblich, das Gehalt in der Stellenanzeige anzugeben. In Schweden sind sogar die Steuerbescheide eines jeden Bürgers - Königin inklusive - einsehbar, in Österreich müssen Betriebe ab 150 Beschäftigte ihre Gehaltsstruktur offen legen. Hierzulande gilt: Über Geld spricht man nicht.

Wer sich bewirbt, weiß also nicht, wie viel ein Unternehmen zu zahlen bereit ist, bis er im Vorstellungsgespräch die entscheidende Fragen stellt oder gestellt bekommt. Das kann frustrieren. "Selbst auf Nachfrage erhält man keine Auskunft aus der Personalabteilung. Diese Unsitte bringt den Bewerber a) in eine sehr schlechte Verhandlungsposition und b) könnte man sich viele Stunden und Bewerbungen sparen, wenn man von vorne herein weiß, dass man ohnehin zu teuer für das Unternehmen ist", schreibt ein genervter Wiwo-Leser bei Facebook.

Branchenindex 2016: Diese Branchen zahlen am besten

  • Zur Studie

    Für die Studie wurden die Daten von Arbeitnehmern aus 17 Berufen ausgewertet, die in allen 60 untersuchten Branchen vorkommen, vom Controller bis zum Sekretär. Über alle verglichenen Berufe hinweg wurde ein Mittelwert für das Gehalt errechnet (gleichbedeutend mit 100%) und dem Gehaltsniveau der jeweiligen Branche gegenübergestellt. Ein Branchenfaktor von 120% bedeutet also, dass das Gehalt von Angestellten des entsprechenden Wirtschaftszweigs 20 Prozentpunkte über dem Mittelwert liegt. Ein Branchenfaktor von 80% hingegen, dass der Mittelwert für das Gehalt um 20 Prozentpunkte unterschritten wird.

    Quelle: Branchenindex 2016, Compensation Partner

  • Call Center

    Call Center schneiden im Branchenvergleich am schlechtesten ab. Mitarbeiter bekommen dort in der Regel 34% weniger Lohn für die gleiche Arbeit als in anderen Branchen. Controller aus dieser Branche erhalten durchschnittlich ein Bruttojahresgehalt von 36.361 Euro und verdienen damit nur etwas mehr als halb so viel wie Controller der Pharmabranche.

    Branchenfaktor: 66%

  • Zeitarbeit

    Mitarbeiter in der Zeitarbeitsbranche verdienen 23% weniger als der Durchschnitt. Ein Controller verdient hier lediglich 78.471 Euro Brutto pro Jahr (Median über alle Branchen hinweg: 55.093 Euro). Auch IT-Leiter und Sekretäre schneiden mit 78.471 bzw. 25.997 Euro schlecht ab (Median: 101.911 Euro bzw. 33.763 Euro).

    Branchenfaktor: 77%

  • Hotel und Gaststätten

    Angestellte der Hotel- und Gaststättenbranche verdienen gut 22% weniger als der Durchschnitt. Das Gehalt eines IT-Leiters liegt beispielsweise bei 79.490 Euro Brutto. Eine Differenz von rund 22.400 Euro zum Median von 101.911 Euro.

    Branchenfaktor: 78%

  • Soziale Einrichtungen

    Das Gehalt von Angestellten sozialer Einrichtungen liegt 19% unter dem Branchendurchschnitt. Ein IT-Leiter verdient hier nicht mehr als 82.547 Euro, in der Pharmabranche sind für ihn hingegen 122.293 Euro drin.

    Branchenfaktor: 81%

  • Sonstige Dienstleistungen

    Auch der Sektor 'sonstige Dienstleistungen' zahlt mit einem Branchenfaktor von 84% unterdurchschnittlich schlecht. Mitarbeiter bekommen hier also in der Regel 16% weniger Lohn für die gleiche Arbeit als in anderen Branchen. So beispielsweise verdienen Controller mit 46.278 Euro in dieser Branche 8.815 Euro weniger als der Durchschnitt.

