Aufruhr im Männer-Olymp: Superfrauen stürmen deutsche Aufsichtsräte

Aufruhr im Männer-Olymp: Superfrauen stürmen deutsche Aufsichtsräte

2013 werden mehr Frauen die Dax-Konzerne kontrollieren als je zuvor. So mancher Mann allerdings kommt von der Droge Macht einfach nicht los.

Deutschlands Traditionskonzern Siemens wird 2013 ein Stück internationaler – und weiblicher. Am 23. Januar will Aufsichtsratschef Gerhard Cromme den Aktionären vorschlagen, die türkische Unternehmerin Güler Sabanci in den Aufsichtsrat des Münchner Technologiekonzerns zu wählen.

Die Türkin Güler Sabanci soll im Januar in den Aufsichtsrat des Technologiekonzerns Siemens einziehen. In Istanbul führt sie einen Milliardenkonzern.

Die Türkin Güler Sabanci soll im Januar in den Aufsichtsrat des Technologiekonzerns Siemens einziehen. In Istanbul führt sie einen Milliardenkonzern.

Für das US-Magazin "Fortune" zählt die ledige und kinderlose 57-Jährige zu den zehn einflussreichsten Frauen der Weltwirtschaft. In ihrer Heimat Istanbul führt die Harvard-Absolventin seit 2004 den Mischkonzern Sabanci Holding, den einst ihr Großvater gründete. Das Unternehmen setzt etwa im Einzelhandel, mit Weinbau und Reifenproduktion elf Milliarden Euro pro Jahr um und beschäftigt etwa 57.000 Mitarbeiter. Sabanci, kalkuliert Cromme wohl, könnte Siemens auch einige Türen im Wachstumsmarkt Türkei öffnen.

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Das neue Jahr verspricht mehr Frauenpower in Deutschlands Aufsichtsräten. 2013 wird ein Super-Wahljahr in den großen Dax-Konzernen. Allein bei den Kapitalvertretern im Aufsichtsrat sind über 70 Mandate neu zu besetzen – eigentlich die große Chance der Aktionäre, mehr Frauen in die Kontrollgremien zu schicken. Doch den großen Durchbruch wird das Jahr 2013 nicht bringen.

In welchen Aufsichtsräten 2013 neu gewählt wird - und wo Frauen Chancen haben

  • Siemens

    Chancen, dass der Frauenanteil steigt: gut

    Unternehmerin Güler Sabanci zieht in den Aufsichtsrat ein.

  • Lufthansa

    Chancen, dass der Frauenanteil steigt: schlecht

    Ex-Chef Mayrhuber übernimmt wahrscheinlich den Aufsichtsratsvorsitz.

  • Deutsche Bank

    Chancen, dass der Frauenanteil steigt: mittel

    Noch drängt sich keine Frau für den Aufsichtsrat auf

  • Linde

    Chancen, dass der Frauenanteil steigt: mittel

    Noch keine Kandidatinnen benannt.

  • Deutsche Telekom

    Chancen, dass der Frauenanteil steigt: mittel

    Zwei Mandate auf der Kapitalseite laufen aus, Nachfolge offen.

  • Commerzbank

    Chancen, dass der Frauenanteil steigt: mittel

    Die meisten Kapitalvertreter werden voraussichtlich wiedergewählt.

  • Deutsche Post

    Chancen, dass der Frauenanteil steigt: mittel

    Aufsichtsratchef von Schimmelmann hört womöglich auf.

  • Daimler

    Chancen, dass der Frauenanteil steigt: gut

    Offen dafür, Frauenanteil weiter aufzustocken.

  • K+S

    Chancen, dass der Frauenanteil steigt: gut

    Eine weitere Frau soll in das Kontrollgremium kommen.

  • VW

    Chancen, dass der Frauenanteil steigt: mittel

    Das Land Niedersachsen entsendet neue Vertreter in den Aufsichtsrat.

  • E.On

    Chancen, dass der Frauenanteil steigt: mittel

    Die Mandate von sechs Kapitalvertretern laufen aus.

"Wenn es hochkommt, werden 30 Prozent der frei werdenden Aufsichtsratsplätze in allen börsennotierten Dax-Unternehmen an Frauen gehen", schätzt Monika Schulz-Strelow, Unternehmensberaterin und Präsidentin der Vereinigung Frauen in die Aufsichtsräte, kurz: FidAr. "Die Trutzburg-Haltung der männlichen Kollegen löst sich nur langsam auf."

Unübersehbar ist dies an der Isar. Bislang gab es unter den zehn Kapitalvertretern im Siemens-Aufsichtsrat nur eine Frau, Nicola Kammüller-Leibinger, die Chefin des schwäbischen Maschinenbauers Trumpf, mit Sabanci kommt nun eine weitere dazu.

Am 1. Januar zieht zudem Ann-Kristin Achleitner in den Aufsichtsrat des Versicherungskonzerns Munich Re ein. Sie nimmt dort, zunächst ohne Mandat der Aktionäre, den Platz des früheren BMW-und VW-Chefs Bernd Pischetsrieder ein, der an die Spitze des Aufsichtsrats rückt. Ihre Wahl bei der Hauptversammlung im März gilt als Formsache.

Mit der Arbeit in den Kontrollgremien großer Konzerne ist die Professorin für Unternehmensfinanzierung und Ehefrau des Deutsche-Bank-Chefaufsehers Paul Achleitner bestens vertraut. Die Hochschullehrerin gehört den Aufsichtsräten des Handelskonzerns Metro und des Gasspezialisten Linde an – und will dort auch weiterhin dabeibleiben: "Von meiner Seite sind derzeit keine Änderungen geplant", sagte die frühere McKinsey-Beraterin gegenüber der WirtschaftsWoche.

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