Vereinbarkeit: „Quality time ist eine Illusion“

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Management der Zukunft

Vereinbarkeit: „Quality time ist eine Illusion“

von Kerstin Dämon

Frauen mit Kindern treten im Job meist kürzer, bleiben länger zu Hause und arbeiten öfter in Teilzeit. Doch auch immer mehr Väter wollen mehr Zeit für die Familie. Am Ende können davon auch Arbeitgeber profitieren.

Seit zehn Jahren gibt es Elterngeld in Deutschland. Das hat vor allem die Rolle der Väter in Deutschland verändert. Vor der Einführung nahmen durchschnittlich etwa drei Prozent der Männer eine Auszeit für die Kindererziehung. Heute geht jeder dritte Vater in Elternzeit. Allerdings steigen die meisten nur für zwei Monate aus dem Job aus. Wer länger zu Hause bleibt, gilt als Exot. Das hat Carsten Brede-Benning zu spüren bekommen. Der Elektronikmeister aus Großburgwedel bei Hannover ist seit mehreren Jahren in Elternzeit und kümmert sich um Sohn Jonah und Tochter Ida. „Meine Elternzeit dauert noch bis zum dritten Lebensjahr unserer kleinen Tochter“, sagt er.

Brede-Benning hat sich bewusst für die Familienzeit entschieden – auch wenn er mit Vorurteilen zu kämpfen hatte. „Hätte ich gewusst, dass ich so lange zu Hause bin, dann wäre ich von Anfang an ein selbstbewussterer Hausmann gewesen“, sagt er rückblickend.

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Teilzeit ist immer noch Frauensache

Noch brauchen Hausmänner ein dickes Fell: Eltern- und Teilzeit sind nicht nur in den Köpfen vieler Menschen noch überwiegend Frauensache, sondern auch in der Realität. Während 73 Prozent der Frauen mit einem Kind unter sechs Jahren in Teilzeit arbeiten, sind es nur sechs Prozent der Männer. Viele Väter wünschen sich das anders: Gemäß einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Familienministeriums würden 60 Prozent der Väter mit unter sechsjährigen Kindern gerne mindestens die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen. Und auch diejenigen, die sich die Erziehung nicht 50:50 mit der Partnerin teilen, haben keine Lust, das Aufwachsen ihrer Kinder zu verpassen.

Der Kinderwunsch der Deutschen

  • Männer

    Auf die Frage: "Möchten Sie später einmal Kinder haben, und wenn ja: Wie viele?" antworteten Männer:

    Ja, ein Kind: 5 Prozent

    Ja, zwei Kinder: 37 Prozent

    Ja, drei Kinder: 11 Prozent

    Ja, aber ich weiß noch nicht wie viele: 2 Prozent

    Ja, mehr als drei Kinder: 33 Prozent

    Nein, ich möchte keine Kinder: 5 Prozent

    Quelle: statista.com

  • Frauen

    Auf die Frage: "Möchten Sie später einmal Kinder haben, und wenn ja: Wie viele?" antworteten Frauen:

    Ja, ein Kind: 5 Prozent

    Ja, zwei Kinder: 40 Prozent

    Ja, drei Kinder: 11 Prozent

    Ja, aber ich weiß noch nicht wie viele: 4 Prozent

    Ja, mehr als drei Kinder: 26 Prozent

    Nein, ich möchte keine Kinder: 10 Prozent

  • 18- bis 22-Jährige

    Auf die Frage: "Möchten Sie später einmal Kinder haben, und wenn ja: Wie viele?" antworteten 18- bis 22-Jährige:

    Ja, ein Kind: 3 Prozent

    Ja, zwei Kinder: 36 Prozent

    Ja, drei Kinder: 10 Prozent

    Ja, aber ich weiß noch nicht wie viele: 3 Prozent

    Ja, mehr als drei Kinder: 31 Prozent

    Nein, ich möchte keine Kinder: 8 Prozent

  • 23- bis 26-Jährige

    Auf die Frage: "Möchten Sie später einmal Kinder haben, und wenn ja: Wie viele?" antworteten 23- bis 26-Jährige:

