Arbeitsmarkt: Die Rentner kommen zurück

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Arbeitsmarkt: Die Rentner kommen zurück

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Wegen des demografischen Wandels müssen Unternehmen umdenken. Der Handelskonzern Otto holt nun die eigenen Rentner zurück in den Dienst

Immer mehr Unternehmen erkennen den Wert ihrer älteren Mitarbeiter. Manche setzen auch auf Rentner als Ratgeber und Lückenfüller.

Der Jugendwahn auf dem Arbeitsmarkt ist offensichtlich endgültig vorbei. Aus Mangel an Nachwuchs greifen immer mehr Unternehmen auf ihre eigenen Rentner zurück – wenn die es auch wollen. Der Handelskonzern Otto hat extra eine Tochtergesellschaft gegründet, um Ruheständler zurück zu holen. Die Versand-Veteranen dieser Otto Group Senior Expert Consultancy GmbH sollen „helfen, etwaige Lücken in Arbeitsprozessen zu schließen“.

Die Otto-Tochter hat bereits fünf Mitarbeiter unter Vertrag, die jeweils bis zu 50 Tage im Jahr arbeiten dürfen. Geplant sind, so Sprecherin Jennifer Buchholz, rund 50 bis 60 Teilzeitrentner. „Wir haben schon viele Bewerbungen“, sagt sie. Die Entlohnung wird nach dem letzten Gehalt vor der Verrentung berechnet. Auch wenn es vielen reaktivierten Rentnern nicht nur ums Geld gehen dürfte, attraktiv ist es schon. Denn wenn sie das gesetzliche Rentenalter von 65 Jahren (bei den 1947 und später Geborenen verschiebt sich die Grenze schrittweise auf 67 Jahre) erreicht haben, dürfen Sie unbegrenzt zu Ihrer Rente hinzuverdienen.

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Immer mehr Unternehmen können offene Stellen nur schwer oder gar nicht besetzen. Unternehmen werden bei der Suche nach Spezialisten kreativ.

Fachkräftemangel: Mehr Lohn allein reicht nicht

Der sich abzeichnende demografische Wandel mit dem daraus resultierenden Fachkräftemangel wird für Otto wie für alle Unternehmen in Deutschland zunehmend zu einem Problem. „Die Relation zwischen Jung und Alt ändert sich dramatisch“, erklärt Sandra Widmaier, Personaldirektorin der Otto-Gruppe.

Gesellschaftlicher Wertewandel

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bis 2030 um rund sieben Millionen sinken. Das Angebot an Arbeitskräften, vor allem Akademikern, Fachexperten und Hochqualifizierten, wird für Arbeitgeber immer knapper. Hinzu kommt ein gesellschaftlicher Wertewandel, auf den sich Arbeitgeber einstellen müssen, wenn sie attraktiv sein möchten. Nicht nur junge Menschen wünschen sich im Berufsleben zunehmend zeitliche Flexibilität, Freiheit und Selbstbestimmung. Das gilt auch für ältere Menschen jenseits der Rentengrenze.

Was arbeitswillige Rentner wissen sollten

  • Wie viel darf man verdienen?

    Jenseits des regulären Rentenalters darf man unbegrenzt hinzuverdienen. Für alle, die vor dem 1. Januar 1947 geboren wurden, liegt die Grenze bei 65 Jahren. Für die später Geborenen erhöht sie sich schrittweise auf 67 Jahre.

  • Dürfen auch Frührentner arbeiten?

    Ja. Allerdings werden Rentenleistungen dann entsprechend gekürzt oder ganz gestrichen. Minijobs bis zu einem Monatsverdienst von 400 Euro werden nicht angerechnet.

  • Müssen arbeitende Rentner Steuern zahlen?

    Ja. Es gilt wie für die Rente der individuelle Steuersatz.

  • Was ist mit der Sozialversicherung?

    Vollrentner sind von der Versicherung befreit. Nur wer die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht hat, muss Beiträge zahlen. Wer als Rentner arbeitet, muss da bei der Rentenversicherung anmelden.

Auch andere Unternehmen sichern sich die Erfahrungen ihrer Rentner. Bosch, an deren Vorbild sich die Otto-Gruppe orientierte, hat schon 1999 die Bosch Management Support GmbH gegründet. Sie führt eine Kartei mit etwa 1500 früheren Mitarbeitern, die bei Bedarf als Berater für andere Konzerneinheiten vermittelt werden. 571 Bosch-Rentner haben 2011 insgesamt rund 54.000 Tage für den Konzern gearbeitet.

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Strategien für mehr Gesundheit

Das Spezialglas-Unternehmen Schott begegnet der Alterung mit anderen Methoden. „Nachwuchs- und Fachkräftemangel sowie alternde Belegschaften machen es dringend notwendig, entsprechende Strategien in Unternehmen zu einzuführen. Dazu gehörten intelligente Arbeitsorganisation, betriebliche Gesundheitsförderung, aber auch die Know-How Sicherung", sagt Nina Moyer aus der Schott-Personal-Abteilung. Eingeführt wurde ein Gesundheitstest für Mitarbeiter über 45 Jahren.

Es wurde genau die Zielgruppe erreicht, die wir mit dieser Maßnahme ansprechen wollten, d.h. auch Mitarbeiter mit einem höheren BMI sowie Mitarbeiter, die sehr selten einen Arzt besuchen oder zur Vorsorge gehen. Vielen wird mehr Bewegung und bessere Ernährung geraten. Anderen wird ein Arztbesuch nahegelegt. „Das Feedback der Teilnehmer ist äußerst positiv. Viele möchten die Ergebnisse nutzen, um zukünftig noch mehr auf ihre Gesundheit zu achten“, sagt Moyer. Am Standort Mainz konnte Schott dadurch trotz gestiegenem Altersdurchschnitt die Arbeitsunfähigkeitstage in den vergangenen vier Jahren um 1,7 Tage pro Mitarbeiter und Jahr vermindern.

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