Macht der Stimme: "Die Stimme schlägt jeden optischen Eindruck"

InterviewMacht der Stimme: "Die Stimme schlägt jeden optischen Eindruck"

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Von Bentheim, 47, stand schon mit sechs Jahren als Kinderstar neben Heinz Erhardt, Heinz Rühmann oder Peter Alexander vor der Kamera. Heute ist sie bekannt als deutsche Synchronstimme der US-Schauspielerin Sarah Jessica Parker alias Carrie Bradshaw in „Sex and the City“.

Synchronsprecherin Irina von Bentheim über die Macht der Stimme und ihre Wut auf Callcenter.

Frau von Bentheim, Carrie Bradshaw gilt weltweit als Stilikone – in Deutschland wegen Ihrer Synchronisation auch als Sexsymbol. Ist die Stimme die wahre Verführerin?

Jede Stimme schafft ihre eigene Stimmung – ob sie sich hart anhört oder weich, schneidend oder matt. Und eine schöne Stimme schafft auf jeden Fall eine Wohlfühlatmosphäre.

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Warum ist unsere Stimme ein so mächtiges Instrument?

Die Stimme geht direkt in einen hinein, dagegen kann man sich nicht wehren. Einer meiner Kollegen hat mal bei einer Lesung nur aus dem Telefonbuch vorgetragen – die Leute sind nur wegen seiner schönen Stimme gekommen. Das Ohr ist ein sensibles Sinnesorgan. Man wird durch eine Stimme ganz tief berührt – das schlägt jeden optischen Eindruck.

Abends an der Bar mag das wichtig sein – aber tagsüber im Meeting?

Schon ein unangenehm intoniertes „Guten Morgen“ kann eine Vertragsverhandlung oder ein Vorstellungsgespräch verderben. Umgekehrt kann man eine ganze Menge manipulieren, wenn man die Stimme bewusst einsetzt. Hat jemand eine angenehme Stimme, verhandle ich mit ihm auch lieber. Ich habe oft allein durch meine Stimme einiges erreicht.

Zum Beispiel?

Einmal musste ein Bekannter mit einem Anwalt etwas Unangenehmes besprechen. Den Anruf habe ich übernommen – nach zehn Minuten war alles geklärt, ganz im Sinne meines Bekannten.

Warum gewinnen nicht die besseren Argumente?

Wirkliche Überzeugungskraft hat nur, wer seine Stimme richtig einsetzt. Wenn die Stimme von weit unten kommt, kann sie ein gutes Argument unterstützen. Die Formulierung „mit dem Brustton der Überzeugung“ kommt ja nicht von ungefähr. Einer sonoren Stimme gesteht man größeres inhaltliches Gewicht zu als einer dünnen Fistelstimme.

Sex and the City-Darstellerin Quelle: AP

Sex and the City-Darstellerin Sarah Jessica Parker: Irina von Bentheim ist ihre deutsche Stimme

Bild: AP

Was verrät die Stimme über eine Person?

Ob ich gut gelaunt bin, ob es mir mies geht, ob ich ein zurückhaltender oder angriffslustiger Typ bin, kann man hören – schon wenn ich meinen Namen nenne. Die Stimme ist Ausdruck meiner Seele.

Auch im Negativen?

Natürlich. Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, denke ich oft: Dieser Mensch müsste synchronisiert werden – dann hätte er mehr Überzeugungskraft. Ich hasse Anrufe von sogenannten Telefonprofis, die in Callcentern sitzen und mir mit gelangweilter Stimme ihre Sätze ins Ohr leiern. Da weiß ich sofort, die Person meint gar nicht, was sie gerade sagt. Schrecklich. Ich kann nicht verstehen, wie Unternehmen ihr akustisches Erscheinungsbild so vernachlässigen.

An welche Unternehmen denken Sie?

An meine eigene Bank etwa: Mich rief mal jemand mit einer unglaublich monotonen Stimme an und sagte mir, ich solle mich bei meiner Bank melden. Ich habe mich bei denen so beschwert, dass sie mit diesem Dienstleister inzwischen nicht mehr zusammenarbeiten. Unternehmen schaden sich sehr, wenn sie sich von Menschen vertreten lassen, die gar nicht wissen, wovon und wie sie reden. Gruselig! Auf angenehme Stimmen wird viel zu wenig Wert gelegt. Denken Sie nur an Bahnhöfe, Flughäfen, Navigationsgeräte: Diese Stimmen sind oft ausdruckslos.

Jeder hat eben andere Talente...

Klar ist eine schöne Stimme ein Geschenk. Aber ohne Training geht nichts. Mein Vater...

...der frühere Tagesthemen-Moderator Alexander von Bentheim...

...hat vor seinen Moderationen stets einen Korken zwischen die Zähne genommen und Artikulationsübungen gemacht.

Der war ja auch Profisprecher.

Es ist für jeden hilfreich, an seiner Stimme zu arbeiten. Die Stimme kann man trainieren wie ein Instrument. Ich habe Gesangsunterricht genommen – nicht, um Opern zu singen, sondern um meine Stimme zu verbessern. Wer was aus seiner Stimme macht, hat’s leichter im Leben.

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