    Branchenfaktor: 84%

  • Krankenhäuser

    Auch Krankenhäuser schneiden insgesamt eher schlecht ab. Für die gleiche Arbeit gibt es hier 16% weniger Gehalt.

    Branchenfaktor: 84%

  • Einzelhandel

    Über alle Branchen hinweg ist der Verdienst in der Einzelhandelsbranche um 15% geringer als der Durchschnitt.

    Branchenfaktor: 85%

  • Handwerk

    In der Handwerksbranche verdienen Mitarbeiter 15% weniger als der Median über alle Branchen hinweg.

    Branchenfaktor: 85%

  • Öffentliche Verwaltung, Behörden

    Auch in öffentlichen Verwaltungen und Behörden liegt der Verdienst unterhalb des Durchschnitts über alle Branchen. Mitarbeiter gehen hier mit 14% weniger Gehalt nach Hause.

    Branchenfaktor: 86%

  • Autohäuser

    In der Autohausbranche liegt der Verdienst um 14% unterhalb des Branchendurchschnitts.

    Branchenfaktor: 86%

  • Gesundheitswesen

    Im Gesundheitswesen ist mit einem Abschlag von rund 13% für dieselbe Arbeit zu rechnen.

    Branchenfaktor: 87%

  • Touristik, Freizeit

    In der Tourismusbranche beträgt der Verdienst 13% weniger als das Branchenmittel.

    Branchenfaktor: 87%

  • Bildungsinstitutionen

    Mitarbeiter aus Bildungsinstitutionen verdienen rund 13% weniger als der Median.

    Branchenfaktor: 87%

  • Logistik, Transport, Verkehr

    Im Bereich Logistik, Transport und Verkehr gehen die Mitarbeiter mit 12 % weniger Lohn als der Durchschnitt über alle Branchen nach Hause.

    Branchenfaktor: 88%

  • Kultur

    Der Verdienst in der Kulturbranche weicht, gemessen am Durchschnitt über alle Branchen, um 12% nach unten ab.

    Branchenfaktor: 88%

  • Versandhandel, Internet

    Im Versandhandel und Internet bringen die Mitarbeiter 12% weniger als der Median mit nach Hause.

    Branchenfaktor: 88%

  • Personalberatung

    Mitarbeiter von Personalberatungen erhalten 7% weniger Lohn als der Median.

    Branchenfaktor: 93%

  • Rechtsberatung

    In der Rechtsberatung verdienen Mitarbeiter 7% weniger als der Durchschnitt über alle Branchen.

    Branchenfaktor: 93%

  • Großhandel

    Der Verdienst von Mitarbeitern der Großhandelsbranche liegt 5% unter dem Mittel.

    Branchenfaktor: 95%

  • Möbel, Holz

    Mitarbeiter die dem Bereich 'Möbel und Holz' zugeordnet werden können, bringen 4% weniger als der Median nach Hause.

    Branchenfaktor: 96%

  • Forschungsinstitute

    Forschungsinstitute bezahlen ihren Angestellten rund 3% weniger als der Mittelwert über alle Branchen.

    Branchenfaktor: 97%

  • Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung

    Steuerberater und Wirtschaftsprüfer verdienen rund 3% weniger als der Durchschnitt über alle Branchen.

    Branchenfaktor: 97%

  • Bau

    In der Baubranche verdienen Mitarbeiter 3% weniger als der Median über alle Branchen.

    Branchenfaktor: 97%

  • Ingenieurbüro

    Der Verdienst von Mitarbeitern in Ingenieurbüros liegt rund 2% unterhalb des Mittels über alle Branchen.

    Branchenfaktor: 98%

  • Werbung und PR

    Am Durchschnitt über alle Branchen gemessen, weicht die Werbe- und PR-Branche lediglich 2% nach unten ab.

    Branchenfaktor: 98%

  • Verbände

    Die Verbände treffen den Mittelwert mit 99% recht genau.

