Toter Praktikant in London : Tod von Moritz E. wirft weiter Fragen auf

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Toter Praktikant in London : Tod von Moritz E. wirft weiter Fragen auf

, aktualisiert 23. August 2013, 14:43 Uhr
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"Zauberkarussel": das ist nicht der Titel einer Kindersendung sondern steht für die bisweilen brutalen Arbeitszeiten im Londoner Investmentbanking.

von Yvonne Esterházy und Saskia Littmann

Für die besten Jobs bei den Londoner Investmentbanken sind junge Menschen bereit, ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Auch Moritz Erhardt arbeitete extrem viel, obwohl er offenbar gesundheitliche Probleme hatte.

Die genaueren Umstände, die zum Tod des jungen deutschen Praktikanten Moritz Erhardt führten, sind bisher unklar. Erst die Autopsie wird hoffentlich zu mehr Klarheit führen. Doch die Gerüchte, Moritz könne unter Epilepsie gelitten haben, scheinen nicht aus der Luft gegriffen zu sein. Ein Freund des 21-Jährigen hat das jedenfalls mittlerweile gegenüber WirtschaftsWoche Online bestätigt. "Er hatte bereits mehrere epileptische Anfälle, auch unter der Dusche, und war deshalb auch im Krankenhaus", sagte der Freund, der namentlich nicht genannt werden möchte. Moritz Erhardt war vor rund einer Woche leblos unter der Dusche seines Londoner Appartements gefunden worden, er hatte bei der Investmentbank Bank of America Merrill Lynch (BofA) ein Praktikum absolviert.

Ärzte bestätigen, dass Schlafmangel als einer der Risikofaktoren und somit als Auslöser für epileptische Anfälle gilt. Britische Medien hatten behauptet, Moritz habe binnen zwei Wochen acht Mal die Nächte oder wie es ebenfalls hieß, die letzten drei Nächte vor seinem Tod durchgearbeitet. Er sei jeweils um halb sechs Uhr morgens nach Hause gekommen, sagte der Freund gegenüber WirtschaftsWoche Online. So blieben lediglich wenige Stunden, bis die Arbeit in der Bank weiterging.

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Der tragische Tod des jungen Deutschen hat eine Debatte um die langen Arbeitstage in der Londoner City angeheizt. "Zauberkarussel": das ist nicht der Titel einer Kindersendung sondern steht für die bisweilen brutalen Arbeitszeiten im Londoner Investmentbanking. Die Rede ist von Arbeitstagen, die um sieben Uhr morgens beginnen und bis weit nach Mitternacht dauern können. Von Taxis, die junge Banker 24 Stunden nach Dienstbeginn nach Hause bringen und mit laufenden Motoren warten, bis diese - geduscht und mit frischen Kleidern - wieder ins Büro zurückkehren. Derartige Praktiken sind zwar nicht die Norm,  aber sie kommen vor und der Tod des 21-jährigen Studenten wirft ein Schlaglicht auf den Druck, der in der lukrativen Finanzbranche herrscht.

Trotz der langen Arbeitszeiten sind Praktika bei Investmentbanken unter Studenten sehr beliebt, nicht zuletzt aufgrund der guten Bezahlung. Bei der BofA hieß es, Praktikanten erhielten für ihren Sommerjob anteilsmäßig eine Entlohnung, die sich aus einem theoretischen Jahresgehalt von 45.000 Pfund errechnen lasse. Moritz Erhardt hat demnach offenbar ein wöchentliches Gehalt von rund 865 Pfund erhalten, für sein siebenwöchiges Praktikum standen ihm damit rund 6055 Pfund zu, umgerechnet über 7000 Euro. Ein Sprecher der Bank bestätigte gegenüber der WirtschaftsWoche, dass alle Angestellten der Bank - und auch die Praktikanten - im Rahmen ihres Arbeitsvertrages einen Passus unterschreiben müssen, der die EU-Arbeitszeitrichtlinie außer Kraft setzt. Die Richtlinie besagt, dass eine wöchentliche Arbeitszeit von durchschnittlich 48 Stunden nicht überschritten werden soll. Diese außer Kraft zu setzten ist nicht nur in der Londoner City sondern auch bei vielen anderen britischen Arbeitgebern übliche Praxis.

Nach dem tragischen Tod Erhardts habe sich keiner der übrigen BofA-Praktikanten entschlossen, sein Praktikum vorzeitig abzubrechen, obwohl die Bank das den jungen Leuten angeboten habe. "Aber heute ist ohnehin der letzte Tag für alle, denn die sieben Wochen bei uns gehen an diesem Freitag zu Ende", sagte der Sprecher der Bank. 

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