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Machtverlust: Wie geschasste Manager mit dem Karriereende klarkommen

von Jens Tönnesmann

Nirgendwo sonst in der Welt ist die Schleudersitzquote so hoch wie in Deutschland. Die Finanzkrise hat das Stühlerücken noch verstärkt. Wie hochdekorierte Manager und Politiker mit ihrem Machtverlust umgehen.

Ausrangiert und vergessen: Spitzenmanager, die ihre Macht verloren haben Quelle: Torsten Wolber
Ausrangiert und vergessen: Spitzenmanager, die ihre Macht verloren haben Quelle: Torsten Wolber

Für ein Gespräch steht Hartmut Mehdorn derzeit nicht zur Verfügung. Der 66-Jährige, der für viele nur „der Bahn-Chef“ war und nun wohl auf ewig ein schmerzhaftes „Ex“ vor diesem Titel tragen wird, ist nach seinem erzwungenen Rücktritt abgetaucht: nach Frankreich. Ausschlafen. Eine Auszeit nehmen – nur mit der Ehefrau, ohne Handy und Laptop.

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Natürlich soll es das nicht gewesen sein. Mehdorn will seinen Nachfolger Rüdiger Grube und den Konzern weiter beraten: „Das ist bei mir wie bei einem Spitzensportler“, erklärte Mehdorn kurz vor seinem Abschied, „der muss erst mal abtrainieren nach der Wettkampfzeit.“

Und doch dürfte es ihm schwerfallen, nur noch aus dem Hintergrund zu agieren. Wie tief der Stachel nach zehn Jahren an der Spitze des Unternehmens sitzt und wie ungerecht dem Entmachteten die Entmachtung erscheinen muss, ist leicht auszumachen. Er gehe zwar mit Wehmut, aber einem – trotz der Bahn-Spitzelaffäre – reinen Gewissen, betonte der geschasste Bahn-Chef. Aber sein Aufsichtsratschef, Werner Müller, gab bei der Abschiedsfeier zu Protokoll: Der unfreiwillige Abgang habe Mehdorn „tief verletzt“.

Hohe Schleudersitzquote in Deutschland

Mehdorn ist in guter Gesellschaft: Spätestens seit dem Ausbruch der Finanzkrise häufen sich die Rücktritte in den Chefetagen. Nicht nur internationale Größen wie Richard Fuld von der Pleitebank Lehman Brothers sind gestürzt; auch hierzulande haben Top-Manager wie Georg Funke bei der Hypo Real Estate (HRE), Ingrid Matthäus-Maier bei der KfW Bankengruppe oder Stefan Ortseifen bei der IKB ihren Führungsposten eingebüßt.

Nirgendwo sonst in der Welt ist die Schleudersitzquote so hoch wie in Deutschland, bescheinigt eine Studie der Strategieberatung Booz & Company. Danach musste hierzulande allein 2008 jeder sechste Unternehmenslenker seinen Platz räumen. Im Schnitt nach 5,5 Jahren – 2,4 weniger als in den USA. Weltweit besonders betroffen: die Manager der Finanzindustrie. Hier verlor jeder fünfte CEO seinen Job.

Die Landesbanken haben zahlreiche Chefs verschlissen

Bestes Beispiel für die hohe Fluktuation in den Geldinstituten sind die neun verbliebenen deutschen Landesbanken: Nur noch einer ihrer Vorstandsvorsitzenden ist seit mehr als zwei Jahren im Amt. Allein die WestLB hat in den vergangenen acht Jahren fünf Vorstandschefs verschlissen.

Die Gründe für die Demissionen sind vielfältig. Die einen stolpern über „unüberbrückbare Differenzen“ in Sachen Konzernausrichtung, andere stürzen unrühmlich, weil sie ihre Ziele nicht erreichen – wie etwa der frühere Arcandor-Chef Thomas Middelhoff. Dazu kommen Fälle wie der von Klaus Zumwinkel, den seine millionenschwere Steuerhinterziehung nicht nur sämtliche Posten, sondern auch mehrere Verdienstorden und seinen bis dahin makellosen Ruf gekostet hat.

So oder so – Machtverlust tut immer weh. Er ist mindestens so schmerzhaft, wie Machtzuwachs schön ist. „Eine hohe Position zu erreichen ist für die meisten von uns erstrebenswert“, sagt der Wirtschaftspsychologe Wolfgang Scholl von der Berliner Humboldt-Universität. Wenn sich etwa drei einander fremde Menschen treffen, entstehen Hierarchien innerhalb von fünf Minuten, haben Psychologen festgestellt.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.07.2009, 11:56 UhrAnonymer Benutzer: dirk

    ich glaube um zumwinkel gehts in dem text nur ganz am rande. Der ist ein fall für sich. und: Es geht ums thema machtverlust, nicht wohlstands- oder geldverlust.

  • 03.07.2009, 19:52 UhrAnonymer Benutzer: Skarrin

    Der kleine Unterschied ist, dass z.b. ein Herr Zumwinkel seinen Weltschmerz auf der eigenen burg in italien auskurieren kann und nicht wie ein gleichaltriger kleiner Angestellter, der auch seinen Job verloren hat, bei Hartz4 in einer muffigen Sozialwohnung.
    Mitleid ist also völlig fehl am Platz, schließlich bleibt den "armen" bankstern und Mißmanagern ja auch noch genügend Geld, um sich eine ganze Horde Psychologen leisten zu können.

  • 03.07.2009, 09:54 UhrAnonymer Benutzer: Piet

    interessanter text - zeigt, dass die bosse und manager irgendwie auch nur menschen sind. leider kann man für die meisten wirklich kaum mitleid haben. wer seine macht schamlos ausnutzt und sie nicht hergeben will, bis er dazu gewzungen wird, darf sich aber auch nicht beschweren, wenn er dann tief fällt...

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