Karriere : Mehr als nur die Tochter

Karriere : Mehr als nur die Tochter

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Thor Olafsson

Coach Thor Olafsson über die Herausforderungen von Unternehmensnachfolgerinnen, unterschiedliche Führungsstile und brach liegende Potenziale.

WirtschaftsWoche: Mit welchen Anfangs- schwierigkeiten haben Unternehmens- nachfolgerinnen oft zu kämpfen?

Olafsson: Eine typische Herausforderung für die Junior-Chefinnen: Sie müssen weg vom Image der Tochter, die einige Mitarbeiter möglicherweise noch als 14-jährigen Teenager vor Augen haben, hin zu dem der kompetenten Fachfrau. Denn oft herrscht in der Belegschaft das Vorurteil: Sie hat den Job nur bekommen, weil sie die Tochter ist, und nicht aufgrund ihrer Qualifikationen. So ein Image-Wandel kann zwei, drei Jahre dauern.

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Wie können junge Chefinnen diesen Prozess vorantreiben?

Im Coaching erstellen wir mit den Nachfolgerinnen zunächst ein Organigramm mit Schlüsselbeziehungen: Welche Personen im Unternehmen können ihnen dabei helfen? Von wem können sie offenes Feedback erwarten? Das ist die Basis, um herauszufinden, was die Mitarbeiter von der neuen Chefin erwarten. Klassischerweise sind das klare, schnelle Entscheidungen, die die Tochter unabhängig vom Senior-Chef trifft. Deshalb gilt es, mit der Nachfolgerin die Bereiche zu identifizieren, in denen sie das leisten und rasch Zeichen setzen kann. Nur so kann sie sich als Führungsautorität positionieren.

Tun Frauen sich damit allgemein schwerer?

Aus unserer Erfahrung sind Frauen sehr starke Team-Worker. Manche Mitarbeiter betrachten das als Stärke ihrer Vorgesetzten, andere als Schwäche. Eine Führungskraft muss auf diese unterschiedlichen Bedürfnisse eingehen. Sprich, zwei, drei Mal am Tag zwischen verschiedenen Führungsstilen wechseln. Die ein oder andere Entscheidung muss sie also alleine treffen, wenn ein bestimmter Kollege diese Fähigkeit von ihr sehen will. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Es geht nicht darum, sich als Führungskraft zu verstellen. Sondern darum, mehr Facetten der eigenen Persönlichkeit zu nutzen.

Sie kommen aus Island: Was können Deutsche von Skandinaviern in Sachen Führungskultur lernen?

Als ich nach Deutschland kam, war ich erst erstaunt, wie wenig Frauen in Führungspositionen anzutreffen sind. Das heißt, hierzulande fehlt es im Unterschied zu Island, Norwegen oder Schweden an Vorbildern. Außerdem spielen in Skandinavien Interessensverbände und Netzwerke von Frauen eine viel bedeutendere Rolle. Das ist in Deutschland erst in den Anfängen. Aber die größte Blockade liegt meiner Meinung nach noch in den Köpfen der Frauen selbst. Nach dem Motto: ‚Kind oder Karriere – man kann nicht alles haben.’ Da stelle ich die Gegenfrage: ‚Warum denn nicht?’ Zusammen mit dem Partner lässt sich das organisieren.

Wann holt Deutschland auf?

In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden wir eine große Veränderung erleben: Der Fachkräftemangel bringt die Unternehmen dazu, Frauen für Führungspositionen zu gewinnen. Warum sollten sie jemanden aus dem Ausland anwerben, wenn es noch reichlich ungenutztes Potenzial von Managerinnen gibt?

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