    Branchenfaktor: 99%

  • Lebensmittel, Nahrung, Genuss

    Die Lebensmittelbranche trifft das durchschnittliche Gehaltsniveau ziemlich genau: Ein Mitarbeiter des Sektors 'Lebensmittel, Nahrung, Genuss' verdient etwa 2% mehr als der Durchschnitt des jeweiligen Berufs.

    Branchenfaktor: 102%

  • Bekleidung, Textil

    Der Geschäftszweig Bekleidung/ Textil weicht mit 2% ebenfalls leicht positiv vom durchschnittlichen Gehaltsniveau ab.

    Branchenfaktor: 102%

  • Schifffahrt

    In der Schifffahrtsbranche liegt das durchschnittliche Gehalt mit 2% knapp über dem Mittel.

    Branchenfaktor: 102%

  • Immobilien

    In der Immobilienbranche verdienen Angestellte etwas mehr als der Branchendurchschnitt.

    Branchenfaktor: 102%

  • Sonstige Industrie

    Im Sektor 'sonstige Industrie' liegt das Gehalt, über alle verglichenen Berufe hinweg, 4% über dem Durchschnitt.

    Branchenfaktor: 104%

  • Medien, Presse

    Über dem Branchendurchschnitt liegt auch die Medien- und Pressebranche: Für die gleiche Arbeit gibt es hier 4% mehr Gehalt.

    Branchenfaktor: 104%

  • Kunststoff, Gummi, Glas, Keramik

    Angestellte der Branchen Kunststoff/ Gummi/ Glas/ Keramik erhalten immerhin noch 4% mehr Gehalt als der Durchschnitt der Kollegen anderer Branchen.

    Branchenfaktor: 104%

  • Messebetreiber

    Messebetreiber bezahlen ihre Angestellten rund 5% über dem mittleren Gehaltsniveau.

    Branchenfaktor: 105%

  • Luftfahrt

    Für die gleiche Arbeit gibt es in der Luftfahrtbranche 5% mehr Gehalt als im Branchendurchschnitt.

    Branchenfaktor: 105%

  • Versicherungen

    Auch Versicherungen bezahlen ihre Angestellten überdurchschnittlich gut: Das Gehalt liegt etwa 6% über dem Durchschnitt.

    Branchenfaktor: 106%

  • Metall

    Über alle Branchen hinweg übersteigt der Verdienst in der Metallbranche das mittlere Gehalt um 6%.

    Branchenfaktor: 106%

  • Telekommunikation

    Die Gehälter von Arbeitnehmern der Telekommunikationsbranche sind mit einem Branchenfaktor von 106% immer noch überdurchschnittlich gut.

    Branchenfaktor: 106%

  • IT-Systemhäuser

    Mitarbeiter von IT-Systemhäusern bekommen in der Regel 7% mehr Lohn als in anderen Branchen.

    Branchenfaktor: 107%

  • Fahrzeugbau

    Auch der Fahrzeugbau schneidet insgesamt gut ab. Für die gleiche Arbeit gibt es hier 9% mehr Gehalt.

    Branchenfaktor: 109%

  • Druck und Papier, Verpackung

    In der Druck- und Papierbranche gehen die Mitarbeiter mit 7% mehr nach Hause als der Durchschnitt.

    Branchenfaktor: 107%

  • Kosmetik

    Auch in der Kosmetikbranche verdienen Angestellte rund 10% mehr Gehalt als im Mittel des jeweiligen Berufs.

    Branchenfaktor: 110%

  • Energie, Wasser, Umwelt, Entsorgung

    Im Sektor Energie, Wasser, Umwelt, Entsorgung liegt das durchschnittliche Gehaltsniveau 10% über dem Mittel.

    Branchenfaktor: 110%

  • Biotechnologie

    Für die gleiche Arbeit gibt es in der Biotechnologiebranche 10% mehr Gehalt als im Mittel des jeweiligen Berufs.

    Branchenfaktor: 110%

  • Sonstige Informationstechnologie

    Auch in der Informationstechnologiebranche verdienen Angestellte rund 11% mehr als der Durchschnitt.

