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Management-Experte: "Manager sollten offener sein für schräge Ideen"

von manfred.engeser@wiwo.de

Der Management-Professor Julian Birkinshaw fordert ein fundamentales Umdenken in den Chefetagen - samt neuer Organisationsstrukturen.

Julian Birkinshaw
Julian Birkinshaw

WirtschaftsWoche: Professor Birkinshaw, die Finanzkrise scheint ausgestanden. Haben die Manager daraus gelernt?

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Birkinshaw: Nein. Viele wollen weitermachen wie bisher. Aber Management der alten Schule, wie es sich in den Hochphasen des industriellen Kapitalismus entwickelte und wie wir es bis heute praktizieren, hat sich überlebt. Wir müssen das Management von Unternehmen neu erfinden.

Warum?

Auch vor der Finanzkrise haben wir immer wieder erschreckendes Missmanagement erlebt. Vor Kurzem gab es eine Umfrage unter MBA-Studenten, die alle schon Vollzeit im Management arbeiten. Auf die Frage nach ihrem Beruf gaben sie alle möglichen Antworten – nur das „M-Word“, den Begriff „Manager“, haben alle gemieden wie der Teufel das Weihwasser.

Kein Wunder: Die Imagewerte von Managern haben sich extrem verschlechtert. Zu Recht?

Größtenteils ja. In vielen Unternehmen fehlt das richtige Wertegerüst – ein Ziel, an dem sich alle orientieren können, über bloßes Geldverdienen hinaus. Wenn jeder nur auf seine Boni achtet und ihm das Unternehmen ansonsten egal ist, passiert, was wir bei Lehman gesehen haben. Das müssen wir ändern – mit neuen Managementmodellen.

Davon hatten wir doch in den vergangenen Jahrzehnten genügend. Wollen Sie wieder eine neue Sau durchs Dorf jagen?

Sicher, es gibt Dutzende Managementmethoden. Aber um die geht es nicht. Wir brauchen ein grundlegend neues Verständnis von Unternehmensführung.

Wie soll das aussehen?

Unternehmen organisieren sich immer mehr wie ein Spinnennetz. Das viel zitierte Web 2.0 hat uns nicht nur neue Technologien gebracht, sondern ein ganz neues Verständnis von Vernetzung und Zusammenarbeit – letztlich wie das Internet selbst. Diese Prinzipien gilt es nun auf die Unternehmensorganisation zu übertragen.

Wie soll das aussehen?

Ob jemand etwas zu sagen hat, ist nicht länger eine Frage von Titeln. Es ist egal, ob jemand Vice-President ist oder Azubi, ob jemand in der Zentrale arbeitet oder in der Außenstelle in Timbuktu oder seine Ideen zu Hause auf der Gartenliege bekommt – wichtig ist, dass der Input wertvoll ist.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.11.2010, 15:02 UhrAnonymer Benutzer: Manager/Ingenieur

    DAS sind ja wirklich sehr schlaue Erkenntnisse des Herrn beraters. Woher er allerdings weiß, das der "Wertekanon" in den Unternehmen "verbesserungswürdig" ist entzieht sich meiner Kenntnis. Wie leider üblich ist die Medienlandschaft voll von "bertern", die wissen, wie alles besser geht. Deshalb sind sie ja auch nicht in am Markt wirkenden Unternehmen tätig sondern beraten z.b. die vorbildlichen und weltmarktführenden Firmen in indien. Danke dafür ! Darauf haben die deutschen ingenieure und Manager schon lange gewartet !

  • 17.11.2010, 17:36 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt

    "Wenn jeder nur auf seine boni achtet und ihm das Unternehmen ansonsten egal ist, passiert, was wir bei Lehman gesehen haben." - ich fürchte, das können wir ohne Weiteres auf die gesamte Gesellschaft übertragen. Einzelne Organisationen sind Abbilder der gesamten Gesellschaft. Und um die ist es nicht so gut bestellt, behaupte ich einmal...

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