Sprengers Spitzen: Was Manager von Donald Trump lernen können

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kolumneSprengers Spitzen: Was Manager von Donald Trump lernen können

Kolumne

Können Manager von Donald Trump lernen? Von Trump als Politiker nicht – wohl aber von Trump dem Unternehmer und Redner.

Donald Trump wollte im eigentlichen Sinne niemals Präsident der USA werden. Er ist ein amerikanischer Oligarch, der durch die Präsidentschaft seine Geschäfte revitalisieren will. Das wird ihm nach der Wahl vermutlich gelingen. Auch Manager werden gewählt, und zwar von den Mitarbeitern. Indirekt zumindest. Mitarbeiter wählen, ob sie sich führen lassen. Das entscheiden sie täglich mit einer Fülle von produktivitätsrelevanten Handlungen. Nimmt man das zum Maßstab, haben wir in den Unternehmen mehr abgewählte Vorgesetzte als gewählte Führungskräfte. Nur dass eine Abwahl selten Konsequenzen hat.

Auf die Ansprache kommt es an

Eine für den Wahlausgang wichtige Situation ist dabei die Ansprache, die Rede vor der Mannschaft – egal, ob als tägliche Treppenansprache oder als Jahresauftaktrede. Die Ansprache ist eine Schlüsselsituation. Sie ist die wirkungsvollste Art zu zeigen, wer jemand ist und was ihm wichtig ist. Auch wenn man vor einem deutschen Publikum faktenbasierter argumentieren muss als vor einem amerikanischen.

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Zur Person

  • Reinhard K. Sprenger

    Reinhard Sprenger zählt zu den renommiertesten deutschen Managementautoren. In seinem neuen Buch "Das anständige Unternehmen" beschäftigt er sich mit richtiger Führung.

Wenn eine Führungskraft vor ihrer Mannschaft steht und eine Ansprache hält, dann entscheiden die Zuhörer, ob sie wirklich etwas hören – oder ob sie nur physisch anwesend sind. Sie stellen implizit zwei Fragen, die gleichsam als Grundzweifel immer mitlaufen: 1. Ist die Führungskraft glaubwürdig? 2. Meint sie mich?

Glaubwürdigkeit war die wichtigste Leitunterscheidung im US-Wahlkampf: Trump ja, Clinton nein. Clinton galt als verlogen, ihr Verhalten antrainiert. Wie oft sagten Amerikaner „ABC!“ – „Anything but Clinton!“ Lieber einen ehrlichen Idioten als eine täuschende und enttäuschende Bildungsbürgerin, die Werte und Moral predigte, der aber der Verrat aus jeder Pore tropfte. Weil sie eine alte, korrupte Politikerkaste repräsentierte. So hat Trump zwar die Minderheiten verloren, aber Clinton hat sie nicht gewonnen.

Zweitens: Meint er mich? Trump sprach zu den Menschen, Clinton sprach über Themen. Clinton sprach, mehr noch, tatsächlich „über“ Themen – von oben herab und mit hohem Abstraktionsgrad. Trump hingegen rümpfte nicht die Nase über Normalmenschen, trug keine elitären Ideale vor sich her. Seine Botschaft: Ich stehe auf eurer Seite! Ihr seid in Ordnung! Ihr seid der Souverän, nicht die politische Parallelgesellschaft! Er verzichtete entsprechend auf jede Umerziehungsrhetorik, auf moralisierende Belagerung, auf politische Korrektheit. Trump wusste, dass Ansprachen keine wissenschaftlichen Referate sind. Er zielte auf die Herzen, Clinton auf die Köpfe. Daher seine emotionale Wortwahl und die ungezwungene Diktion. Kurze Wörter, kurze Sätze, bildhaftes Sprechen.

Besonders beeindruckend: Die Gestik kam immer vor der Aussage, bereitete sie wirkungsvoll vor. Ganz anders als die üblicherweise blutleere, phrasenhafte Managersprache, die man oft nur benebelt ertragen kann. Inhaltlich klang vieles nach Reetablierung der Romantik in Politik und Wirtschaft. Genau danach sehnen sich die Menschen, das Gros der Wirtschaftsführer hat das nur noch nicht begriffen. Aber das ist eine andere Geschichte – aus der man zweifellos noch mehr lernen könnte.

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