    Branchenfaktor: 111%

  • Konsum- und Gebrauchsgüter

    In der Konsum- und Gebrauchsgüterbranche liegen die Gehälter etwa 11% über dem Durchschnitt.

    Branchenfaktor: 111%

  • Computer (Herstellung Hardware)

    Mitarbeiter der Computerbranche bekommen rund 12% mehr Lohn als der Branchendurchschnitt.

    Branchenfaktor: 112%

  • Finanzdienstleitung

    In der Finanzdienstleisterbranche liegen die Gehälter rund 13% über dem Mittelwert.

    Branchenfaktor: 113%

  • Autoindustrie

    Den gleichen Wert wie die Finanzdienstleisterbranche erzielt die Autoindustrie. Auch hier verdienen Angestellte 13% mehr als der Branchendurchschnitt.

    Branchenfaktor: 113%

  • Feinmechanik, Optik

    Genau wie in der Autoindustrie oder bei Finanzdienstleistern, sind in der Feinmechanik-/Optikbranche rund 13% mehr Gehalt für dieselbe Arbeit drin.

    Branchenfaktor: 113%

  • Unternehmensberatung

    In der Unternehmensberaterbranche liegt das Gehalt, über alle verglichenen Berufe hinweg, 14% über dem Durchschnitt.

    Branchenfaktor: 114%

  • Elektrotechnik

    Die Elektrotechnikbranche landet mit 17% über dem mittleren Gehaltsniveau auf dem vierten Platz.

    Branchenfaktor: 117%

  • Medizintechnik

    Mit 17% über dem mittleren Gehaltsniveau landet der Sektor Medizintechnik auf dem vierten Platz.

    Branchenfaktor: 117%

  • Software

    Auf dem dritten Rang landen die Branchen Anlagenbau, Banken, Maschinenbau und Software. Für die gleiche Arbeit gibt es hier 18 Prozent mehr Gehalt als im Mittel des jeweiligen Berufs. Ein IT-Leiter beispielsweise verdient hier 120.254 Euro - rund 18.000 Euro mehr als der Branchendurchschnitt.

    Branchenfaktor: 118%

  • Maschinenbau

    Auf dem dritten Rang landen die Branchen Anlagenbau, Banken, Maschinenbau und Software. Für die gleiche Arbeit gibt es hier 18 Prozent mehr Gehalt als im Mittel des jeweiligen Berufs. Ein IT-Leiter beispielsweise verdient hier 120.254 Euro - rund 18.000 Euro mehr als der Branchendurchschnitt.

    Branchenfaktor: 118%

  • Banken

    Auf dem dritten Rang landen die Branchen Anlagenbau, Banken, Maschinenbau und Software. Für die gleiche Arbeit gibt es hier 18 Prozent mehr Gehalt als im Mittel des jeweiligen Berufs. Ein IT-Leiter beispielsweise verdient hier 120.254 Euro - rund 18.000 Euro mehr als der Branchendurchschnitt.

    Branchenfaktor: 118%

  • Anlagenbau

    Auf dem dritten Rang landen die Branchen Anlagenbau, Banken, Maschinenbau und Software. Für die gleiche Arbeit gibt es hier 18 Prozent mehr Gehalt als im Mittel des jeweiligen Berufs. Ein IT-Leiter beispielsweise verdient hier 120.254 Euro - rund 18.000 Euro mehr als der Branchendurchschnitt.

    Branchenfaktor: 118%

  • Halbleiter

    Mit einem Plus von 19% über dem Branchendurchschnitt teilen sich die Chemie-/Verfahrenstechnik- und die Halbleiterbranche den zweiten Rang. Ein Controller verdient hier rund 65.560 Euro, IT-Leiter oder Sekretäre gehen mit rund 121.274 Euro bzw. 40.177 Euro nach Hause.

    Branchenfaktor: 119%

  • Chemie, Verfahrenstechnik

    Mit einem Plus von 19 Prozent über dem Branchendurchschnitt teilen sich die Chemie-/Verfahrenstechnik- und die Halbleiterbranche den zweiten Rang. Ein Controller verdient hier rund 65.560 Euro, IT-Leiter oder Sekretäre gehen mit rund 121.274 Euro bzw. 40.177 Euro nach Hause.

