Kooperations-Experte: "Früher habe ich Teams gehasst"

Kooperations-Experte: "Früher habe ich Teams gehasst"

Der Harvard-Psychologe J. Richard Hackman verrät, wie man Teams erfolgreich macht und warum Menschen ganz unterschiedlich mit dem Thema Konkurrenz umgehen.

WirtschaftsWoche: Herr Professor Hackman, Sie beobachten seit über 20 Jahren Teams: Angestellte, Musiker, Techniker, Sportler, sogar Gefangene. Ist der Wettbewerb innerhalb der Gruppen unterschiedlich stark ausgeprägt?

J. Richard Hackmann: Es gibt Berufe, in denen Konkurrenz viel stärker ausgeprägt ist als in anderen. Im Sport zum Beispiel, aber auch in der Finanzindustrie, finden sich viele Menschen, die sich gerne mit anderen messen – denn dort gibt es einfach mehr Möglichkeiten, als wenn man ein Flugzeug zusammen fliegen oder ein Konzert gemeinsam bestreiten muss. Wenn Du also gerne mit anderen zusammen arbeitest, dann ist der Trading-Room bei einem Finanzkonzern wohl nicht der richtige Ort.

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Wo haben Sie jemals ein wirklich eingespieltes Team beobachtet?

Das war ein professionelles Geigenquartett. Die Streicher kannten sich schon länger, waren eine kleine Gruppe und machten tolle Musik. Und sie waren sehr kooperativ.

Unter welchen Voraussetzungen arbeiten Team-Mitglieder so perfekt zusammen?

Immer dann, wenn sie einige Zeit miteinander verbracht haben und ein anspruchsvolles und zugleich klares Ziel verfolgen. Teams sollten außerdem eher klein und gut gemischt sein, das bedeutet: die Team-Mitglieder sollten sich in ihren Fähigkeiten ergänzen. Und es braucht ein Belohnungssystem, das den gemeinsamen Erfolg höher honoriert als den individuellen.

Gibt es, abgesehen von den Belohnungen, andere Triebkräfte für Wettbewerb?

Unsere Erfahrungen im Elternhaus, in Schulen oder in Sportvereinen prägen schon früh, in welchem Maße wir konkurrieren oder kooperieren. Wenn es dort immer darum ging, der Beste zu sein, dann verhalten wir uns auch im späteren Leben nach diesem Prinzip.

Lässt sich der Wettbewerb in einem Team dann überhaupt noch beeinflussen?

Ja. Führungskräfte müssen die Potenziale für Wettbewerb und Kooperation erkennen und offen ansprechen – eine wichtige Aufgabe, die sie aber leider oft vernachlässigen.

Warum?

Möglicherweise liegt das auch daran, dass viele Führungskräfte es gewohnt sind, Einzelkämpfer zu sein. Und sie glauben, dass es nur einen Weg gibt, um motivierte Mitarbeiter zu bekommen: Sie schicken die Mitglieder eines Teams in Wettbewerb.

Wie machen die das konkret?

Es gibt zum Beispiel einige Manager, die ein und dieselbe Aufgabe an zwei verschiedene Teams geben, um zu sehen, wer besser abschneidet. Wenn ich die Leute aus den Sesseln kriegen will, kann das natürlich Sinn machen. Aber so entsteht natürlich ein großer Konkurrenzdruck zwischen den Teams – und es gibt wenig Austausch und vielleicht sogar Sabotagen unter ihnen.

Was ist gut an Wettbewerb?

Wettbewerb ist wunderbar, denn er kann Leute ungemein motivieren. Aber zu viel davon ist für Teams und Belegschaften hochgefährlich und kann alle Beteiligten zu Grunde richten.

Wie wichtig ist es, faire Regeln festzulegen für die Zusammenarbeit in Teams?

Die Nachfrage nach Regeln ist ein Anzeichen dafür, dass das Team nicht optimal aufgebaut ist. Wenn man sich um die Fairness Gedanken macht, dann meistens, weil die Konkurrenz zu stark wird. Wenn Sie aber wirklich gute Kooperation, brauchen Sie sich über die Regeln gar nicht so viele Gedanken zu machen.

Auf Ihrer Homepage sieht man als erstes ein Bild, das ein Basketballteam zeigt und einen Spieler, der abseits steht und den anderen skeptisch zuschaut. Das sind Sie!

Das Bild charakterisiert mich ziemlich gut: Früher habe ich Teams gehasst, weil ich Autonomie schätze. Aber mit der Zeit habe ich gesehen, dass man in einem funktionierenden Team auch beides haben kann: individuelle Freiheit und gemeinsame Erfolge.

Welche Fragen wollen Sie als nächste untersuchen?

Was ich sehr spannend finde sind die neuen Team-Modelle, die gar nicht so aussehen wie die Teams wie man sie seit Jahren kennt: Gruppen von Menschen, die in virtuellen Gemeinschaften über das Internet zusammen arbeiten ohne sich jemals zu begegnen. Diese neuen Formen bergen sowohl neue Probleme als auch Chancen, die wir in Zukunft stärker erforschen wollen.

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