Mail-Typen: Wadlbeißer und Betreffzeilen-Poeten

Mail-Typen: Wadlbeißer und Betreffzeilen-Poeten

Eine Typologie von Mail-Autoren.

Cc... Kollegen; Chef

Betreff: Ihr Fehlverhalten

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Typ: Outlook ist für ihn eine Art Kampfarena. Kommt es zur Auseinandersetzung, zerrt er arglose Mitarbeiter oder Autoritäten gerne per „Cc-Funktion“ zur Verstärkung in den Zeugenstand. In der Heckenschützen-Variante funktioniert das natürlich auch mit Blindcopys (Bc).

Was der Stil verrät: Vorsicht, Wadenbeißer! Hier verschanzt sich einer hinter dem Sicherheitszaun E-Mail, verschafft seinem Ärger impulsiv Luft und markiert sein Territorium. Die peinliche Berührtheit des unfreiwilligen Publikums bemerkt der Kläffer leider nicht. Dieser Mangel an sozialem Gespür lässt ihn oft das persönliche Gespräch scheuen: Er weiß, dass er in der Aug-in-Aug-Debatte wenig souverän und schnell unterlegen ist.

„Der Absender hat von Ihnen eine Lesebestätigung angefordert.“

Typ:  Seine Mails treffen stets mit der Priorität „hoch“ und der Lesebestätigungsfunktion ein. Gerne versendet dieser Kollege auch Einladungen zum Mittagessen in der Kantine per Outlook-Terminanfrage.

Was der Stil verrät: Kontrollfreak. Hier überwacht nicht nur jemand misstrauisch, wann Sie seine E-Mails lesen, sondern setzt Sie auch subtil unter Druck, sofort zu antworten. Obendrein macht er deutlich, wie effizient seine Arbeitsweise ist. Ist sie aber nicht: Wer so mailt, fühlt sich meist gestresst und beschäftigt sich mehr mit seiner elektronischen Post als dem eigentlichen Job.

„An: Alle – Wir sollten das dringend erledigen, s. u.“

Typ: Wenn er schon etwas zu sagen hat, dann nur coram publico. Eingehende Post oder Eingebungen werden grundsätzlich über den großen Verteiler gejagt – an alle, Dringlichkeit: hoch. Was er selbst zur Lösung beiträgt, bleibt in der Verlautbarung jedoch meist unklar.

Was der Stil verrät: Achtung, Windmaschine! Hier schreibt jemand mit ausgeprägtem Aufmerksamkeitsdefizit. „Ich bin der Einzige, der in diesem Laden an alles denkt“, will der Absender Beifall heischend ausdrücken, meint dabei aber auch: „Erledigen sollen das die anderen.“ Das auffällig oft verwendete „Wir“ ist das Lieblingspronomen dieses Weg-Delegierers. Dahinter kann er sich gut verstecken. Und falls keiner auf seine Rundmails reagiert – auch gut: Er hat seine Schuldigkeit getan und alle auf den Missstand hingewiesen. Eine Antwort mag er deshalb gar nicht: „Gute Idee. Kümmerst du dich bitte darum?!“

Betreff: meeting verschoben melde mich wg. termin, gru?

Typ: Fasse dich kurz! Dieser Typ nutzt für seine Botschaften ausschließlich die Betreffzeile. Hier ist schließlich genug Platz für wesentliche Informationen. Auf Groß- und Kleinschreibung verzichtet er dabei genauso wie auf Orthografie.

Was der Stil verrät: Form, Ästhetik, Höflichkeit? Zeitverschwendung, findet dieser Pragmatiker. Aufgaben will er so schnell wie möglich erledigen – auch weil ihm seine Arbeit im Kern lästig ist. Er kalkuliert stets rational. Das macht ihn zur Idealbesetzung fürs Operative, weniger fürs Originelle. Als Gesprächspartner für eine mußevolle Pause beim Italiener ist er ungeeignet.