    Branchenfaktor: 119%

  • Pharma

    Insgesamt zahlt die Pharmabranche überdurchschnittlich gut. Mitarbeiter bekommen dort in der Regel 20 Prozent mehr Lohn für die gleiche Arbeit als in anderen Branchen. So beispielsweise verdienen Controller mit 66.111 Euro in dieser Branche am besten. Zum Vergleich: In der Callcenter-Branche gehen sie mit etwa der Hälfte (durchschnittlich 36.361 Euro brutto im Jahr) nach Hause. Auch für IT-Leiter und Sekretäre schneidet die Pharmabranche am besten ab.

    Branchenfaktor: 120%

Dass der Wahnsinn Methode hat, belegt eine Online-Umfrage, die das Beratungsunternehmen Kloepfel Recruiting für WirtschaftsWoche Online gemacht hat. Dafür wurden bei Xing, LinkedIn und über ein eigenes Panel sowohl Personalverantwortliche und Geschäftsführer, als auch Bewerber befragt, wie sie zur Gehaltstransparenz stehen. Mit rund 200 Teilnehmern ist die Umfrage zwar nicht repräsentativ, macht aber dennoch einiges deutlich. Auf die Frage, ob schon in der Stellenanzeige das Gehalt angegeben werden sollte, antworteten 74 Prozent der Personaler mit Nein. "Dies zeigt sich Branchenübergreifend. Die Personaler finden es im allgemeinen nicht gut, Gehälter offen zu gestalten", sagt Philipp Heymann, Geschäftsführer von Kloepfel Recruiting.

Bewerber wollen Transparenz

Dagegen wünschen sich 75 Prozent der Bewerber eine Gehaltsangabe in der Stellenanzeige. Der Mehrheit (88 Prozent) würde schon eine grobe Spanne genügen - Hauptsache, sie kennen den Verhandlungsspielraum. Nur zwölf Prozent wollen es ganz genau wissen.

"Das Ergebnis klingt für mich durchaus realistisch", sagt Thomas Haussmann, Vergütungsexperte bei der Unternehmensberatung Korn Ferry Hay Group. "Es ist gut nachvollziehbar, dass Bewerber möglichst viele Informationen über eine potenzielle Stelle haben wollen, und da ist natürlich die Information über das zu erwartende Gehalt eine ganz besonders wertvolle. Umgekehrt ist es klar, dass sich die Personaler nicht gerne in die Karten schauen lassen und es deshalb mehrheitlich ablehnen, das Gehalt schon in der Stellenanzeige transparent zu machen."


Unternehmen wollen keine zu teuren Kräfte

Von der Transparenz versprechen sich die meisten Befragten einen ähnlichen Nutzen, wie der eingangs zitierte WiWo-Leser: 89 Prozent sagen, dass sie dadurch von vornerein wissen wollen, ob die Vergütung ihren Erwartungen entspricht. 71 Prozent gaben an, dass es so einfacher wäre, Jobangebote miteinander zu vergleichen - und zwar schon vor dem Vorstellungsgespräch. Das würde Zeit, Geld und Nerven sparen - und zwar für beide Seiten. Außerdem gehen mehr als 40 Prozent davon aus, dass durch eine solche Transparenz auch die Zufriedenheit im Unternehmen höher wäre.

Dass letzteres tatsächlich stimmt, ist aus Sicht verschiedener Ökonomen allerdings fraglich. Dirk Sliwka, Axel Ockenfels und Peter Werner von der Universität zu Köln haben sich mit dem Thema Gehaltstransparenz beschäftigt. Sie haben herausgefunden, dass bei Offenlegung der Gehälter in einem Unternehmen zwei Reaktionen auftreten: diejenigen, die durchschnittlich oder überdurchschnittlich verdienen sind plötzlich zufriedener und diejenigen, die weniger verdienen als ihre Kollegen, sind unzufriedener.

