_

Karriere: Die 40 Top-Berufe, in die Sie jetzt wechseln sollten

von Liane Borghardt und Christian Schlesiger

Die Jobangst nach Finanzkrise und Entlassungsmeldungen ist unbegründet. Unternehmen suchen verstärkt Fach- und Führungskräfte: Rund 90.000 offene Stellen sind ausgeschrieben. Welche 40 Jobprofile besonders gefragt sind und was beim Gehalt derzeit üblich ist.

Eine Hand berührt im Quelle: dpa
Eine Hand berührt im Arbeitsamt in Leipzig das Werbeplakat einer privaten Arbeitsvermittlungsagentur Quelle: dpa
Anzeige

Jedes Mal nur die „Aufräumarbeit zu machen“ war Henning Störmer zu wenig. Nach 14 Jahren als Strafverteidiger mit Spezialgebiet Wirtschaftskriminalität bei Großkanzleien wie Linklaters war es Zeit für etwas Neues: Im vergangenen September heuerte der 44-Jährige bei der Wirtschaftsprüfung PricewaterhouseCoopers an: als Berater und Korruptionsbekämpfer für Unternehmen.

Störmer wird gerufen, wenn Mitarbeiter verdächtig geworden sind. Sein Job endet, wenn er in Unternehmen Strukturen geschaffen hat, die solchen Delikten vorbeugen. Das Berufsbild ist neu. Steigende Anforderungen an Transparenz in Unternehmen, Schmiergeldskandale bei Siemens oder Daimler, Sicherheitslücken bei der Bank Société Générale - immer mehr Konzerne und Wirtschaftsprüfer benötigen Experten zur Kriminalitätsbekämpfung.

Die Jobaussichten sind hervorragend. Zusammen mit dem Dienstleister index Internet und Mediaforschung veröffentlicht die WirtschaftsWoche 40 Jobprofile mit Potenzial: Rund 90.000 gesuchte Fachkräfte hat index in Internet-Stellenbörsen und Printanzeigen in den vergangenen drei Monaten recherchiert — vom Arzt über IT-Berater bis Vertriebsmitarbeiter. Wahrscheinlich, so die Experten, seien sogar mehr als 100.000 Positionen offen, weil index nur die Anzeigen zählt, nicht aber die Anzahl der darin gesuchten Kandidaten. Im Durchschnitt würden aber pro Anzeige 1,3 Mitarbeiter gesucht.

Konjunktur haben vor allem technische Berufe: Für Konstruktions- und Entwicklungsingenieure gibt es jeweils etwa 5500 offene Positionen, für Softwareentwickler sogar rund 7000. Aber auch kaufmännische Berufe liegen im Trend. Unternehmensberater können zwischen 8000 Offerten auswählen, Finanzbuchhalter zwischen mehr als 6000.

„Der Aufwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt ist eindeutig spürbar“, sagt index-Chef Jürgen Grenz. Im letzten Quartal 2007 sei die Zahl der ausgeschriebenen Stellen um 41 Prozent höher gewesen als im Vorjahresquartal. Insgesamt hätten 30 Prozent mehr Unternehmen inseriert. „In der Regel ein halbes bis ein Jahr später“, so Grenz, folge der Arbeitsmarkt dem wirtschaftlichen Aufschwung. Trotz eingetrübter Konjunktur prognostiziert er für die kommenden Monate gute Jobaussichten.

Ein Jobwechsel lohnt sich, weil „nur so wesentliche Gehaltssteigerungen erzielt werden können“, sagt Tim Böger, Chef der Vergütungsberatung PersonalMarkt. Ein Plus von zehn Prozent gegenüber den zuletzt mageren Gehaltszulagen könne dann durchaus drin sein. Im vergangenen Jahr steigerten vor allem Führungskräfte oder erfolgreiche Vertriebsmanager ihr Einkommen, weil sie Boni, Prämien oder Erfolgsprovisionen einstrichen, die im Schnitt rund 20 Prozent ihres Jahresgehaltes ausmachen.

