AOK-Fehlzeitenreport 2016: Schlechte Unternehmenskultur macht Mitarbeiter krank

AOK-Fehlzeitenreport 2016: Schlechte Unternehmenskultur macht Mitarbeiter krank

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Psychostress im Job gilt als einer der Hauptgründe für Fehlzeiten und Frühverrentung.

Eine schlechte Unternehmenskultur gefährdet die Gesundheit der Beschäftigten. Mitarbeiter, die in ihrem Betrieb eine schlechte Stimmung erleben, sind unzufriedener mit ihrer eigenen Gesundheit und auch häufiger krank.

Die Bedeutung einer guten Unternehmenskultur ist ständig Thema. Mittlerweile ist sie nicht mehr nur irgendein Marketing-Schlagwort, man kann sich sogar etwas darunter vorstellen. In einem Betrieb mit guter Kultur steht das Unternehmen, sprich: die Führungskräfte, hinter ihrer Belegschaft. Wer gute Arbeit leistet, wird auch mal gelobt und Mitarbeiter sind nicht nur Leibeigene, sondern dürfen sogar mitbestimmen. Veränderungen werden möglichst transparent kommuniziert und der Betrieb bietet neben dem Gehalt weitere Sozialleistungen an oder spendiert auch mal einen Obstkorb und beteiligt sich am Beitrag fürs Fitness-Studio.

Soweit die Theorie. In der Praxis klaffen Wunsch und Wirklichkeit häufig auseinander. Das zeigt der aktuelle Fehlzeitenreport es Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). So wünschen sich beispielsweise 78,3 Prozent der 2000 befragten AOK-Versicherten, dass ihr Unternehmen hinter ihnen steht, tatsächlich erleben das jedoch nur 54,8 Prozent. Auch gute freiwillige Sozialleistungen des Arbeitgebers kennen nur 45,7 Prozent. Wünschen würden sich sie 62,3 Prozent. In den anderen Punkten ist die Diskrepanz ähnlich hoch.

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Das Leben ist kein Wunschkonzert und der Arbeitgeber nicht dazu da, seinen Mitarbeitern jeden Wunsch von den Augen abzulesen - könnte man meinen. Wenn es sich nicht rächen würde, die Unternehmenskultur zu vernachlässigen. Denn eine schlechte Unternehmenskultur geht mit einem deutlich höheren gesundheitlichen Risiko für die Mitarbeiter einher.

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27 Prozent derer, die ihre Unternehmenskultur als schlecht beschreiben, sind auch mit ihrer eigenen Gesundheit unzufrieden. Bei den Befragten, die ihr Unternehmen positiv sehen, war es nur jeder Zehnte. "Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Art und Weise, wie Beschäftigte ihre Arbeit erleben, und ihrer Gesundheit", sagt Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Reports.

Diese Dinge auf der Arbeit können krank machen

  • Überstunden

    Die Folgen von permanenten Überstunden können Angst, Depressionen, Schlafstörungen, Feindseligkeit, Irritation als auch Herz-Kreislauf-Schwäche sein. Vor allem Schichtarbeit erhöht laut Report das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall.

    Die Initiative Gesund und Arbeit hat in ihrem Report untersucht, welche Faktoren auf der Arbeit möglicherweise krank machen können.

  • Geringer Handlungsspielraum

    Wer wenig Handlungsspielraum bei der Arbeit hat, erkrankt laut Untersuchung mit höherer Wahrscheinlichkeit an Bluthochdruck. "Je geringer der Handlungsspielraum, desto höher der systolische Blutdruck", heißt es. Deshalb bewertet die IGA das Fehlen eines Handlungsspielraumes als Gesundheitsrisiko.

  • Arbeitsintensität

    Wenn die Arbeitsbelastung über einen längeren Zeitraum enorm stark ausfällt, besteht laut Studie die Gefahr, dass Arbeitnehmer an psychischen Störungen oder Depressionen erkranken. Für somatische Erkrankungen sei kein Risikofaktor nachweisbar gewesen.

  • Mobbing

    Mobbing, aber auch sexuelle Belästigungen führen möglicherweise zu Depressionen und Angstzuständen.

  • Mangelnde soziale Unterstützung

    Mit sinkender sozialer Unterstützung steigt laut Report das Risiko für Depressionen.

  • Rollenstress

    Wer seine Rolle bei der Arbeit nicht genau kennt – oder aufgrund seiner Arbeitsrolle Konflikte austragen muss, hat laut Studie ein erhöhtes Risiko für Depressionen, Angst und Anspannung.

  • Job-Strain-Modell

    Dieses Modell beruht auf der Annahme, dass beruflicher Stress insbesondere dann entsteht, wenn der Arbeitnehmer gleichzeitig hohen Anforderungen und geringem Kontroll- und Entscheidungsspielraum ausgesetzt ist.

    Die Folgen können psychische Erkrankungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Diabetes sein.

  • Keine Anerkennung

    Geforderte Verausgabung ohne Belohnung kann laut Report zu psychischen Beeinträchtigungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

  • Pendeln

    Pendler neigen laut Studie eher dazu, gestresst zu sein.

  • Befristete Verträge

    Befristete Verträge sowie Leih- und Zeitarbeit können zu Gesundheitsbeeinträchtigungen führen. Das liegt laut Report daran, dass diese Arbeitnehmer das Leben nicht vorausschauend planen können, sich dem Unternehmen nicht zugehörig fühlen und meistens geringer entlohnt werden als andere Mitarbeiter.