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Piktogramme verschiedener Berufsbranchen

"Insgesamt ist also zu erwarten, dass die Arbeitszufriedenheit durch eine Offenlegung der Gehälter im Mittel sinkt", so Sliwka in einem Beitrag zum Thema.

Die befragten Personalverantwortlichen lehnen die Transparenz allerdings aus anderen Gründen ab:

  • 70 Prozent fürchten, dass Mitarbeiter, die schon im Unternehmen sind, neidisch werden könnten, wenn sie sehen, was Neue bekommen sollen.
  • 46 Prozent befürchten genau die von den Bewerbern verlangte Vergleichbarkeit: Der "War of Talent" würde verschärft, da die Löhne aufgrund der Vergleichbarkeit steigen müsste, sagen sie.
  • 42 Prozent gaben an, dass diese Art der Transparenz den Wettbewerb nur unnötig schlau machen würde.
  • 38 Prozent haben Angst, dass es für ihr Unternehmen schwieriger würde, gute Leute anzulocken, wenn sie die Löhne nicht im Zuge der Transparenz erhöhten.
  • 12 Prozent gehen davon aus, dass sich weniger Menschen bei ihnen bewerben würden.

Zusammengefasst kann man also sagen: Die Bewerber wollen Transparenz, um das beste Jobangebot für sich zu finden und die Personalverantwortlichen sagen: Wenn die Kandidaten von vorneherein wissen, was sie bei uns für ihre Arbeit bekommen, bewirbt sich niemand mehr bei uns.

Was übrigens für alle Hierarchiestufen gilt, wie Heymann von Kloepfel Recruiting sagt. "Viele Führungskräfte würden noch unter dem angegebenen Gehalt einsteigen und sehen somit eine Chance, höher einsteigen zu können. Als Personalverantwortlicher möchte man dementsprechend keine zu teuren Führungskräfte einkaufen." Geheimhaltung als Geschäftsmodell, könnte man sagen.

Das Entgeltgleichheitsgesetz hilft wenig

Die Ablehnung der Personaler habe allerdings auch triftige Gründe, wie Haussmann von Korn Ferry Hay Group sagt. Denn was allenfalls angegeben werden könnte, wäre das Minimumgehalt, das es für diese Position gäbe. "Denn neue Mitarbeiter werden üblicherweise eher am unteren Ende der Gehaltsbandbreite für eine Stelle eingestellt; man zahlt Ihnen nur dann mehr, wenn man der konkreten Person tatsächlich auch mehr zutraut", so Haussmann. Das könne man so natürlich nicht in die Stellenanzeige schreiben. Schließlich richtet sich die Anzeige nicht nur an potenzielle Top-Performer, sondern an alle potenziellen Mitarbeiter. Haussmann: "Auch die Verpflichtung, eine Gehaltsbandbreite anzugeben, wäre nur bedingt hilfreich, denn auch die könnte allenfalls etwa die untere Hälfte der tatsächlichen Bandbreite abdecken – aus denselben Gründen."


Trotzdem: An der unternehmerischen Geheimniskrämerei stören sich mittlerweile nicht mehr nur die Bewerber, auch die Politik hat die Nase voll - allerdings aus anderen Gründen. So fordert Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) die Gehaltstransparenz, weil sie möchte, dass Frauen wissen, was die männlichen Kollegen am Schreibtisch nebenan verdienen, damit sie in Gehaltsverhandlungen selbstbewusster auftreten - und letztlich genauso viel verdienen werden wie Männer.

Die wichtigsten Tipps für Gehaltsverhandlungen

  • Der richtige Zeitpunkt

    Überraschen Sie Ihren Vorgesetzten nicht mit einer Gehaltsforderung. Vereinbaren Sie ein Gespräch und machen Sie deutlich, dass Sie über eine Gehaltserhöhung sprechen möchten. Der beste Zeitpunkt für eine Gehaltsverhandlung bietet sich vor allem dann an, wenn Sie ein Projekt erfolgreich abgeschlossen, einen Neukunden gewonnen haben oder die Personalbudgets erhöht wurden.

