Karriere: So gelingt die Kehrwende mit 50

Karriere: So gelingt die Kehrwende mit 50

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In der Mitte ihres Lebens wollen vielen Menschen, einen Neuanfang wagen. Wer sich im neuen Unternehmen, in der neuen Branche oder in der Selbstständigkeit zurechtfinden will, muss sich vorher gründlich informieren und vorbereiten.

von Marcel Berndt

Das Haus ist gekauft, die Kinder groß, und beruflich bereits viel erreicht: Mit Mitte 40 und Anfang 50 wollen viele Menschen ihr Leben noch einmal umkrempeln. Wer das wagt, muss viel Zeit, Geld und Nerven investieren.

Nach 20 Jahren in der Telekommunikation hatte Martina Bandoly genug: Sie wollte den Wechsel. „Für mich war der Punkt erreicht, an dem ich mich gefragt habe: Bleibe ich? Und was will ich die nächsten Jahre wirklich machen?“, sagt die ehemalige T-Systems-Managerin. Der Eifer, mit dem sie Ende der 80er Jahre in die neu entstehende IT-Branche eingestiegen ist, war längst verflogen. Ihr Herz schlug mittlerweile mehr für die Personalentwicklung ihrer Mitarbeiter. Also wagte sie mit 47 die Kehrtwende und arbeitet seit sechs Jahren selbstständig als Karriereberaterin. Heute berät sie Menschen, die ebenso eine Kehrwende einschlagen möchten.

Davon gibt es in Deutschland einige – die allesamt ein Wagnis eingehen: Wer selbstständig wird, trägt das Risiko, zu scheitern. Wer Festanstellungen in anderen Branchen sucht, trägt das Risiko, wegen seines vergleichsweise hohen Alters abgewiesen zu werden. Hinzu kommt, dass Quereinsteiger einiges lernen müssen – und das im fortgeschrittenen Alter. Immerhin spielt ihnen dabei ihr hoher Erfahrungsschatz in die Hände: „Die Lernfähigkeit ist auch im Alter noch gegeben“, sagt Psychologe Niclas Schaper von der Uni Paderborn. „Ältere Menschen mögen Informationen langsamer verarbeiten, aber im Bereich der Expertise lernen Menschen noch bis ins hohe Alter dazu.“

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Glaubt man den Presseberichten, sind berufliche Auszeiten derzeit wieder schwer in Mode - auch bei Prominenten und Topmanagern. Quelle: Fotolia

Psychologen unterscheiden hierbei zwischen fluider und kristalliner Intelligenz. Die fluide Intelligenz beschreibt, wie flexibel und schnell Menschen Informationen verarbeiten können, und die kristalline Intelligenz das Wissen, dass Menschen anhäufen. Beide Intelligenzarten nehmen bis Mitte 20 zu. Während die fluide Intelligenz ab diesem Punkt beständig abnimmt, steigt die kristalline Intelligenz weiter an – wenn auch langsamer als bisher.

Zum Wissen, das sich Quereinsteiger aneignen müssen, gehört einerseits fachliches, andererseits branchenspezifisches: „Ich muss wissen, welche Qualifikationen ich brauche, wie der Markt aufgebaut ist, wie seine Bedingungen und Anforderungen aussehe“, sagt Martina Bandoly. Kurzum: „Ich muss die Sprache der Branche sprechen.“ Sie selbst hat vor ihrem Berufswechsel Bücher über Kommunikation gelesen und entsprechende Seminare besucht. Nachdem sie ihre Stelle bei T-Systems aufgegeben hat, folgte eine über 500 Stunden lange Coaching-Ausbildung, die vom Deutschen Bundesverband Coaching zertifiziert wurde.

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Hinzu kamen Seminare über Selbstständigkeit bei der KfW-Bank. „Gerade die Selbstständigkeit ist mit hohen Risiken behaftet“, sagt Bandoly. „Wer das wagen will, braucht ein solides finanzielles Fundament.“ Und einen langen Atem, um die ersten Jahre Verluste einstecken zu können.
Ein persönliches Netzwerk hilft Selbstständigen, an Aufträge zu kommen – und Menschen, die weiterhin auf Festanstellungen setzen, einen Arbeitsplatz zu erhalten. „Gerade als älterer Quereinsteiger, wird man bei klassischen Stellenanzeigen kaum Erfolg haben“, sagt Bandoly. Also muss man auf Beziehungen setzen.

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