Karriere trotz Krise: Kein Grund zur Panik - Seite 5

Karriere trotz Krise: Kein Grund zur Panik

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Heike Cohausz
Heike Cohausz, Geschäftsführende Gesellschafterin von Rundstedt & Partner

9. Ich bin Ende 30, und üblicherweise werden zu diesem Zeitpunkt die entscheidenden Karriereweichen gestellt. Schlechtes Timing. Ist der Zug für mich jetzt endgültig abgefahren?

Christine Stimpel: Nein. Karrieren werden nicht von heute auf morgen gemacht. Und nach aller Erfahrung dauern konjunkturelle Krisen nie länger als ein, zwei Jahre. Selbst wenn sich in Ihrem Unternehmen in diesem Zeitraum keine Aufstiegschancen ergeben sollten, ist für Sie der Zug noch längst nicht abgefahren. Die aktuellen Verwerfungen führen zudem dazu, dass im oberen Management aufgeräumt wird. Positionieren Sie sich jetzt, indem Sie Leistung bringen. Im nächsten Aufschwung können Sie dann zu den Gewinnern gehören.

Peter Herrendorf: Lösen Sie sich von dem aktuellen Krisengejammer und blicken Sie nach vorne. Wenn sich der nächste Karriereschritt krisenbedingt nicht sofort ergibt, nutzen Sie die Zeit zur eigenen Weiterbildung. Unterziehen Sie sich beispielsweise einem Persönlichkeits- oder Management-Coaching. Damit bereiten Sie sich auf zukünftige Führungsaufgaben vor und erhöhen Ihren Marktwert. Aber Vorsicht: Jede Weiterbildung muss auf Eigeninitiative und außerhalb der Arbeitszeit erfolgen. Wer jetzt nach teuren Schulungen fragt, hat den Ernst der Situation nicht verstanden.

Tiemo Kracht: Es besteht absolut kein Grund für eine Endzeitstimmung. Für viele Fach- und Führungskräfte war die Karriereentwicklung bisher durch statische Aufstellungen an der Firmenspitze blockiert. Diese Statik gerät nun ins Wanken. Gerade die Enddreißiger verbinden nicht selten Erfahrung mit Erfolgshunger, Tatendrang und Anpassungsfähigkeit. Hier gruppiert sich das Top-Management von morgen. Meine Antithese lautet daher: Ihr Timing ist bestens, Ihr Zug läuft gerade erst ein! Bleiben Sie an der Bahnsteigkante – sprich: vorbereitet und sprungbereit – und schreiten dann am besten gleich ins Führerhaus.

10. Ich bin schon länger mit meinem Job unzufrieden. Gerade habe ich ein attraktives Jobangebot erhalten. Worauf muss ich aktuell beim Wechsel achten?

Peter Herrendorf: Unabhängig von der Krise sollten Sie ein Jobangebot immer daraufhin prüfen, ob Ihnen die neue Aufgabe Entwicklungsoptionen bietet, die Sie in Ihrer alten Position vermissen. Vor allem aber muss die Unternehmenskultur des neuen Arbeitgebers zu Ihnen passen. Bei jedem Wechsel bleibt freilich ein Restrisiko, dass Sie durch umfassende Recherche minimieren sollten. Hierfür sollten Sie nicht nur das Internet oder Image-Broschüren nutzen, sondern auch Kunden oder Kollegen nach dem Zielunternehmen befragen.

Ebenso aufschlussreich ist ein Besuch des Firmengeländes vor Ort. Hier lässt sich der „Stallgeruch“ am besten aufnehmen. Auch wenn Sie in Ihrem alten Job unzufrieden waren, sollten Sie Wert auf ein faires Abschiedsgespräch mit Ihrem Vorgesetzten sowie eine ordentliche Übergabe Ihres Arbeitsplatzes legen. Erstens sind viele Unternehmen gut vernetzt, zweitens sieht man sich im Leben immer zweimal und drittens möchten Sie auch noch ein gutes Zeugnis von Ihrem alten Arbeitgeber haben.

Tiemo Kracht: Unzufriedenheit ist – ebenso wie Angst – ein schlechter Ratgeber. Beide Eigenschaften blockieren die rationale Analyse. Deshalb sollten Sie sich vielmehr die Fragen stellen: Was macht mich unzufrieden? Welche internen Optionen der Weiterentwicklung habe ich? Ist mein derzeitiger Arbeitgeber langfristig eine stabile Plattform für meine Karriere?

Liegt ein Angebot vor, setzt sich der Selbstklärungsprozess fort: Wie ist die Stabilität des neuen Unternehmens zu bewerten? Ist die angebotene Position wirklich ein Entwicklungsschritt oder ein schöngeredeter Seitenschritt? Strategische Karriereentwicklung ist wie ein Schachspiel: Vor jedem Zug sollten Sie auch die nächsten zwei, drei Züge sorgsam überlegen.

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.06.2009, 15:45 UhrAnonymer Benutzer: Jochen Mai

    @Diether: Der Artikel ist vom März! Da sah der Arbeitsmarkt noch nicht so aus wie heute. Siehe Wiwo von dieser Woche. Aber einige der dort geschilderten Tipps gelten auch noch weiterhin.

  • 22.06.2009, 15:43 UhrAnonymer Benutzer: Diether

    Schwachsinn, dass dieses Jahr noch was geht!

    Kenne hochausgebildete Studierte, Fachkräfte in Unternehmen, denen man vor ein paar Jahren nachgesagt hat, sie seien sicher. Meine gesamten Kollegen, Freunde und Kreis darum berichten von Kündigungen, Kurzarbeit, nicht zu bewältigendem sich entwickelndem Stress auf der Arbeit von wegen Arbeitsplatzsicherheit und so weiter, vor allem in der industrie. Vor einem halben Jahr war davon noch nichts zu hören, dass man bei jedem Telefonat mit bekannten nur schlechte infos über das Unternehmen zu hören bekam. ich selber wurde bei einem Oberklasse-Hersteller in der Autoentwicklung gefeuert, danach 5 Gespräche in der gesamten bundesrepublik verteilt bekommen, alle meinten dasselbe: Wir können jetzt nicht einstellen, weil wir nicht wissen, wieviele von uns am Ende noch da sind.
    Hier geht´s dies Jahr ab, liebe Leute, und was nächstes Jahr bringt, können wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen. Da helfen auch keine Maßnahmen mehr, wie sie Rot-Grün 2003 angeschoben haben...

  • 06.06.2009, 22:44 UhrAnonymer Benutzer: Hunter

    Man fragt sich, wie Tiemo Kracht auf den Vergleich mit dem jetzigen Wirtschaftsminister kommt. Das sind doch zweierlei paar Schuhe, was hat denn eine politisch motivierte Ernennung mit der Personalauswahl in der Wirtschaft zu tun. Krisen erzeugen konservative Reflexe, man sucht mehr denn je den angepassten Ja-Sager und den kritiklosen Anwender, der Angst vor der Arbeitslosigkeit hat und sich abschuftet. Die Personalpolitik-und Technik in vielen deutschen Firmen ist verstaubt, den Anforderungen unserer Zeit nicht angepasst.

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