    Ja, ein Kind: 6 Prozent

    Ja, zwei Kinder: 35 Prozent

    Ja, drei Kinder: 12 Prozent

    Ja, aber ich weiß noch nicht wie viele: 2 Prozent

    Ja, mehr als drei Kinder: 35 Prozent

    Nein, ich möchte keine Kinder: 5 Prozent

  • 27- bis 30-Jährige

    Auf die Frage: "Möchten Sie später einmal Kinder haben, und wenn ja: Wie viele?" antworteten 27- bis 30-Jährige:

    Ja, ein Kind: 4 Prozent

    Ja, zwei Kinder: 45 Prozent

    Ja, drei Kinder: 11 Prozent

    Ja, aber ich weiß noch nicht wie viele: 3 Prozent

    Ja, mehr als drei Kinder: 22 Prozent

    Nein, ich möchte keine Kinder: 9 Prozent

„Wenn man sein Kind nur sieht, wenn es schon schläft, verpasst man ja das Wichtigste. Gerade wenn die Kinder noch klein sind, will man doch so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen“, sagt Jonas Klinger. Er ist Berater bei elaboratum, einer Münchner Unternehmensberatung mit dem Schwerpunkt Digital Business. Eigentlich arbeitet der Wirtschaftsinformatiker also in einer Branche, wo 60-Stunden-Wochen die Regel sind. Berater leben in Hotels rund um den Globus, für Kinder ist da keine Zeit - könnte man meinen.

„Bei uns geht es ums Ergebnis anstatt um Präsenz. Somit müssen wir auch nicht sechs Tage die Woche unterwegs sein“, sagt er. „Ein großer Teil unserer Projekte ist im Großraum von München, so dass die Anreise keine große Herausforderung darstellt. Und wenn ich doch mal woanders hin muss, achte ich darauf, dass ich maximal drei Tage unterwegs bin.“

Auch sein Kollege Philipp Spreer ist, junger Vater und hat keine Lust darauf, den Klischee-Alltag eines Unternehmensberaters zu leben und dafür seine Familie zu vernachlässigen. „Das Konzept „quality time“ ist eine Illusion. Samstags für sein Kind da zu sein und dann vom Spielplatz zum Zoo und dann zum Eis essen zu hetzen, um an diesem einen Tag möglichst viel mit seinem Kind zu erleben, hilft vielleicht dem eigenen Gewissen, aber nicht dem Kind“, sagt er. Und den Eltern auch nicht.

Was bedeutet "Quality time?"

  • Qualität vor Quantität

    Wer nicht viel Zeit mit seinem Kind verbringen kann, der will die Zeit wenigsten voll ausnutzen - also Qualität vor Quantität stellen. "Quality Time enthält die Hoffnung, den allgemeinen Zeitverlust durch Einplanen von Zeiten des intensiven Zusammenseins so kompensieren zu können, dass die Beziehung keine Qualitätseinbußen erleidet. Aber dies ist eine Art, den Effizienzkult vom Büro auf das Zuhause zu übertragen", warnt die US-amerikanische Soziologin Professor Arlie Russell Hochschild.

„Familie muss in den Alltag integrierbar sein“, sagt Senior Consultant Spreer. Und das auch vor 20 Uhr. Spreer und Klinger haben Glück, wie sie sagen, in einer Unternehmensberatung zu arbeiten, die wenig mit der Arbeitswelt der großen Berater zu tun hat. Dafür spreche man aber eben auch einen anderen Typ Kunden an, der keine rund-um-die-Uhr-Präsenz erwarte, sondern sich auch mit Skype zufrieden gibt.

Damit das klappt, muss im Management ein Bewusstsein dafür herrschen, dass Familien nicht immer auf die Kernarbeitszeiten Rücksicht nehmen. Und dass auch ein Vater seine Kinder zum Arzt, in die Kita oder zum Turnen bringt und deshalb flexibleres Arbeiten braucht, als der kinderlose Single.

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