Studie: Abiturienten schätzen Berufsbildung zu wenig

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Studie: Abiturienten schätzen Berufsbildung zu wenig

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Ein Auszubildender im Ausbildungszentrum des Autoherstellers BMW in München.

von Kristin Schmidt

Wie das Image der dualen Ausbildung aufpoliert werden kann, zeigt eine neue Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung.

33.000 Lehrstellen blieben im vergangenen Herbst unbesetzt. Vor allem Gastronomie und Handwerksbetrieben fällt es schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden und an sich zu binden. Denn die Jugendlichen, die sich für eine Ausbildung interessieren, suchen häufig in Berufsfeldern, die überlaufen sind oder für die sie nicht die nötige Qualifikation mitbringen. Der demografische Wandel wird dieses Problem in den nächsten Jahren weiter verschärfen.

Vor allem Abiturienten können dem dualen Ausbildungssystem wenig abgewinnen, das ergab eine  Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) unter Mitgliedern von Kammern, Verbänden, Lehrern und anderen  Bildungsexperten. Ein Drittel der 420 Befragten ist der Überzeugung, dass Abiturienten ein negatives Bild von der dualen Berufsausbildung haben. 39 Prozent glauben sie seien positiv eingestellt. Der Rest (28 Prozent) hält die Abiturienten für unentschlossen, was ihre Bewertung des dualen Systems angeht. Immerhin hat sich im Jahr 2011 schon jeder fünfte Abiturient für eine Berufsausbildung und gegen ein Studium entschieden – Tendenz weiter steigend – aber das reicht nicht, um die leeren Lehrstellen zu füllen.

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Lehrlingsausbildung beim Pumpenhersteller KSB AG in Halle an der Saale Quelle: dpa

Laut BIBB-Studie können Imagekampagnen helfen, dieses Problem zu lösen. „Mit Ihnen kann es gelingen, zum einen leistungsstärkere Jugendliche von den Vorzügen einer dualen Ausbildung zu überzeugen. Zum anderen können sie  das Interesse Jugendlicher an Berufen wecken, die diese sonst eher nicht in Betracht gezogen hätten“, heißt es. Außerdem sind die Bildungsexperten davon überzeugt, dass ohne Imagekampagnen noch mehr Ausbildungsplätze unbesetzt blieben.

Doch solche Kampagnen bergen auch Risiken. Über die Hälfte der Experten gehen davon aus, dass die Ausbildungsbetriebe die geweckten Erwartungen nicht erfüllen können und die Bewerber somit enttäuschen.

Werbung für die duale Ausbildung oder die einzelnen Jobs sind nicht die einzigen Instrumente, die den Befragten hilfreich erscheinen, um Jugendliche für eine Berufsausbildung zu begeistern. Es sei vor allem wichtig, dass die Berufsorientierung an den Schulen weiter ausgebaut wird. Auch die Anhebung des Praxisanteils und die damit einhergehende Reduktion der Berufsschulstunden könnten die Attraktivität des dualen Systems fördern.

Wie die duale Ausbildung attraktiver werden könnte

  • Mehr Zusatzqualifikationen

    Fast 90 Prozent der Experten glauben, dass sich ein größeres Angebot an Zusatzqualifikationen während der Ausbildung positiv auswirkt.

  • Bessere Ausbilder

    Auch eine stärkere Professionalisierung des Ausbildungspersonals halten 84 Prozent der Befragten für hilfreich.

  • Mehr Geld

    83 Prozent glauben die jungen Schulabgänger mit höheren Gehältern in die Betriebe locken zu können.

  • Bessere Abstimmung

    Die Lehrpläne sollten zwischen Berufsschule und Unternehmen besser abgestimmt werden.

  • Persönliche Betreuung

    80 Prozent der Experten glauben, dass sich eine persönliche Begleitung der Jugendlichen etwa durch Mentoren positiv auf das Image der Berufsausbildung auswirken würde.

  • Mehr duale Studiengänge

    57 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass mehr duale Studiengänge hilfreich wären.

  • Auslandsaufenthalte

    Auch Auslandsaufenthalte während der Ausbildung könnten die Berufsausbildung attraktiver machen.

Während die Abiturienten anscheinend noch vom Wert der dualen Berufsausbildung überzeugt werden müssen, ist das Image des Systems bei der Kernzielgruppe, nämlich den Hauptschul- und Realschulabsolventen, überwiegend positiv. Etwa 90 Prozent der Experten glauben, dass die Jugendlichen mit diesen Bildungsabschlüssen die duale Berufsausbildung schätzen und sind dabei in guter Gesellschaft. So hat Barack Obama die Ausbildungsprogramme deutscher Firmen bereits zum Vorbild für die USA erklärt. Viele Länder stellen ihr Berufsausbildungssystem mittlerweile auf das deutsche duale System um - in Europa (zum Beispiel Spanien und Italien) und auf der Welt (zum Beispiel Indien, Rußland, China und zahlreiche Länder Lateinamerikas). 

 

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