  • Vorbereitung

    Sammeln Sie im Vorfeld schlagkräftige Argumente für die Gehaltsverhandlung. Welche Erfolge haben Sie seit Ihrer letzten Gehaltserhöhung erzielt? Hat sich Ihr Aufgabenbereich verändert? Haben Sie Teamverantwortung oder Aufgaben, die nicht direkt zu Ihrem Verantwortungsbereich gehören, übernommen? Ihre Argumente müssen Ihre Forderung stützen, wenn Sie wollen, dass sie erfüllt wird.

  • Vergütung

    Informieren Sie sich über marktübliche Gehälter von Fachkräften mit ähnlicher Qualifikation und Berufserfahrung. Die Robert Half Gehaltsübersicht bietet beispielsweise die Gehaltsspannen für über 100 Berufe im Finanz- und Rechnungswesen, IT- und kaufmännischen Bereich.

  • Alternativen zur Gehaltserhöhung

    Ist aktuell keine monetäre Gehaltserhöhung möglich, sollten Sie nach Zusatzleistungen oder anderen Verbesserungen, wie Zuschüsse zur Weiterbildung, mehr Urlaub oder flexible Arbeitszeiten, fragen. Zeigen Sie Ihrem Arbeitgeber, dass Sie eine Lösung finden möchten, die für beide Seiten akzeptabel ist.

  • Haltung bewahren

    Wichtig ist, bleiben Sie während des gesamten Gesprächs freundlich und professionell. Dies gilt insbesondere dann, wenn aus bestimmten Gründen derzeit keine Gehaltserhöhungen möglich ist. Fragen Sie, wann der richtige Zeitpunkt ist, das Thema erneut anzusprechen. Und in der Zwischenzeit sollten Sie weiter daran arbeiten, Ihre Performance zu verbessern und Ideen einzubringen, die das Unternehmen voranbringen.

Deshalb treibt Schwesig das in der Wirtschaft reichlich umstrittene Entgeltgleichheitsgesetz voran. Auch Haussmann hält von Schwesigs Plänen nicht viel. Er sagt: "Frau Schwesigs Entgeltgleichheitsgesetz wird schon deshalb nichts ändern, weil – nach allem, was man darüber weiß – die Angabe eines Minimumgehalts in Stellenausschreibungen dort gar nicht vorgesehen ist. Im Entgeltgleichheitsgesetz geht es um die Nachweispflicht der Unternehmen, dass bei den vorhandenen Mitarbeitern auf vergleichbaren Positionen Männer und Frauen nicht ungleich vergütet werden."

So hoch ist das Gehaltsniveau in Deutschland

  • Gehaltsatlas 2015

    Das Vergleichsportal Gehalt.de hat die Gehälter von 448.997 Arbeitsverhältnissen analysiert und dabei nach Bundesland, Hauptstadt, Region, Geschlecht, Firmengröße, Wirtschaftssektor, Führungsverantwortung und Berufseinstiegsgehalt differenziert. Quelle: Gehaltsatlas http://www.gehalt.de/downloads/presse/gehaltsatlas-2015-Gehalt-de.pdf

  • Im Süden gibt es die höchsten Gehälter

    In München werden die höchsten Löhne gezahlt: Das Lohnniveau in der bayerischen Landeshauptstadt liegt 20,4 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Auch in Stuttgart (+19 Prozent) und Düsseldorf (+14 Prozent) sind die Gehälter überdurchschnittlich. Und das gehaltsstärkste Bundesland ist Baden-Württemberg. „Im Süden und im Westen werden zwar sehr gute Löhne gezahlt, allerdings sind hier die Lebenshaltungskosten entsprechend hoch. Arbeitnehmer, die ihren Job wechseln möchten, sollten diesen Aspekt stets vor Augen haben und gut kalkulieren“, sagt Artur Jagiello von Gehalt.de.

