Serie EntscheidungsMacher: SAP: Ein Güterzug namens Hana

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Serie EntscheidungsMacher: SAP: Ein Güterzug namens Hana

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Hasso Plattner: „Ich bin ein Diktator, aber ein guter Diktator.“

von Michael Kroker

Die Hochleistungsdatenbank Hana ist eines der wichtigsten Produkte in der Geschichte des Softwarekonzerns – und entstand beim Brainstorming bei einem Glas Wein.

Die Beschreibung als „aktiver Aufsichtsrat“ hören Unternehmenskontrolleure in Deutschland eigentlich nicht so gerne. Die große Ausnahme von der Regel heißt Hasso Plattner: Nicht nur, dass der Mitgründer des Walldorfer Softwareriesen mit seinem Anteil von fast zehn Prozent immer noch größter Einzelaktionär von SAP ist.

Zugleich sitzt er als Aufsichtsratschef dem Kontrollgremium vor, fungiert offiziell als Software-Advisor und hält sich mit Kritik am Unternehmen selten zurück. „Ich bin ein Diktator, aber ein guter Diktator“, sagte er mal im Interview mit der WirtschaftsWoche.

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Vor diesem Hintergrund ist es kein Zufall, dass der heute 72-Jährige vor einigen Jahren eine der wichtigsten Produktentwicklungen in der Geschichte der Walldorfer mit angestoßen hat. Mehr noch: Er hat sie mit ersonnen und geradezu durch das gesamte Unternehmen gepeitscht. Die Hochleistungsdatenbank Hana ist ein echtes Leuchtturmprodukt, das gemeinsam vom Hasso Plattner Institut (HPI) in Potsdam, dem SAP Lab im Silicon Valley und der Stanford-Universität entwickelt wurde. Einer der Impulse dafür kam im August 2006. #

WirtschaftsWoche und KPMG präsentieren die Entscheidungsmacher

  • Über die Serie

    Wenn die Etablierten es nicht schaffen, machen wir es selbst. Diese Attitüde vermutet man eher bei Start-ups als bei Konzernen. Doch regelmäßig zeigen Topmanager: Größe und Innovationsfreude schließen sich nicht aus. Welche Topmanager treffen in der Hektik des Tagesgeschäfts wegweisende Entscheidungen? Dieser Frage widmen sich künftig die WirtschaftsWoche und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Rahmen der Serie „EntscheidungsMacher“; wir beschreiben, warum der Manager einen Entschluss gefasst hat – und weshalb der für die Zukunft wegweisend war.

Damals plauderte Plattner gemeinsam mit dem damaligen SAP-Cheftechnologen (CTO) Vishal Sikka in seinem Büro in Palo Alto bei einem Glas Wein über Trends bei Datenbanken. Es ging um die Vision, dank schnellerer Chips künftig gigantische Datenmengen in Echtzeit analysieren zu können. Irgendwann kamen die beiden überein, eine neue Datenbank für SAP zu entwickeln – das heutige System Hana.

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David Delaney will als Medizinchef von SAP den Gesundheitsmarkt erobern. Quelle: Jeff Singer für WirtschaftsWoche

Plattner holte sich die Erlaubnis des Vorstands – und riss kurzerhand die Entwicklung an sich. Am HPI in Potsdam legte er mit seinen dortigen Doktoranden los, CTO Sikka startete die Arbeit parallel dazu im SAP-Lab im Silicon Valley. Erste Prototypen kamen 2010 zum Einsatz, im Juni 2011 verkaufte SAP die Datenbank Hana erstmals an Unternehmen.

Zwischenzeitlich galt das System sogar als die Software mit den größten Wachstumsraten der Konzerngeschichte: Im Geschäftsjahr 2013, nur anderthalb Jahre nach dem Start, kletterte der Hana-Umsatz um 70 Prozent auf fast 640 Millionen Euro – von knapp 400 Millionen Euro im Jahr 2012.

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SAP-Angestellte nennen Hana scherzhaft „Hasso’s new architecture“, der Miterfinder sieht es nüchterner. Die Software sei die Basistechnologie für eine völlig neue Unternehmens-IT. Mit ihr, hofft Plattner, könnte der Traum wahr werden, den er und seine vier SAP-Mitgründer schon 1972 hatten: ein Unternehmen, in dem die Manager auf einen Knopf drücken und ohne größere Wartezeiten alle fürs Geschäft erforderlichen Kennzahlen am Computer abrufen können.

Genau in diese Richtung ging es Anfang 2013, als die Walldorfer ihr Softwarepaket zur Unternehmenssteuerung, die SAP Business Suite, mit der eigenen Hochleistungsdatenbank bündelten. SAP-Kunden brauchen seitdem nicht noch zusätzlich eine Datenbank von Oracle zu kaufen – eine eindeutige Kampfansage an den Erzrivalen, die übrigens auch von Plattner persönlich stammt: „Ich möchte jetzt nicht in der Haut von Larry Ellison stecken“, sagte Plattner seinerzeit an die Adresse des Oracle-Gründers. „Schließlich rast gerade ein Güterzug namens Hana auf ihn zu.“

Der hat inzwischen so richtig Fahrt aufgenommen: Zwar weist SAP die Hana-Umsätze heute nicht mehr gesondert aus, weil die Hochleistungsdatenbank inzwischen Bestandteil praktisch aller Softwareprodukte der Walldorfer ist – sozusagen als zentrale Steuer- und Speicherplattform für alle Daten, die im Unternehmen anfallen.

Das neueste Programmpaket S/4 Hana ist erst seit gut einem Jahr auf dem Markt – und wird ausweislich der Ende Juli veröffentlichten Zahlen für das zweite Geschäftsquartal 2016 bereits von 3700 Unternehmen genutzt. Mehr noch: Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern steht die ganz große Migrationswelle noch bevor. Plattners Vision wurde wahr.

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