Andrea Nahles und die befristete Teilzeit: "Daran glaubt sie doch selbst nicht"

InterviewAndrea Nahles und die befristete Teilzeit: "Daran glaubt sie doch selbst nicht"

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Teilzeit, Vollzeit, Flexizeit - was kommt bei der Arbeitszeit auf die Arbeitnehmer zu?

Arbeitsministerin Andrea Nahles will einen Anspruch auf befristete Teilzeit für alle schaffen. Schon ihr Entwurf stößt auf heftige Gegenwehr. Nicht nur Arbeitgeber, auch Juristen sind skeptisch, was die Umsetzung angeht.

WirtschaftsWoche: Andrea Nahles will den Anspruch auf befristete Teilzeit gesetzlich verankern. Das klingt doch gut: Eltern, die für die Kindererziehung in Teilzeit gehen, bekommen nach einer bestimmten Zeit ihren Vollzeitjob zurück.
Hans-Peter Löw: Frau Nahles macht das, wie sie sagt, um den Koalitionsvertrag zu erfüllen. Darin heißt es, dass Arbeitnehmer, die wegen der Kindererziehung oder zur Pflege von Angehörigen, in Teilzeit arbeiten, anschließend zurück in eine Vollzeittätigkeit wechseln können. Diese Möglichkeit gibt es aber schon heute. Und das ist gut so. Das allgemein allen Unternehmen vorzuschreiben, halte ich für schwierig zu handhaben.

Zur Person

  • Hans-Peter Löw

    Dr. Hans-Peter Löw ist Chef der deutschen Arbeitsrechtspraxis bei der internationalen Anwaltsgesellschaft Allen & Overy.

Es wird doch niemand spontan entscheiden, ab morgen plötzlich Vollzeit zu arbeiten.

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Die Arbeit wird dadurch weniger planbar. Natürlich gibt es Fristen. Geplant sind drei Monate. Für Arbeitgeber ist das trotzdem eine organisatorische Herausforderung.

Für kleine Unternehmen mehr als für große?
Der Anspruch gilt schon heute nur für Betriebe mit mehr als 15 Beschäftigten. In kleineren Betrieben solle diskutiert werden, ob eine Rückkehr in Vollzeit möglich ist. In jedem vernünftigen Laden wird man das doch ohnehin tun. Aber jetzt sollen die Mitarbeiter einen Anspruch darauf bekommen, dass man mit ihnen redet.

Rückkehr in den Vollzeit-Job Regierung legt Entwurf für befristete Teilzeit vor

Mehr als zehn Millionen Beschäftigte in Deutschland arbeiten in Teilzeit. Doch was ist, wenn man aus Teilzeit auf eine volle Stelle zurückkehren will? Ein neuer Gesetzentwurf soll das erleichtern.

Arbeitnehmer sollen Recht auf befristete Teilzeit bekommen. Quelle: dpa

Bisher mussten Teilzeitbeschäftigte nachweisen, dass ein entsprechender Arbeitsplatz zur Verfügung steht und dass sie für diesen geeignet sind. Jetzt soll eine Beweislastumkehr stattfinden.
Ich weiß nicht, worauf sich diese Beweislast beziehen soll. Wie soll denn der Arbeitgeber beweisen, dass er keine Stelle hat? Da wird man gespannt sein dürfen, wie die Arbeitsgerichte da reagieren. Falls das Gesetz überhaupt kommt.
Halten Sie das für unwahrscheinlich?
Wenn man Frau Nahles beziehungsweise ihren Sprecher sagen hört, dass sie hoffen, dass das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode kommt, heißt das doch, dass sie selbst nicht daran glaubt.

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