Heute werden die stark umworbenen Ingenieure und IT-Fachkräfte „nicht wesentlich besser bezahlt als andere Fachkräfte“, sagt Böger. Sie seien meist keine „Gehaltsoptimierer“: Hat der Ingenieur oder Informatiker einmal einen Job, der ihm gefällt, dann wechselt er selten. Die Gehaltsdaten von PersonalMarkt zeigen: Mehr Flexibilität täte den gefragten Experten gut, ob Berufseinsteiger oder erfahrene Fachkräfte.

Für die Suche nach aktuellen Jobs empfehlen sich je nach Beruf und Karrierephase unterschiedliche Online-Stellenbörsen. So sind Jobware und Stepstone Fundgruben vor allem für technische Berufe. Ein Drittel aller ausgeschriebenen Stellen zielt hier auf Ingenieure und IT-Kräfte. Vertriebsexperten werden oft bei Jobpilot fündig.

Selbst Initiativ-Bewerbungen sind erfolgversprechend, weil viele Stellen besetzt werden, obwohl sie offiziell „gar nicht ausgeschrieben sind“, sagt Grenz. Vor allem Arbeitgeber, die derzeit am stärksten rekrutieren, sind ein gutes Bewerbungsziel.

Lesen Sie hier weiter über die 40 meistgesuchten Top-Berufe:

Zu diesem Artikel
3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.01.2010, 18:49 UhrAnonymer Benutzer: Axel

    Zitat: "Wahrscheinlich, so die Experten, seien sogar mehr als 100.000 Positionen offen, weil index nur die Anzeigen zählt, nicht aber die Anzahl der darin gesuchten Kandidaten. im Durchschnitt würden aber pro Anzeige 1,3 Mitarbeiter gesucht."

    Naja, wer's glaubt wird selig. Fakt ist auch einmal, dass 95% der ausgeschriebenen Stellen von "Verleihbuden" ausgeschrieben werden, damit die dann moderne Sklaverei mit uns betreiben!
    Und die Wirklichkeit sieht so aus, dass ein Unternehmen, welches ein produzierendes Gewerbe hat eine einzige Stelle ausschreibt und 2-3 Tage später die Sklavenbuden für ein und die selbe Stelle 15-20 neue Stellen ausschreiben und dann ganz schnell nach dem oben dargestellten Zählverfahren die 100.000 offenen Positionen zusammen kommen. Anders kann man sich das doch nicht mehr erklären.
    ich sag nur Schlecker... und Hauptsache billige Sklaven!
    in diesem Sinne, herzlichen Glückwunsch an den jenigen, der sich diese Sklaverei ausgedacht hat. Kein Wunder, dass jeder 2. ingenieur heutzutage darüber nach denkt ins Ausland auszuwandern!

  • 13.02.2008, 15:44 UhrAnonymer Benutzer: Thomas

    Traurig aber wahr, die bank branche und auch andere Finanzhüser werden Leute abbauen in der Nächsten Zeit. Doch dann?

    Ganz gross in Mode kommen wird in den Nächsten Jahren der
    "Cleantech" bereich. Das sind Clean Technologies. brennstoffzellen, Photovoltaik, biogas, neue moderne Umwelt und Klimaverträgliche Technologien etc.

    Siehe auch http://www.spirofrog.de

    Dort gibt es Jobs und Praktika bei brennstoffzellen Firmen etc.

    Gruss Thomas

  • 12.02.2008, 19:39 UhrAnonymer Benutzer: SF

    cu

Alle Kommentare lesen

Blogs

Mehr Macht für den Aufsichtsrat - die neuen Pläne der Corporate Governance Kommission
Mehr Macht für den Aufsichtsrat - die neuen Pläne der Corporate Governance Kommission

Corporate Governance Kommission stärkt Aufsichtsrat weiter Der Deutsche Corporate Governance Kodex wird im Sommer an die...

weitere Fotostrecken