  • Arbeitsplatz-Unsicherheit

    Arbeitsplatzunsicherheit kann laut Untersuchung zu einem signifikant erhöhten Risiko von psychischen Beeinträchtigungen wie Angst, Depressionen und Stresserleben führen sowie zu kardiovaskulären Erkrankungen.

Denn die Mitarbeiter in Unternehmen mit schlechter Kultur sind nicht nur unzufrieden mit der eigenen Gesundheit, sie sind auch tatsächlich häufiger krank. In solchen Unternehmen treten körperliche Beschwerden, die im Zusammenhang mit der Arbeitstätigkeit stehen, mehr als doppelt so häufig auf (66,6 Prozent im Vergleich zu 32 Prozent bei einer guten Unternehmenskultur). Bei den psychischen Beschwerden sind die Verhältnisse ebenso (65,1 Prozent gegenüber 35,8 Prozent bei einer guten Unternehmenskultur).

Unterschiede gibt es aber auch im Umgang der Beschäftigten mit ihren Erkrankungen: Bei einer schlecht bewerteten Unternehmenskultur hat nahezu jeder Dritte (31 Prozent) im letzten Jahr mehr als zwei Wochen im Betrieb gefehlt. In der Vergleichsgruppe mit einer positiv erlebten Unternehmenskultur war dies nur etwas mehr als jeder Sechste (16,9 Prozent).

So stellen Sie fest, ob die Arbeitsqualität stimmt

  • Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten

    Können die Beschäftigten Einfluss auf die Arbeitsmenge nehmen?

    Ist es ihnen möglich, die Gestaltung ihrer Arbeitszeit zu beeinflussen?

    Können sie ihre Arbeit selbstständig planen?

     

    Quelle: Gute-Arbeit-Index 2015

  • Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten

    Bietet der Betrieb berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten?

    Können die Beschäftigten eigene Ideen in ihre Arbeit einbringen? Ihr Wissen und Können weiterentwickeln?

    Haben Sie Aufstiegschancen?

  • Führungsqualität und Betriebskultur

    Gibt es Wertschätzung durch Vorgesetzte? Hilfe von Kolleginnen?

    Ein offenes Meinungsklima? Wird rechtzeitig informiert? Planen die Vorgesetzten gut?

    Wird Kollegialität gefördert?

  • Sinn der Arbeit

    Haben die Beschäftigten den Eindruck, dass sie mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten? Einen wichtigen Beitrag für den Betrieb?

    Identifizieren sie sich mit ihrer Arbeit?

  • Arbeitszeitlage

    Wird am Wochenende gearbeitet? In den Abendstunden? In der Nacht?

    Wird von den Beschäftigten erwartet, ständig für die Arbeit erreichbar zu sein?

    Leisten sie auch unbezahlte Arbeit für den Betrieb?

  • Soziale und emotionale Anforderungen

    Sind die Beschäftigten respektloser Behandlung ausgesetzt?

    Müssen sie ihre Gefühle bei der Arbeit verbergen?

    Kommt es zu Konflikten oder Streitigkeiten mit Kund/innen, Patient/innen, Klient/innen?

  • Körperliche Anforderungen

    Muss in ungünstigen Körperhaltungen gearbeitet werden? Bei Kälte, Nässe, Zugluft?

    Müssen die Beschäftigten körperlich schwer arbeiten?

    Sind sie bei der Arbeit Lärm ausgesetzt?

    Widersprüchliche Anforderungen und Arbeitsintensität?

    Gibt es Arbeitshetze? Unterbrechungen des Arbeitsflusses? Schwer zu vereinbarende Anforderungen?

    Werden alle arbeitswichtigen Informationen geliefert?

    Müssen Abstriche bei der Qualität der Arbeitsausführung gemacht werden?

  • Einkommen und Rente

    Wird die Arbeit leistungsgerecht bezahlt?

    Hat das Einkommen ein Niveau, dass sich davon leben lässt?

    Wird die Rente, die sich aus der Erwerbstätigkeit ergibt, später zum Leben reichen?

  • Betriebliche Sozialleistung

    Gibt es ausreichend Angebote zur Altersvorsorge im Betrieb?

    Werden Maßnahmen zur Gesundheitsförderung offeriert?

    Werden Sozialleistungen geboten, z.B. Kinderbetreuung, Fahrtkosten- oder Essenszuschüsse?

    Beschäftigungssicherheit / Berufliche Zukunftssicherung?

    Sind die Beschäftigten in Sorge, dass ihr Arbeitsplatz durch technische Veränderungen oder Umstrukturierungen überflüssig wird?

    Machen sie sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft? Um den Arbeitsplatz?

Letztlich hat die erlebte Unternehmenskultur auch Einfluss darauf, wie häufig entgegen dem ärztlichen Rat entschieden wird, krank zur Arbeit zu gehen: Während das nur 11,8 Prozent der Beschäftigten tun, die ihre Unternehmenskultur positiv erleben, zeigen Beschäftigte in Unternehmen mit einer schlechten Unternehmenskultur häufiger ein riskantes Verhalten (16,7 Prozent).

Wer zufrieden mit seinem Arbeitsplatz ist, wird also seltener krank fällt für kürzere Zeiträume aus und steckt nicht unnötig die Kollegen an. Das sollte Arbeitgeber zu denken geben.

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