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Vorbilder : Ich wär so gern wie du

von Lin Freitag

Trump, Brexit, Italien-Referendum: Je unberechenbarer die Welt, desto größer das Bedürfnis nach Orientierung. Eine gute Zeit für Vorbilder. Einziges Problem: Es gibt keine Helden mehr.

Als die Bundesbürger zuletzt in einer großen Studie befragt wurden, wer denn ihre Idole seien, antworteten sie: Mutter Teresa, Nelson Mandela, Helmut Schmidt. Auf eine Friedensnobelpreisträgerin und einen Freiheitskämpfer folgte einer der beliebtesten Politiker der deutschen Geschichte. Ganz schön große Namen, an denen sich die Deutschen da orientieren.

Einblick Postfaktische Zeiten als kollektive Selbsthypnose

Die deutsche Politik ist im postfaktischen Zeitalter angekommen – und nicht erst, seit auch Angela Merkel davon spricht. Darin hat sich die globale Wirtschaft längst eingerichtet.

Miriam Meckel

Die Wahl zeigt aber auch, wonach sich der Mensch sehnt und welche Werte ihm erstrebenswert erscheinen. Der Wunsch nach Nächstenliebe und Freiheit, aber auch nach einem Staatsmann, dem die Bürger vertrauen, ist groß – symptomatisch für eine Zeit, in der Populisten die weltweiten Debatten bestimmen und „postfaktisch“ in Deutschland zum Wort des Jahres gekürt wurde.

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Unruhige Zeiten sorgen für den Wunsch nach Orientierung

Dazu kommen die Umbrüche außerhalb der Landesgrenzen: Im Sommer entschied Großbritannien, nicht mehr zur EU gehören zu wollen, am 8. November wählten die Amerikaner Donald Trump zum Präsidenten, zuletzt entzogen die Italiener ihrer Regierung das Vertrauen. Die Weltordnung, so wie wir sie kannten, scheint sich aufzulösen.

Je unruhiger die See, desto größer das Bedürfnis nach einem Kompass. Nach einer moralischen Instanz, an der wir uns orientieren können; von der wir uns inspirieren lassen und die uns das Gefühl vermittelt, dass die Sonne unter den dunklen Wolken eines Tages schon wieder hervorkommen wird. Deshalb sind Idole derzeit wieder sehr gefragt, beruflich wie privat. „Die Zeichen für Vorbilder stehen gut“, sagt zum Beispiel Historiker Werner Plumpe von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Das sind die westlichen Werte

  • Toleranz

    Tolerant zu sein belegt mit 55 Prozent Platz acht.

  • Gleichheit

    Dass niemand wegen seiner Hautfarbe oder Religion benachteiligt wird, gehört für 57 Prozent der Deutschen zu den wichtigen westlichen Werten.

  • Rechtsstaatlichkeit

    Rechtsstaatlichkeit belegt mit 64 Prozent Platz 6.

  • Marktwirtschaft

    Ebenfalls 64 Prozent nennen das Prinzip der Marktwirtschaft.

  • Gleichberechtigung der Frau

    Die Gleichberechtigung der Frau gehört für 70 Prozent der Deutschen zu den wichtigen westlichen Werten.

  • Religionsfreiheit

    Religionsfreiheit belegt Platz drei: 75 Prozent sagen, dass unsere Werte davon bestimmt sind.

  • Meinungs- und Pressefreiheit

    Für 80 Prozent sind Meinungs- und Pressefreiheit entscheidend.

  • Freie Wahlen

    Der wichtigste Wert sind jedoch Freie Wahlen. 83 Prozent nannten dies einen wichtigen westlichen Wert.

Doch: Es ist immer schwieriger geworden, ein echtes Vorbild zu sein – und zu bleiben. „Wir befinden uns in einem postheroischen Zeitalter“, sagt Plumpe. Nicht nur, weil seit Beginn der Studentenbewegung in den späten Sechzigerjahren alles hinterfragt und Erfolg erst recht, wenn er mit materiellem Wohlstand einhergeht, kritisch beäugt wird. Sondern auch, weil das Internet und die massenhafte Verbreitung von Informationen es potenziellen Idolen fast unmöglich machen, den Anschein von ethisch-moralischer Makellosigkeit aufrechtzuerhalten.

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