„Ganz herzliche Grüße aus dem sonnigen München und ein wunderbares Wochenende!!!“

Typ: Immer schön freundlich – je mehr, desto besser. Also müssen Superlative her: Aus „Danke“ wird „tausend Dank“, die Grußformel „Mit freundlichen Grüßen“ mutiert zur Profil-Prosa – Wetterbericht und Wochenendwünsche inklusive.

Was der Stil verrät: Hier will jemand etwas verkaufen. Motto: Bei einem so herzlich-vertrauten Arbeitsverhältnis wird kein Empfänger einen Gefallen ausschlagen. Tatsächlich hat der gewiefte Schmeichler mit der alten Vertriebsmasche Erfolg. Der gnadenlosen Freundlichkeit kann sich kaum einer entziehen. Nur eines bringt ihn aus dem Konzept: stoische Sachlichkeit.

Betreff: Re: Re: Re: Re: Re:...

Typ: Das letzte Wort habe ich! Bei diesem Kollegen endet die Konversation erst, wenn er das will. Und das kann dauern. Entsprechend füllt sich die Betreffzeile mit Replik-Hinweisen – weniger mit Inhalten.

Was der Stil verrät: Entweder ist dieser Typ a) bequemlich oder b) unfähig. Statt den Kern der Konversation zu erfassen, stottert er Idee um Idee zusammen oder holt sich die Informationen, die er braucht, stückchenweise. Auf die Idee, dass er anderen damit die Arbeitszeit stehlen könnte, kommt er indes nicht. Schließlich spielen die Kollegen das Pingpong-Spiel häufig viel zu geduldig und zu lange mit.

„fyi AS“

Typ: Wozu Anrede- oder Gruß-formel? Auf solch überflüssigen Schnickschnack verzichtet dieser Typ konsequent. Die Anmoderation seiner Mails lautet wahlweise: „z. K.“ (zur Kenntnis) oder „fyi“ (for your information). Seinen Namen schreibt er ebenfalls nie aus, Kürzel genügt.

Was der Stil verrät: Dieser Kollege geht ganz in seiner Funktion auf. Warum im Büro persönlich werden? Hier geht es doch vor allem um die Sache! Die beherrscht er allerdings auch aus dem Effeff, was seine E-Mails unterstreichen sollen. Und wer die kryptischen Kürzel nicht entziffern kann, ist ohnehin von gestern.

„:-) :-)) ;-) :-(“

Typ: Seine Mails spickt er reichlich mit sogenannten Emoticons – Grinsegesichtern aus Punkten, Strichen und Klammern. Manchmal bestehen seine Antworten aus nichts anderem als einem Smiley.

Was der Stil verrät: Hier legt einer Wert drauf, dass man ihn auch im schriftlichen Austausch richtig versteht: Bloß niemanden verärgern, bloß jeden Zwischenton sauber rüberbringen. Entweder ist dieser Typ als Diplomat bekannt und beliebt. Oder er kaschiert so nur sein mangelhaftes Ausdrucksvermögen, seine Unentschlossenheit und Harmoniesucht. Klagt er häufiger über Durchsetzungsprobleme im Job, ist das ein klares Indiz für die zweite Variante.

„[...]“

Typ: Die personifizierte Schreibblockade. Mit seinen Antworten lässt er sich meist tagelang Zeit – wenn er überhaupt reagiert.

Was der Stil verrät: Das Postfach des notorischen Spät- oder Gar-nicht-Antworters sieht genauso aus wie sein Schreibtisch: Stapel von Unerledigtem belasten sein Gewissen – ab und zu. Als Leistungsträger weiß er im Grunde, dass er sich sein Chaos leisten kann. Sein Erfolg sowie nachsichtige Kollegen geben ihm recht. Zudem ist Technikmuffeligkeit eine Attitüde, die abhebt. Die Kehrseite: Nicht selten sind Mailverweigerer offene Menschen, die das persönliche Gespräch vorziehen. Warum also vergebens auf Antwort warten? Anklopfen reicht.

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