  • Große Gehaltsunterschiede zwischen Ost und West

    Noch immer herrschen große Unterschieden zwischen Ost und West. Die Gehaltsspanne zwischen dem vergütungsschwächsten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und Baden Württemberg mit dem höchsten Lohnniveau in Deutschland liegt bei 33 Prozent. Laut Untersuchung von Gehalt.de befinden sich alle neuen Bundesländer auf einem unterdurchschnittlichen Vergütungsniveau.

  • Ostdeutsche Landeshauptstädte

    Im Vergleich der Landeshauptstädte belegen entsprechend Erfurt (-20 Prozent), Magdeburg (-23 Prozent) und Schwerin (-26 Prozent) die letzten Plätze.  Die Gehaltslücke zwischen München und Erfurt liegt demnach bei 46 Prozent.  

  • Beste Regionen

    Bei der Betrachtung der regionalen Unterschiede nach ihren Postleitzahlen befinden sich die Gebiete mit den Anfangsziffern 0 und 1 auf den hinteren Rängen. Diese decken zum größten Teil die neuen Bundesländer ab. Dahinter folgen die Regionen mit der Postleitzahl 9 am Anfang. Hierzu gehören auch Teile des gehaltsstarken Bayerns sowie strukturschwächere Gebiete in Thüringen. Die besten Gehälter werden in Regionen mit den Anfangsziffern 8, 6, 7, 4 und 5 gezahlt.

  • Stadtstaaten

    Stadtstaaten wie Hamburg oder Berlin sind zwar beliebt, die Löhne jedoch geringer. In Berlin zahlen Arbeitgeber rund sieben Prozent weniger als im Bundesdurchschnitt. „Durch die Beliebtheit von Großstädten müssen die dort ansässigen Unternehmen nicht ganz so stark mit dem Gehalt locken, wie es im ländlichen Bereich der Fall ist“, erklärt Jagiello.

  • Gehälter für akademische Berufseinsteiger

    Die höchsten Gehälter können Akademiker in den südlichen Bundesländern erwarten. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt verdienen Uniabsolventen in Baden-Württemberg mit einem Plus 7,5 Prozent mehr Lohn am besten. Die hinteren Ränge belegen auch bei dieser Vergleichsgruppe die neuen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

  • Gender-Pay-Gap

    Nach wie vor verdienen Frauen weniger als Männer. Je nach Bundesland ergeben sich laut Studie unterschiedliche Entgeltlücken – die größte in Baden-Württemberg. Hier bekommen Arbeitnehmerinnen 37 Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Allerdings werden hier die höchsten Löhne gezahlt. Einzig in Hessen (93,3 Prozent) und Hamburg (89,4 Prozent) verdienen Frauen im Schnitt besser als in Baden-Württemberg (87,1 Prozent). Mit rund 17 Prozent ist die Lücke in Mecklenburg-Vorpommern am kleinsten. Hier werden jedoch auch die geringsten Gehälter gezahlt.

So sieht der Gesetzesentwurf beispielsweise vor, dass Arbeitnehmer einen Auskunftsanspruch haben, was vergleichbare Kollegen verdienen. Wenn Frau Schmid dann feststellt, dass sie jahrelang weniger verdient hat, als Herr Müller, der die gleiche Arbeit macht, hat sie einen Nachzahlungsanspruch rückwirkend für die letzten drei Jahre. Außerdem sollen Geheimhaltungsklauseln, die das Gehalt betreffen, unwirksam werden.

Aber: "Es wird nicht möglich sein, das Gehalt des Kollegen einzeln zu erfragen, aber es wird möglich sein zu prüfen, ob die eigene Einstufung in einer vergleichbaren Gruppe erfolgt ist", erklärte Schwesig. Die Auskunft lautet also: "Mitarbeiter mit ähnlichen Kenntnissen, Berufserfahrung und Verantwortungsbereichen wie Herr Müller bekommen bei uns im Durchschnitt 3.600 Euro brutto pro Monat." Eventuelle Boni, der Dienstwagen, das Weihnachtsgeld und was sonst noch hinzu kommt, fällt unter den Mitarbeiterdatenschutz.

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